"Tal der Wölfe" Freigabe erst ab 18?

"Jugendgefährdend", "sozial desorientierend", "antisemitisch": Die Kritik am türkischen Kriegsfilm "Tal der Wölfe" wird zunehmend schärfer. Nordrhein-Westfalens Jugendminister forderte die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft zu Maßnahmen auf.


Berlin - Die Welle der Empörung über den türkischen Irak-Krieg-Film "Tal der Wölfe" ebbt nicht ab. Die Bundesregierung war heute erkennbar bemüht, die Aufregung zu dämpfen. Die Türkische Gemeinde zu Berlin verteidigte den Actionfilm als türkische Variante des "American Way of Life": "Er ist genau die Kultur, die uns der Westen seit 50 Jahren predigt."

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Regierungssprecher Ulrich Wilhelm äußerte sich nicht über den Inhalt des Films, den er nicht kenne. Aber mit der Resonanz auf einen solchen Film sollten sich alle auseinander setzen, so Wilhelm. Es sei auch ein Anliegen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass der Dialog der Kulturen stärker geführt wird, als in der Vergangenheit.

Dagegen hatte der nordrhein-westfälische Jugendminister Armin Laschet (CDU) den Film als "jugendgefährdend" und "sozial desorientierend" bezeichnet. Der Film könne dazu beitragen, den Dialog der Kulturen zu zerstören und den Konflikt zwischen den Religionen zu schüren. Bei der zuständigen Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) beantragte er, den Film statt ab 16 erst ab 18 Jahren freizugeben.

"Tal der Wölfe" zeichne sich durch einen latenten Antisemitismus aus, sagte der CDU-Politiker weiter. Die Ablehnung jeglicher Form von Antisemitismus sei aber ein Grundkonsens der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Gestern hatte der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber von einem "rassistischen Hass-Film" gesprochen und dessen Absetzung gefordert.

Der Unionsabgeordnete Wolfgang Börnsen erklärte: "Filme, die Hass säen, bei Heranwachsenden zur Rache aufrufen, gegen Glaubensgemeinschaften undifferenziert Front machen, die Werte anderer Kulturen herabsetzen und blanke Gewalt predigen, haben im Kino nichts verloren." Unverständnis äußerte er darüber, dass die FSK die Heraufsetzung des Mindestalters auf 18 Jahre verweigere und dass dem Appell des Zentralrats der Juden in Deutschland gegen diesen Film nicht gefolgt worden sei. Es wäre auch verantwortlicher gewesen, den Film angesichts der derzeitigen religiösen Zuspitzungen auf Eis zu legen, bis das Klima eine "wirklich kritische Auseinandersetzung" erlaube.

Die Türkische Gemeinde zu Berlin warf Stoiber "feige und verlogene Politik" vor. Seine Forderung nach Absetzung des Films sei wahltaktisch begründet. Der CSU-Chef sei nie gegen westliche Machwerke vorgegangen, in denen Russen, Türken oder Asiaten verunglimpft worden seien, erklärte die Gemeinde. Niemand behaupte, dass der umstrittene Film annähernd authentisch sei. Es handele sich nicht um einen Dokumentarfilm, sondern um einen "Actionfilm à la Hollywood".

dan/ap



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