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Stasi-Drama: "Zwei Leben" nominiert als deutscher Oscar-Anwärter

Deutscher Oscar-Anwärter: Nazi-Terror und Stasi-Spionage Fotos
Farbfilm

Deutsche Geschichte statt Gegenwart: Der Thriller "Zwei Leben" geht als deutscher Anwärter für den Auslands-Oscar ins Rennen. Er hinterfragt die Spätfolgen der NS-Kriegsverbrechen und die Machenschaften der Stasi. Die gefeierte Zeitgeist-Komödie "Oh Boy" darf nicht nach Hollywood.

München - Historische Stoffe haben in Deutschland gute Chancen, zur Preisverleihung nach Los Angeles geschickt zu werden. Zu den früheren deutschen Oscar-Anwärtern zählen etwa "Der Untergang", "Sophie Scholl", "Der Baader Meinhof Komplex", "Barbara" und "Das Leben der Anderen". Jetzt ist mit "Zwei Leben" erneut ein DDR-Drama für die Academy Awards vornominiert worden. Das teilte German Films mit, die Dachorganisation für die Auswahl der deutschen Bewerber um die Oscars.

"Wir haben lange für diesen Film gearbeitet und freuen uns immens, dass 'Zwei Leben' als deutscher Beitrag ins Rennen um den Oscar geht", sagte der Regisseur Georg Maas nach Angaben von German Films. Die Vertriebsrechte für den Film sind bislang nach Frankreich, Israel und Polen verkauft worden. Beim Festival of German Films in Australien erhielt "Zwei Leben" den Publikumspreis.

Der Thriller "Zwei Leben" erzählt von Katrine (Juliane Köhler), Tochter einer Norwegerin und eines deutschen Soldaten. Während der NS-Zeit wurde sie in ein deutsches Kinderheim verschleppt. In den sechziger Jahren flieht sie aus der DDR nach Norwegen, um ihre leibliche Mutter Åse (Liv Ullmann) zu finden. Zur Zeit der Wiedervereinigung ist sie längst im gutbürgerlichen Glück angekommen. Doch dann stellt ein Anwalt plötzlich ihre Identität in Frage, und Katrine wird von ihrer Stasi-Vergangenheit eingeholt.

Makabre Ausgeburt des NS-Rassenwahns

Der Film habe die Jury überzeugt, weil er einen bislang weitgehend unbekannten Strang der deutschen Geschichte beleuchte, heißt es in der Begründung der Auswahlkommission. "Zwei Leben" thematisiert das Drama der norwegischen Kinder deutscher Wehrmachtsoldaten: Die geplante Zucht arischer Herrenmenschen vom NS-Verein "Lebensborn" war eine der makabersten Ausgeburten nationalsozialistischen Rassenwahns; die DDR schlug aus der Nazi-Hinterlassenschaft Kapital. "Das Erbe des Dritten Reichs verzahnt sich mit den Machenschaften des Staatssicherheitsdienstes der DDR", teilt die Jury weiter mit. Beeindruckend seien das intensive Zusammenspiel von Juliane Köhler mit Liv Ullmann und die ausdrucksstarke Kinematografie.

Die preisgekrönte Tragikomödie "Oh Boy", die im April sechs Lolas gewann, ging bei der Nominierung für den deutschen Auslands-Oscar leer aus - ebenso wie sieben weitere Bewerber: "Die Brücke am Ibar" von Michaela Kezele, "Der deutsche Freund" von Jeanine Meerapfel, "Freier Fall" von Stephan Lacant, "Heute bin ich blond" von Marc Rothemund, "Ritter Rost" von Thomas Bodenstein, "Schuld sind immer die anderen" von Lars-Gunnar Lotz und "Tore tanzt" von Katrin Gebbe.

Die Auslandsvertretung des deutschen Films schlägt jedes Jahr einen Kandidaten vor, der für Deutschland ins Oscar-Rennen geht. Nicht alle kommen allerdings unter die letzten fünf, die dann wirklich auch von der Academy nominiert werden. Ob "Zwei Leben" dies schafft, soll am 16. Januar 2014 feststehen, die Oscars werden am 2. März verliehen. In Deutschland ist der Film ab 19. September in den Kinos zu sehen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte German Films mit "Barbara" von Christian Petzold ein DDR-Drama nach Hollywood geschickt. Bei den Nominierungen konnte sich der Film allerdings nicht durchsetzen. Im Jahr 2006 hatte das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck den Auslands-Oscar gewonnen.

Zuvor hatten schon drei weitere deutsche Filme den Oscar in der Kategorie Auslandsfilm gewonnen: Volker Schlöndorffs "Blechtrommel" (1979), István Szabós "Mephisto" (1981), Caroline Links "Nirgendwo in Afrika" (2002). 2011 war "Pina" von Wim Wenders nominiert, allerdings nicht als Auslandsfilm, sondern als Dokumentation. Dieses Jahr wurde der von Deutschland coproduzierte Film "Liebe" des österreichischen Regisseurs Michael Haneke mit einem Oscar ausgezeichnet.

bos/dpa/AFP

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Oh Boy...
yellowsnake 28.08.2013
Zitat von sysopFarbfilmDeutsche Geschichte statt Gegenwart: Der Thriller "Zwei Leben" geht als deutscher Anwärter für den Auslands-Oscar ins Rennen. Er hinterfragt die Spätfolgen der NS-Kriegsverbrechen und die Machenschaften der Stasi. Die gefeierte Zeitgeist-Komödie "Oh Boy" darf nicht nach Hollywood. http://www.spiegel.de/kultur/kino/stasi-drama-zwei-leben-nominiert-als-deutscher-oscar-anwaerter-a-918984.html
...ist ein netter Film, hätte aber in Hollywood nicht die geringsten Chancen auf eine Nominierung gehabt. Ausserdem ist Oh Boy Anfang nächsten Jahres schon ein alter Hut. Was man über diesen 'Zwei Leben' hört und liest, scheint sehr spannend, neu, und Darstellern wie Liv Ullmann und die großartige Juliane Köhler sind eben Kaliber ... sollte Chancen haben.
2. Nicht deutsche Filme mit historischem Stoff...
leser2011 28.08.2013
... haben Chancen bei der Oscar-Verleihung, sondern Filme, in dem sich die Deutschen als Nazis oder Stasis präsentieren, weil ja was anderes in unserer Geschichte auch nicht passiert ist. Und leider sind wir dann auch noch so blöd, uns darüber zu freuen, wenn wir das Bild vom bösen Deutschen in Hollywood mal wieder erfolgreich bestätigen konnten. Ich kenne keine Nation, die sich in der gleichen Weise selbst erniedrigt und über eine Auszeichnung dafür auch noch freut.
3. Ich haett ja lieber einen Film
FKassekert 28.08.2013
ueber die Heldin Merkel, ach so warse ja nicht, gesehn! Langweilig, da von Leuten gemacht, die wenig bis gar keine Ahnung haben bzw. hatten!
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