Komödienhit "Taffe Mädels" Die Bullock- und McCarthy-Show

Penible Streberin trifft unflätige Wuchtbrumme: Die Krimi-Komödie "Taffe Mädels" variiert das Thema der ungleichen Partner, die sich zusammenraufen müssen, bevor sie ihren Fall lösen können, wenig originell. Doch die Stars Sandra Bullock und Melissa McCarthy trösten über einige Schwächen hinweg.

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"Leg dich mal dahin, damit ich dir die Tür 157.000-mal in den Kopf rammen kann." "Ich hab's erst gemütlich, wenn mein Fuß in deinem Hintern steckt." "Ich hab die letzte halbe Stunde damit verbracht zu überlegen, wie man dich umlegen könnte." Was Melissa McCarthy und Sandra Bullock mit dieser Hucke voll von Flüchen und Gewaltandrohungen bezwecken wollen, erklären die beiden in ihrem neuen Film gleich selbst: "We bring the heat" - wir machen euch Feuer unterm Hintern.

Euch - das ist in diesem Fall die Unterwelt von Boston. Denn Bullock und McCarthy bilden das Ermittlerinnen-Duo Mullins und Ashburn, das es sich zur selbsterklärten Aufgabe gemacht hat, den mächtigsten Drogendealer der Stadt zur Strecke zu bringen. Bis sich die beiden darauf geeinigt haben, dass sie einen gemeinsamen Gegner haben, vergeht aber erst einmal einige Zeit - denn zunächst bekämpfen sich die penible FBI-Agentin Ashburn (Bullock) und die explosive Streifenbeamtin Mullins (McCarthy) vor allem gegenseitig.

Exakte Polizeiarbeit trifft auf erfahrungsgesättigtes Bauchgefühl, faltenfreier Hosenanzug auf schmieriges Metal-T-Shirt, Waisenkind auf Familienmensch. Kompatibilität? Erst nach einem Tresen voller Schnäpse und einer mehr als zweifelhaften öffentlichen Tanzeinlage gesichert. Doch in dem Moment, in dem sich Mullins und Ashburn zusammengerauft haben, scheint ihre Zeit als Team auch schon wieder vorbei zu sein: Ihren ersten gemeinsamen Einsatz haben sie so verhauen, dass sie von dem Fall wieder abgezogen werden. Haben es die beiden trotzdem drauf, den meistgesuchten Gangster der Stadt zu finden?

Von kaltem Hass bis hin zu ruppiger Vertrautheit

Emmy-Gewinnerin Melissa McCarthy ("Mike & Molly") und Oscar-Gewinnerin Sandra Bullock ("The Blind Side"): In den USA hat diese Kombination schon für volle Kinokassen gesorgt. Bereits am ersten Wochenende hat "Taffe Mädels" (Originaltitel "The Heat") sein Budget von rund 43 Millionen Dollar wieder eingespielt und dabei auch Action-Spektakel wie "World War Z" oder "White House Down" hinter sich gelassen. Ein fast so großer Erfolgsgarant wie die Stars dürfte bei "Taffe Mädels" der Mann hinter der Kamera sein: Paul Feig gilt spätestens seit dem Smash-Hit "Brautalarm" als Hollywoods bester Regisseur für weibliche Comedy-Talente.

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Krimikomödie "Taffe Mädels": Sie machen Feuer unterm Hintern

Auch in "Taffe Mädels" weiß Feig Bullock und McCarthy bestens in Szene zu setzen: Er räumt ihnen jeden Raum frei, den sie brauchen, um ihre großartige Dynamik von kaltem Hass bis hin zu ruppiger Vertrautheit zu entfalten. Dafür sind die love interests ausgemistet, kein Mann lenkt hier vom Showdown der unterschiedlichen Temperamente und Ermittlungsmethoden ab.

"Kein Wunder, dass sie Single ist"

Dass "Taffe Mädels" dennoch etwas abgeschmackt daher kommt, liegt am Genre des Buddy-Cop-Movies, mit dem weder Drehbuchautorin Katie Dippold ("Parks and Recreation") noch Feig sonderlich neues anzufangen wissen. Die Annäherung der vermeintlich Unnahbaren gerät ihnen so vorhersehbar wie die Auflösung des Kriminalfalls, von der vollends generischen Tanz- und Trinkszene zur Mitte des Films ganz zu schweigen.

Am interessantesten ist da noch das beiläufige Thematisieren von Sexismus-Erfahrungen, das sich der Film ganz unaufgeregt erlaubt. Als Ashburn ein Sondereinsatzkommando vorführt, indem sie als Einzige das Drogenversteck eines Dealer ausfindig macht, zischt ein Kollege hinter ihrem Rücken: "Kein Wunder, dass sie Single ist." Von so etwas lassen sich aber weder die weiblichen Figuren noch der Film beeindrucken. Dies hier ist die Bullock- und McCarthy-Show, daran lässt "Taffe Mädels" keinen Zweifel.

Wer nicht mehr erwartet - wobei der gelungene Auftritt von zwei erstklassigen Komödiantinnen ja auch nicht wenig ist - für den dürfte "Taffe Mädels" ziemlich gute Sommerkino-Unterhaltung bereithalten.


"Taffe Mädels". Regie: Paul Feig. Mit Sandra Bullock, Melissa McCarthy und Demian Bichir. Ab 4.7. im Kino

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
h.hass 04.07.2013
1.
Das sind zwei gute Schauspielerinnen, die die vermutlich etwas standardisierte Story gut über die Runden bringen können. Näheres wird die Betrachtung des Films zeigen. Auf jeden Fall ist es erfreulich, wenn mal kein Action- oder Fantasyfilm und auch keine romantische Komödie an der Spitze der Kinocharts stehen.
niska 04.07.2013
2.
Zitat von sysopPenible Streberin trifft unflätige Wuchtbrumme: Die Krimi-Komödie "Taffe Mädels" variiert das Thema der ungleichen Partner, die sich zusammenraufen müssen, bevor sie ihren Fall lösen können, wenig originell. Doch die Stars Sandra Bullock und Melissa McCarthy trösten über einige Schwächen hinweg. http://www.spiegel.de/kultur/kino/taffe-maedels-komoedienhit-mit-sandra-bullock-und-melissa-mccarthy-a-908931.html
Man mag nur hoffen, dass nicht wieder, wie so oft in letzter Zeit alle guten Gags schon in der Vorschau verbraten wurden. Die Telefonbuchszene war von beiden schon sehr charmant gespielt. Nachdem die Sitcom 'Mike and Molly' gagtechnisch unter aller Kanone ist, mag man für McCarthy auf einen guten Film hoffen.
M43usch3n 04.07.2013
3. Leider
Leider muss ich sagen, dass die Figur der FBI-Agentin Ashburn viel zu sehr auf Sandra Bullock zugeschnitten und deswegen unglaubwürdig ist. Dennoch die Gags zünden, die Story ist unterhaltsam und die Witze größtenteils unter der Gürtellinie. Lediglich Sandra Bullock ist overrated...
nunu-na 04.07.2013
4. optional
ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Es ist sicher keine große Kinokunst, aber witzig, mit guten Darstellern. Kurz vor Ende wurde mir die Story etwas zu flach, aber ansonsten war es eine gute Komödie. Mehr muss man bei einem solchen Film doch auch gar nicht erwarten.
monobær 05.07.2013
5. Humor ist, wenn man trotzdem nicht weint...
Allein bei der Betrachtung des -mal wieder- bemerkenswert peinlichen deutschen Titels, lässt sich erahnen, dass von jeglichem Wortwitz in der deutschen Fassung nur mehr Gehacktes übrig bleibt. Naja, wahrscheinlich immer noch besser als das, was man bei uns hier im Allgemeinen unter Humor versteht.
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