"Star Wars"-Star Daisy Ridley "Die Leute sind bereit für eine Heldin"

Sie ist 23 und völlig unbekannt - bis jetzt. Die Britin Daisy Ridley spielt eine der Hauptrollen im neuen "Star Wars"-Film. Hier erzählt sie, wie sie am ersten Drehtag fast eine Panikattacke bekam.

Disney/ Lucasfilm

Ein Interview von


Zur Person
  • AP
    Daisy Ridley, geboren 1992 in Westminster, London, geboren, war bisher nur in Kurzfilmen, Musikvideos und kleineren TV-Rollen zu sehen. 2014 wurde die Schauspielschulen-Absolventin von Regisseur J.J. Abrams für die Hauptrolle der Rey in "Das Erwachen der Macht" gecastet. Abrams folgte damit dem Ansatz von "Star Wars"-Schöpfer George Lucas, weitgehend unbekannte Darsteller zu besetzen.

SPIEGEL ONLINE: Miss Ridley, vor wenigen Monaten kannte sie niemand, jetzt gibt es sogar eine Briefmarke der Royal Mail mit Ihrem Konterfei, es gibt Sie als Actionfigur und auf allerlei Spielzeug zu sehen. Unbegreiflich, oder?

Ridley: Es ist verrückt. Meine kleine Schwester hat die ganzen Sachen überall in unserem Wohnzimmer verteilt, aber ich habe sie gebeten, alles wieder wegzuräumen. Natürlich bin ich total stolz, aber ich kann mich nicht die ganze Zeit selbst anstarren! Ich hole alles wieder raus, wenn ich irgendwann ein Haus habe, das groß genug ist, um einen "Star Wars"-Raum einzurichten. Wenn Leute die Sachen sehen wollen, lasse ich sie rein, ansonsten bleibt die Tür zu.

SPIEGEL ONLINE: Wie kamen Sie zu der Rolle der Rey in "Das Erwachen der Macht" (unsere Filmkritik lesen Sie hier)? Sind Sie einfach zu einem offenen Casting gegangen?

Ridley: Ich wäre auch zu einem Casting gegangen, keine Frage, aber ich wurde tatsächlich zu einem Vorsprechen eingeladen. Ich war so aufgeregt, dass ich eine Stunde zu früh da war und ungefähr 20 Mal auf Toilette musste. Ich war noch nie zuvor so nervös gewesen in meinem Leben, aber ich wollte niemandem erzählen, wofür ich vorsprechen sollte. Nicht einmal meiner Freundin, die ich aus einem Impuls heraus gebeten hatte, mir vor dem Termin die Haare zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Aber doch wohl hoffentlich nicht die Schneckenfrisur von Prinzessin Leia!

Ridley: Es gab tatsächlich einige Mädchen, die damit aufgekreuzt sind! Nein, ich wusste, dass sie nach einer toughen, athletischen jungen Frau um die 20 suchen, also ließ ich meine Haare vor allem glätten, damit ich sie streng nach hinten binden konnte. Ich war vorher schon bei einigen Vorsprechterminen gewesen und hatte zweimal eine Rolle nicht bekommen. Daher hatte ich eine gewisse Paranoia, dass irgendetwas schief gehen würde. Sogar noch, als ich die Rolle schon hatte: dass ich doch nicht die Richtige bin oder es nicht hinkriege. Als wir anfingen zu drehen, war ich so fertig, dass ich fast eine Panikattacke bekam. Aber J.J. Abrams ist ein wundervoller Regisseur, er hat viel dafür getan, dass ich mich entspannen konnte und sicher fühlte. Mir ist bewusst, dass ich großes Glück gehabt habe.

SPIEGEL ONLINE: Was für eine Beziehung haben Sie zur "Star Wars"-Saga?

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Ridley: Ungefähr so wie zu einem entfernten Cousin. Ich wusste von den Filmen und habe sie auch gesehen, aber ich war nie groß involviert oder kannte jedes Detail. Aber selbst wenn ich ein Riesenfan gewesen wäre und zu Conventions gegangen wäre: Nichts hätte mich darauf vorbereiten können, wie groß die Begeisterung und Liebe der Menschen für diese Filme sind. Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich das so richtig erst nach den Dreharbeiten realisiert habe. Ich habe ja noch nie einen Film gedreht, schon gar keinen in dieser Größenordnung. Hätte ich gewusst, was da alles an Erwartungen dranhängt, wäre der Druck wahrscheinlich nicht mehr auszuhalten gewesen. So aber konnten wir uns am Set darauf konzentrieren, einen guten Film zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Rey ist, im Gegensatz zu Leia und Amidala, eine Kämpferin, eine starke, aktive weibliche Figur. Ist das Teil einer dem Zeitgeist angepassten Neuausrichtung von "Star Wars"?

Ridley: Ja, allerdings gab es eine Zeit, in der so viel über Katniss in den "Tribute von Panem"-Filmen diskutiert wurde, dass ich Angst hatte, die Leute könnten noch nicht bereit sein. Aber ich glaube, sie sind absolut bereit für eine starke "Star Wars"-Heldin. Insgesamt bleiben wir den drei Originalfilmen sehr treu, vor allem ästhetisch, aber es sind eben 30 Jahre vergangen: Es ist eine neue Zeit, es ist eine neue Story und es sind neue Charaktere. Ich hoffe, dass sich die Fans von früher genauso dafür begeistern können wie ein neues Publikum, das bisher vielleicht gedacht hat, "Star Wars" hätte gar nichts mit ihnen zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Was für ein Charakter ist Ihre Rey?

Ridley: Sie ist am Anfang alleine und versucht, sich in einer großen, furchterregenden Galaxie zurechtzufinden. Das Schöne an "Star Wars" ist ja, dass man sich so leicht mit den Charakteren identifizieren kann. Leia zum Beispiel. Sie wuchs mit allen möglichen Privilegien auf, aber sie hatte nicht, was sie wollte: Einen Vater und eine Mutter, die für sie da sind. Oder Luke, der mit nichts aufwächst und dann alle Erwartungen übertrifft, die er je an sein Leben gestellt hatte. Han Solo versucht einfach, sich durchs Leben zu wursteln, und dann verliebt er sich plötzlich.

Diese Menschen finden ihren Weg durchs Leben genau wie jeder andere auf dieser Welt: Du versuchst, einen guten Job bei der Arbeit zu machen, du willst deine Kinder gut erziehen und ihnen eine Zukunft ermöglichen. Diese Themen sind real, auch wenn sie im Weltraum spielen, mit Robotern, Außerirdischen und Raumschiffen. Das sind wahrscheinlich die Gründe, warum "Star Wars" die Menschen so anspricht, und das schon seit so langer Zeit. Es geht darum, Liebe zu finden, eine Familie, seinen Platz im Leben und in der Welt.

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Star Wars VII: Wo ist Luke?
SPIEGEL ONLINE: All das hat auch eine dunkle Seite: Der Ruhm, den "Star Wars" definitiv bedeutet, hat auch einen Preis, man ist sehr festgelegt. Mark Hamill kam als Schauspieler nie über Luke Skywalker hinaus. Haben Sie für einen Moment gedacht: Nein, ich tue mir das nicht an?

Ridley: Ich hätte niemals eine so gut geschriebene Rolle für eine Frau in einem Mainstream-Film ablehnen können. Und Mark, Carrie, Harrison und all die anderen, die damals dabei waren, sind sehr glückliche Menschen, sie konnten großartige Leben führen. Die Tatsache, dass sie alle so bereitwillig bei "Das Erwachen der Macht" mitmachen wollten, spricht doch Bände: Warum hätten sie das tun sollen, wenn sie der Meinung sind, dass "Star Wars" ein großer Fehler in ihrer Karriere gewesen ist? Im Gegenteil: Sie lieben die Geschichte und all das, was im Laufe daraus geworden ist, und sie wollen die Story weiter erzählen. Ja, es gab ein Innehalten bei mir, aber nicht, weil ich dachte: Oh Gott, was habe ich getan! Sondern eher aus dem Gefühl heraus, nicht zu wissen, was da noch alles auf mich zukommt.

Das Interview mit Daisy Ridley führten wir Ende September in Berlin.

Im Video: Der Filmtrailer zu "Star Wars - Erwachen der Macht"

Star Wars - Das Erwachen der Macht

USA 2015

Regie: J.J. Abrams

Drehbuch: J.J. Abrams, Lawrence Kasdan nach einer Vorlage von Michael Arndt

Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Adam Driver, Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill, Lupita Nyong'o

Produktion: Lucasfilm Ltd., Walt Disney Pictures, Bad Robot

Verleih: Walt Disney Germany

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Start: 17. Dezember 2015

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
info121 17.12.2015
1. Bereit für eine Heldin?
Ripley? Sarah Connor? Das Interview tut ja fast so als hätte es zuvor noch nie starke weibliche Heldinnen gegeben...
MerlinXX 17.12.2015
2. Leia keine Kämpferin?
"SPIEGEL ONLINE: Ihre Rey ist, im Gegensatz zu Leia und Amidala, eine Kämpferin, eine starke, aktive weibliche Figur." Ich habe mir die alten Filme letzte Woche nochmal angesehen - Leia ist tough und erschießt diverse Gegner, damit beeindruckt sie Han Solo sehr. Sie ist ein Musterbeispiel für eine starke Frau in den 70ern, ich finde nicht, dass Rey stärker wirkt oder das sich das Rollenbild der Frau innerhalb von Star Wars verändert hat - das war auch gar nicht nötig.
Pfeiffer mit drei F 17.12.2015
3.
Nicht zu vergessen, dass es auch bei Star Trek bereits 1995 eine ganze Serie mit einem weiblichen Captain gab. Die Emanzipation der Frau in westlichen Ländern ist durch. Das scheinen einige Zurückgebliebene aber noch nicht mitbekommen zu haben.
udolf 17.12.2015
4.
Zitat von info121Ripley? Sarah Connor? Das Interview tut ja fast so als hätte es zuvor noch nie starke weibliche Heldinnen gegeben...
Verstehe auch nicht warum man so tut als sei es neu. Die 80 und 90ziger fing es an. Das man Heute da noch so ein Ding draus macht?
egonon 17.12.2015
5. Kinder lieben eben Märchen
und auch nach der Pubertät hört diese Liebe für sie nicht auf. Schon in der antiken Sagenwelt, in der Bibel und erst recht bei den Brüdern Grimm gibt es kluge und starke Frauen die dazu taugen, die täglichen Herausforderungen wegzuträumen. Wer sich also diesen Film antun will mag dies ruhig tun, klüger wird er oder sie davon nicht.
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