Superstar Shah Rukh Khan Drogenboss bei der Drucker-Kolonne

Gejagt auf allen Erdteilen: Im neuen Action-Reißer "Don - The King is back" spielt der indische Kassenmagnet Shah Rukh Khan einen Edelbösling. Sechs Jahre nach dem Vorläuferfilm muss er wieder genial-charmante Schandtaten aushecken, diesmal allerdings in Berlin.

Rapid Eye Movies

Von Ilse Henckel


"Es ist nicht schwer, Don zu fassen, es ist unmöglich", lautet das Motto von Don (Shah Rukh Khan), dem asiatischen Drogenkönig, der gerne in der dritten Person von sich spricht und weltweit gesucht wird: von Interpol in Gestalt des Inspektors Malik und der Agentin Roma (Bolly-Stars Om Puri und Ex-Miss-World Priyanka Chopra), aber auch vom Auftragskiller der westlichen Drogenbosse, deren Geschäfte Don durch Billigpreise ruinieren würde, sollte er den europäischen Markt an sich reißen.

Tatsächlich hat Don es vorerst auf die Euro-Druckplatten im Hochsicherheitstresor einer "Deutschen Zentral Bank" in Berlin abgesehen. Harte Währung, um damit eventuell Straffreiheit zu erpressen und Milliardär zu werden. Doch der zur Abwicklung seines Berliner Vorhabens nötige Spezialist, sein alter Widersacher Vardhaan (Boman Irani), sitzt seit Jahren im Knast in Malaysia. Um an ihn ranzukommen, muss der unfassbare Don erst mal selber hinter Gitter…

...wonach das Verbrechergenie samt Don-Produktionsteam von Bollywood nach Berlin zieht, weg von jeglichem Schnulz, hin zu einem verzwickten Hochglanz-Raubzug. Gefördert mit rund zwei Millionen Euro, wurde das 140-Minuten-Werk als erste indo-germanische Koproduktion weitgehend in der herbstlichen Hauptstadt gedreht. Sogar mit ein paar deutschen Schauspielern, darunter "Weißensee"-Star Florian Lukas, von denen allerdings keiner viel zu tun bekam.

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Koproduktion "Don - The King is back": Elegant, sportiv, gewissenlos
Das Resultat schwankt zwischen Action-Sause mit Berliner Luft und labyrinthischem Hindi-Reißbrettkrimi ohne besonders neue Einfälle. Stunts, Verfolgungsjagden, Schieß- und Prügelszenen kennt man; sperrige Rückblenden oder Erklärungen zur Vorgeschichte, flaue Dialoge und Kernsprüche ("Wir sehen uns in der Hölle") bringen das Spektakel auch nicht gerade auf Augenhöhe mit einschlägigen US-Filmen. Und das Verhältnis Don/Roma, eine mehr als doppelbödige Episode aus dem Vorläuferfilm, bleibt leider unscharf.

Und stets im Zentrum des Geschehens: Shah Rukh Khan. Schmal, geschmeidig und selbst in Knastkutte in Guantanamo-Orange noch schick, manipuliert der indische Superstar sich süffisant durch den Film. Er ist der Gewissenlose mit dem sportiven Flair, Dorn im Auge des Gesetzes und Engpass des Thrillers: Nichts und niemand kommt an ihm vorbei. Dabei hätte seiner Figur mehr Substanz und ein starker Gegenpol gut getan.

Farhan Akhtar, 38-jähriges Multitalent aus Mumbai, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent von "Don - The King is back", zeigt sich jedenfalls fasziniert von seinem Unhold und mag ihn: "Die Figur Don ist auf eigene Art ehrlich. Er gibt nie vor, anders zu sein, als er ist. Film-Schurken, die keiner leiden kann, tragen oft eine Maske, um ihr wahres Ich zu verbergen. Don aber tut einfach, was er will, sagt was er denkt und lebt sein Leben. Das kann ansteckend sein - nicht die Untaten natürlich, sondern die Einstellung 'Ich möchte ich selbst sein können, ohne mich dauernd verstellen zu müssen'. Das gefällt indischen Zuschauern. Außerdem ist Don unheimlich cool."

Und das bis zum Abspann. Hier darf Bollywoods Beau Shah Rukh Khan dann einen coolen Pas de Deux mit "Wildkatze Roma" hinlegen.


Don - The King is Back. Start: 16.2. Regie: Farhan Akhtar. Mit Shah Rukh Khan, Priyanka Chopra, Florian Lukas.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
akrisios 16.02.2012
1. Was ist das denn jetzt?
Zitat von sysopRapid Eye MoviesGejagt auf allen Erdteilen: Im neuen Action-Reißer "Don - The King is back" spielt der indische Kassenmagnet Shah Rukh Khan einen Edelbösling. Sechs Jahre nach dem Vorläuferfilm muss er wieder genial-charmante Schandtaten aushecken, diesmal allerdings in Berlin. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,815447,00.html
Wird jetzt Bollywood jetzt medial bei uns gepushed? Dieser Schrott hat nicht einmal Trash-Qualitäten und dient dem Prekariat als Matrix. Falls sich jemand an dem Wort stört, ich meine die Unterschichtler.
mistertengu 16.02.2012
2. Ihre Meinung
Zitat von akrisiosWird jetzt Bollywood jetzt medial bei uns gepushed? Dieser Schrott hat nicht einmal Trash-Qualitäten und dient dem Prekariat als Matrix. Falls sich jemand an dem Wort stört, ich meine die Unterschichtler.
Das ist ihre Meinung und die sei Ihnen gestattet. Ich bin auch kein Bollywoodfan aber wer glaubt, das wären nur Tanzfilme, der irrt gewaltig. Man sollte sich mit dem befassen, was man kritisiert. Ansonsten wirkt die Kritik eher lächerlich.
Neutrum 16.02.2012
3. Habe ich was verpasst?
"Im neuen Action-Reißer "Don - The King is back" spielt der indische Kassenmagnet Shah Rukh Khan einen Edelbösling." Also, mir ist noch nicht aufgefallen, dass Shah Rukh Khan auch nur annähernd so etwas wie "Schauspielerei" beherrrscht...
Waffelbäcker 16.02.2012
4. Lesen!
Zitat von Neutrum"Im neuen Action-Reißer "Don - The King is back" spielt der indische Kassenmagnet Shah Rukh Khan einen Edelbösling." Also, mir ist noch nicht aufgefallen, dass Shah Rukh Khan auch nur annähernd so etwas wie "Schauspielerei" beherrrscht...
Lesen Sie mal ihr eigenes Zitat. Es heißt deutlich "Kassenmagnet" und nicht "Schauspieler". Meine Meinung: Heinz Rühmann hat auch nicht besser gespielt, und das ist der Vergleich, der am ehesten zulässig ist.
kuac 16.02.2012
5. Gesichtsausdruck
Zitat von Neutrum"Im neuen Action-Reißer "Don - The King is back" spielt der indische Kassenmagnet Shah Rukh Khan einen Edelbösling." Also, mir ist noch nicht aufgefallen, dass Shah Rukh Khan auch nur annähernd so etwas wie "Schauspielerei" beherrrscht...
Irgendwo hatte ich folgendes gelesen: Jemand sagt, dass der Till Schweiger kein guter Schauspieler sei, weil er nur 2 verschiedene Gesichtsausdrücke hätte. Daraufhin sagte Till schweiger: das ist immernoch besser als Steeve Mcqueen. Der hat nur einen.
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