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"Tal der Wölfe": Türkischer Kinohit schürt Kulturkampf

Von Alexander Bürgin

Ein extrem einseitiger Film über den Irak-Krieg, der in der Türkei bereits Besucherrekorde brach, sorgt jetzt auch in Deutschland für Furore unter türkischstämmigen Jugendlichen. Die antiamerikanischen Ressentiments, die "Tal der Wölfe" plakativ bedient, sorgen für Jubel im Kinosaal.

Der Kinosaal im Berliner Stadtteil Wedding ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele türkischstämmige Jugendliche haben es sich in den Sesseln bequem gemacht. Auf der Leinwand sprengt der türkische Held des Films das Haus des amerikanischen Oberbefehlshabers im Nordirak in die Luft. Seine Freunde gratulieren: "Die Türkei ist stolz auf dich." Die Jungs im Kino klatschen Beifall.

Kampfszene aus "Tal der Wölfe": Hass auf den Westen
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Kampfszene aus "Tal der Wölfe": Hass auf den Westen

Seit Wochen haben sie darauf gewartet, dass "Tal der Wölfe - Irak", die mit zehn Millionen Dollar teuerste türkische Filmproduktion aller Zeiten, die dort allein in den ersten drei Tagen eine Million Zuschauer in die Kinos lockte, auch in Deutschland zu sehen ist. Es geht um verletzte Ehre, Rache und Antiamerikanismus. Ein extrem einseitiger Film über den Irak-Krieg, der den Kampf der Kulturen schürt. Seit Donnerstag hatte "Tal der Wölfe" in Deutschland bereits 130.000 Zuschauer, obwohl er nur mit einer geringen Kopienzahl (65) gestartet ist.

Der Film beginnt mit einer wahren Begebenheit: 4. Juli 2003, ein türkischer Militärposten in der nordirakischen Stadt Süleymaniye. Der Auftrag: Der Militärführung in Ankara soll über die Entwicklung der Situation berichtet werden. Es besteht die Befürchtung, dass die instabile Lage in den Kurdengebieten sich über die Grenze bis in die Südtürkei ausdehnt.

Plötzlich rücken amerikanische Soldaten an, verhaften die Türken, stülpen ihnen Säcke über das Gesicht und führen sie ab. Bilder, die damals durch die türkischen Medien gingen: Stolze Soldaten, vom Nato-Partner beleidigt, gedemütigt und aus dem Irak geschmissen. Der einhellige Tenor: So arrogant können die Amerikaner nicht auf unserer nationalen Ehre herumtrampeln. Die Aktion der Amerikaner wird als Strafe dafür gewertet, dass das türkische Parlament drei Monate zuvor den Vereinigten Staaten die Benutzung türkischer Militärbasen zur Eröffnung einer zweiten Front gegen Saddam Hussein untersagte.

Im Film steht der Vorfall prototypisch für das Vorgehen der USA in der Region. Der amerikanische Oberbefehlshaber heißt Sam, damit klar ist, dass er für ganz Amerika steht. Er höhnt: "Wir trampeln schon lange auf eurer Ehre herum." Der türkische Offizier kann die Schmach nicht ertragen und bringt sich um.

Soldaten im Blutrausch

Die Episode über den Rauswurf der türkischen Soldaten zeigt, welch immens hohen Stellenwert der Ehrbegriff bei Männern der muslimischen Welt hat. Und wie ehrverletzend Muslime das Auftreten des Westens wahrnehmen. Das Abführen mit Säcken über dem Kopf - ein weiteres Glied in einer langen Kette von Demütigungen und Beleidigungen, die den Hass auf den Westen gedeihen lassen.

Der Film instrumentalisiert diesen Groll auf den Westen. In einer verzerrenden Darstellung des Irak-Kriegs werden alle Klischees des Kampfs der Kulturen bedient. Folterszenen, die an die Ereignisse in Abu Ghureib erinnern, werden im Film alptraumhaft inszeniert - eine fragwürdige Lust an der Erniedrigung: Soldaten im Blutrausch reißen den Männern die Kleider vom Leib, werfen sie auf einen Haufen und schlagen mit Knüppeln auf sie ein.

In der nächsten Szene wird klar, dass es hier nicht um Aufklärung, sondern um das Schüren von Ressentiments geht: Ein jüdischer Arzt operiert im Stile des Nazi-Arztes Dr. Mengele den geschundenen Körpern die Nieren heraus. Zu sehen sind Transportbehälter mit der Aufschrift: Tel Aviv, Israel, London, Großbritannien. Antisemitische Hetz-Legenden im Breitwandformat. Im Berliner Publikum, das vor allem aus jungen Männern türkischer Herkunft besteht, wird vor allem dann geklatscht, wenn wieder ein Amerikaner dran glauben muss.

Irak-Krieg als amerikanischer Kreuzzug

Der amerikanische Oberbefehlshaber Sam ist ein Schlächter, der wahllos Leute erschießt und auf einer Hochzeit unbescholtener Bürger ein Blutbad anrichtet. Und er ist ein christlicher Eiferer. In einer stillen Stunde kniet er vor einem Jesusfigur am Kreuz und verspricht, dass er nicht ruhen werde, bis auf diesem Flecken Erde das Reich Christi errichtet sei. Schnitt. Szenenwechsel: Turkmenische Iraker müssen ihr Dorf verlassen. Krüppel werden auf Schultern getragen, Tränen fließen, begleitet von trauriger Musik und Versen über den Islam. Die Botschaft: Der Irakkrieg als amerikanischer Kreuzzug gegen den Islam.

Der Film vermischt die verzerrte Wahrnehmung des Irakkriegs und die verletzte Ehre der türkischen Soldaten zu einem Aufruf zum Kampf. Der türkische Held des Films, Geheimagent Polat Alemdar, reist in den Irak, um die Schande der türkischen Soldaten zu rächen und Sam, der die Aktion gegen den türkischen Militärposten leitete, umzubringen. Nach dem Motto: Einen Türken beleidigt man nicht ungestraft.

Geteiltes Echo in der Türkei

Das Echo in den türkischen Medien auf den Streifen ist geteilt. Die Verteidiger des Films sagen: Die Amerikaner haben auch viele einseitige Filme gemacht über den Vietnam-Krieg oder über den russischen Feind im Kalten Krieg, warum dürfen wir nicht auch einen einseitigen Film machen? Der in der Türkei renommierte Regisseur Akar meint: "Warum darf es denn keinen antiamerikanischen Film geben?"

Es ließe sich darauf mit einer Lehre aus dem Mohammed-Konflikt antworten: Nicht alles, was erlaubt ist, ist in der derzeit aufgeheizten Stimmung zwischen Orient und Okzident auch klug. So sehen das auch Kritiker in der Türkei, die befürchten, dass der Film nationalistische und religiöse Gefühle anheizen werde. Die türkische Tageszeitung "Hürriyet" prophezeit gar: "Die Partei, die sich die Botschaft des Films zu eigen macht, wird die nächsten Parlamentswahlen haushoch gewinnen."

Allerdings haben in der Türkei keine Botschaften gebrannt und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat zusammen mit seinem spanischen Amtskollegen zur Mäßigung und zum Dialog der Kulturen aufgerufen. Die türkischen Verbände in Deutschland reagierten besonnen. Dennoch werden nach Schätzungen der Produzenten in den nächsten Wochen fünf Millionen Türken den Film sehen, davon eine halbe Million in Deutschland. Nicht alle werden den Film bloß als Fiktion betrachten, sondern als Beschreibung eines realen Kampfes: Wir gegen die.

Diesen Eindruck vermitteln zumindest einige Jugendliche im Kino im Stadtteil Wedding. Schlussszene: Der türkische Held rammt Sam den Dolch ins Herz. Die Jugendlichen stehen auf und skandieren: "Allah ist groß."

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