Schauspielerin und Regisseurin in "Sweethearts" Herfurthragend

"Ich liebe kommerzielles Kino und schäme mich nicht dafür": Als Schauspielerin steht Karoline Herfurth für Liebesfilme, die leicht sind, aber nicht platt. Jetzt führt sie bei der Actionkomödie "Sweethearts" selbst Regie.

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Es ist nicht so, dass Männer in Karoline Herfurths neuem Film keine Rolle spielen, aber ganz ehrlich: es ginge auch ohne.

In "Sweethearts" entführt eine junge Mutter (Hannah Herzsprung) bei einem Juwelenraub versehentlich eine verpeilte Passantin (Herfurth), eine Kommissarin ohne viel Geduld oder Sinn für Humor (Anneke Kim Sarnau) nimmt die Verfolgung auf.

Eine Actionkomödie über drei Frauen, die sich erst bekriegen, und sich dann helfen, ihr Leben neu zu justieren. Männer sind hier entweder nutzlos (Frederic Linkemann als inkompetenter Ermittler), gefährlich (Ronald Zehrfeld als Gangsterboss) oder Sexobjekt (Frederick Lau als potenzieller Mann fürs Leben).

Also etwa das, was in jeder anderen Actionkomödie die Frauen gewesen wären. Mit dem Unterschied, dass die Männer bei Karoline Herfurth trotzdem wie nahezu echte Menschen wirken.

Herfurth, 1984 in Berlin geboren, ist seit ihrer Kindheit Schauspielerin, heute ist sie eine der erfolgreichsten des Landes. Seit sie 2006 als Mirabellenmädchen in "Das Parfüm" ihren Durchbruch im Erwachsenenkino erlebte, geht es Jahr für Jahr für sie nach oben: "Im Winter ein Jahr", "Vincent will Meer", "Fack ju Göhte", im vergangenen Jahr "Die kleine Hexe" - irgendwie landet sie oft in den besseren deutschen Mainstreamfilmen. Vielleicht sind die Filme aber auch ihretwegen besser. Als sie vor drei Jahren in "SMS für dich" neben der Hauptrolle auch die Regie übernahm, wurde daraus eine der sanftesten Liebeskomödien aus Deutschland überhaupt. Mit "Sweethearts" versucht sie Ähnliches nun für den deutschen Actionfilm.

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"Sweethearts": Charmantes Chaos

Im echten Leben, am Ende eines langen Interviewtages in einem Berliner Luxushotel, ist Karoline Herfurth so smart, selbstbewusst und minimal entrückt, wie sie oft auch ihre Rollen spielt, nur dass sie ohne Drehbuch so schnell reden kann, als müsse sie nicht mal Luft holen. Sie ist stolz auf den Film, aber auch nervös. "Ich verstehe, dass Geschmäcker verschieden sein können, aber trotzdem bin ich da natürlich verletzlich", sagt sie. "Ich werde auch Angst haben, dass die Leute den Film doof finden."

Im Video: "Sweethearts"

Warner Bros.

Muss sie nicht. "Sweethearts" hat Glaubwürdigkeitsprobleme, ist aber so charmant und doppelbödig wie schon "SMS für dich", jetzt eben nur mit mehr Action und einer Frauenfreundschaft im Mittelpunkt. Ein Film für Menschen, die im Kino mal Pause machen möchten von der Welt, ohne dabei den Verstand auszuschalten.

Lauter kleine Zitate

Vielleicht liegt es an der guten Vorbereitung. "Ich habe ein Jahr lang fast nur Actionfilme geschaut, ein bisschen manisch vielleicht", sagt sie. "Ich hatte das Gefühl, ich muss da ein ganzes Genre nachholen. Rausfinden, wo ich mich da zu Hause fühle, und wo meine Grenzen sind." Die Grenzen, laut Selbsteinschätzung: "Mission Impossible", "Bond"-Filme, alles, was zu dunkel wird. Zu Hause: "Lethal Weapon", "Thelma & Louise", "Stirb langsam". Sie hat lauter Zitate und kleine Referenzen untergebracht, besonders stolz ist sie auf den Klingelton der Kommissarin, "Johnny comes marching home" aus "Stirb langsam 3".


"Sweethearts"
Deutschland 2019
Regie: Karoline Herfurth
Drehbuch: Monika Fäßler, Karoline Herfurth
Darsteller: Karoline Herfurth, Hannah Herzsprung, Frederick Lau, Anneke Kim Sarnau, Ronald Zehrfeld, Luna Krüger, David Schütter, Frederic Linkemann
Produktion: Hellinger / Doll Filmproduktion, Warner Bros. Film Production Germany
Verleih: Warner Bros.
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 14. Februar 2019


Herfurth wird ein Hang zum Kommerz nachgesagt, zu leichten Filmen über die Liebe, idealerweise mit Happy End. In der deutschen Arthouse-Szene um Regisseure wie Maren Ade, Christian Petzold oder Andreas Dresen ist sie noch nicht in Erscheinung getreten. Es wäre interessant zu sehen, wie das klappen würde. "Ach, ich liebe kommerzielles Kino und schäme mich nicht dafür", sagt sie. "Genauso wie ich auch französisches Kunstkino in Schwarz-Weiß liebe. Teilweise. Nicht immer."

Vielleicht hat sie ihre Zeit an der "Ernst-Busch"-Schauspielschule in Berlin vorsichtig werden lassen. Ihre Leidenschaft sei immer Film gewesen, mit den alten Theaterstücken in diesen kleinen Reclam-Heften habe sie nicht so viel anfangen können wie ihre Mitschüler. "Ich bin damals viel gescheitert, eigentlich hauptsächlich", sagt sie. Heute würde sie gerne mal wieder Theater spielen, sagt sie, die Klaviatur ausprobieren, die im Film nicht gehe. "Ich habe vieles damals an der Schule einfach noch nicht verstanden", sagt sie. "Aber da wurden Samen gepflanzt, aus denen immer noch was wächst."

"Ich verstehe, dass da manche verunsichert sind"

Sie hat danach noch ein Politik- und Soziologiestudium an der Humboldt-Uni angefangen und sich lange zwischen Filmset und Hörsaal bewegt, ein bisschen Realität neben der Traumwelt Kino. Seit zwei Jahren schlafe das Studium, aber so lange man sie nicht zwangsexmatrikuliere, bleibe sie knallhart eingeschrieben. "Das Studium hat mich und meine Weltsicht total verändert", sagt sie. "Ich habe erst da begriffen, was es für Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten in unserer Welt gibt, ob es um Schichten oder Geschlechter oder Migrationshintergründe geht."

Sie möchte sich in Interviews eigentlich nicht zu politischen Statements hinreißen lassen, die am Ende aus dem Kontext gerissen und missverstanden werden können, aber ihre Meinung verschweigen will sie auch nicht. Sie finde es befreiend, dass gerade so viele Menschen für diese Themen sensibilisiert würden und anfingen, Privilegien und tradierte Rollen zu hinterfragen. "Ich verstehe, dass da manche verunsichert sind", sagt sie. "Aber es hilft ja nichts: Dass wir erkennen, wo diskriminiert wird und wo man selbst diskriminiert, ist das Wichtigste, was wir zu leisten haben."

Ja, es finde gerade ein Kampf statt, und ja, es sei erschreckend, dass ein großer Teil der Welt nicht an Gerechtigkeit und Demokratie interessiert sei. "Aber ich glaube an das Gute im Menschen", sagt sie. "Und ich glaube, dass es gewinnt."

Ans Happy End halt.



insgesamt 2 Beiträge
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Charlie Whiting 14.02.2019
1. Sehr sympathisch
kompetent und ein Grund ins Kino zu gehen. Und... ich finde Happy Ends gut...
noalk 14.02.2019
2. Mein Eindruck
Auch nicht schlechter als Schweiger/Schweighöfer/Herbig.
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