Tatjana Trieb "Ich will kein Kinderstar sein"

Nach den Sommerferien kommt sie in die 9. Klasse und hat schon zwei große Filmrollen gespielt: Tatjana Trieb ("Jenseits der Stille") redet über Pubertät, Liebe und das Gefühl, von älteren Damen angehimmelt zu werden.

Von Christian Bartels


Tatjana Trieb: "Ich war schon mal verliebt, da war ich 12, glaube ich."
LICHTMEER FILMVERLEIH

Tatjana Trieb: "Ich war schon mal verliebt, da war ich 12, glaube ich."

Tatjana Trieb, 14, hat zum ersten Mal mit sieben Jahren vor der Kamera gestanden - in einem Musikvideo des Neue-Deutsche-Welle-Sängers Hubert Kah. Bekannt wurde sie als Lara, die begabte Klarinettistin mit den taubstummen Eltern, in dem Kinofilm "Jenseits der Stille". Im November startet ihr neuer Film "Grüne Wüste" (Regie: Anno Saul).

SPIEGEL ONLINE: Für "Jenseits der Stille" hast du Klarinette spielen und Gebärdensprache gelernt, heißt es. Das ist ja ein ganz schöner Aufwand.

Trieb: Klarinette spielen habe ich gar nicht richtig gelernt, die Musik wurde eingespielt.

SPIEGEL ONLINE: Hast du dabei das Schauspielen gelernt, sozusagen learning by doing?

Trieb: Bei "Jenseits der Stille" musste ich gar nicht viel machen. Ich war neun Jahre und konnte die Leute begeistern, weil ich lächelte, wenn die Kamera lief, und fertig, glaube ich. Ich habe gar nicht so viel gelernt, nur die Erfahrung mit der Kamera gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Nach "Jenseits der Stille" hast du erst mal drei Jahre lang nichts gedreht. Warum?

"Grüne Wüste": Ernsthafter Pubertätsfilm
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"Grüne Wüste": Ernsthafter Pubertätsfilm

Trieb: Weil ich und meine Eltern nicht wollten, dass ich jeden Film drehe, der kommt, und so ein Kinderstar werde, der nicht mehr in die Schule gehen kann, weil er immerzu dreht. Aber wenn ein Drehbuch kommt, dessen Thema mir und meiner Mutter wirklich gut gefällt, dann mache ich das schon.

SPIEGEL ONLINE: Wirst du oft auf deine Rolle in "Jenseits der Stille" angesprochen?

Trieb: Jetzt nicht mehr ganz so oft. Das ist schon ungewohnt. Manche Leute werden richtig hysterisch, wenn die einen umarmen und abbusseln können. Vor allem so ältere Damen, naja, etwas ältere, die freuen sich so, mich zu sehen, und fanden den Film so toll und wollten mich ja schon immer mal treffen.

SPIEGEL ONLINE: Hast du eine Agentin, die dir Rollen vorschlägt?

Trieb:Meine Mutter macht das. Sie liest zuerst die Drehbücher durch, bis sie weiß, wovon es handelt. Dann sagt sie mir, was sie davon hält, und wenn mir das gefällt, fange ich auch an zu lesen. Wenn mir das Buch gut gefällt, lese ich es ganz. Ich habe auch Angebote von Agenturen bekommen, wir haben auch einen Nachbarn, der eine Agentur hat und immer nachfragt. Jetzt haben wir uns das überlegt, nach "Grüne Wüste" werde ich wohl etwas unternehmen.

SPIEGEL ONLINE: Viele Fernsehsender drehen gerne mit sehr jungen Schauspielern - Filme wie "Natalie - Babystrich online" oder "Schrei, denn ich werde dich töten!". Bekommst du auch solche Angebote?

Trieb: (lacht) Nein, so etwas nicht. Einmal habe ich ein Buch bekommen, da sollte ich eine 12-Jährige spielen, in die zwei Jungs in meinem Alter verliebt waren, ein cooler und ein schüchterner, und ich fand natürlich nur den Coolen toll. Und dann brennt irgendwie mein Haus, und es ist der Schüchterne, der mich rettet.

SPIEGEL ONLINE: Hast Du ein Faible für schwierige Rollen?

Trieb: Ja, weil für mich wichtig ist, dass ich hinterher sagen kann, ich hab etwas geschafft. Das wäre bei "leichten" Rollen nicht so. Komödien sind natürlich auch schön, aber dafür bin ich nicht die Richtige, glaube ich.

SPIEGEL ONLINE: Wie würdest du jetzt deine Rolle in "Grüne Wüste" beschreiben?

Trieb: Ich bin die Katja, die Freundschaft und Liebe mit dem Johann verbindet, der dann an Leukämie erkrankt. Die Katja lebt in einer Phantasiewelt mit einem Ritter und einer Burg, weil sie sich in ihrer Familie nicht wohl fühlt und mit ihrer Mutter und ihrem Vater Probleme hat. Der Johann ist der einzige, mit dem sie sprechen kann.

SPIEGEL ONLINE: Das ist ja schon harter Stoff, mit der Krankheit und der kaputten Familie. Und eine große Rolle, weil du in jeder Szene präsent bist. Wie bist du darangegangen?

Trieb: Ich habe vier Wochen Schauspielunterricht gekriegt, weil die Rolle nicht so einfach ist. Die Schauspiellehrerin hat mir vor allem geholfen, meine eigenen Erlebnisse in den Film einzubringen. Zum Beispiel, dass ich die Situation hernehme, als meine Oma gestorben ist, um zu erreichen, dass ich in traurige Stimmung komme.

SPIEGEL ONLINE: Bist du oder warst du schon mal verliebt?

Trieb: Ich war schon mal verliebt, da war ich 12, glaube ich. Aber das konnte ich nicht so stark in den Film einfließen lassen. Das war sehr ... zurückhaltend, oder was auch immer das Wort dafür ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie war es, in "Grüne Wüste" mit so bekannten Schauspielern wie Martina Gedeck und Heino Ferch zu spielen?

Trieb: Mir war es am Anfang ein bisschen unangenehm, weil ich wusste: Die sind berühmt und haben schon sehr viel gemacht, und ich bin nicht berühmt und hab noch nicht sehr viel gemacht. Ich hatte etwas Angst, dass sie die ganze Zeit sagen, was ich besser machen soll. Dann aber habe ich gemerkt, dass ich ganz normal mit ihnen reden konnte. Sie haben auch meistens gar nicht gesagt, was ich besser machen soll.

SPIEGEL ONLINE: Hast du dich mit Robert Gwisdek, der Johann spielt, auf eure Szenen vorbereitet?

Trieb: Wir haben uns davor ein paar Mal getroffen, und während des Drehens (im bayrischen Dorf Amorbach) haben wir nebeneinander gewohnt und abends unseren Text zusammen gelernt.

SPIEGEL ONLINE: "Grüne Wüste" ist ja ein "Pubertätsfilm", und "Pubertät" ist etwas, das man eigentlich erst im Rückblick richtig erkennt. Warst du während des Drehens selbst in der Pubertät?

Trieb: Ja, klar war ich in der Pubertät, ich bin es, glaube ich, jetzt noch. Ich kann nicht sagen, wann das angefangen hat und wann es aufhört. Aber ich weiß, dass ich damals total in der Pubertät war, und dass man in dieser tollen Pubertät immer launisch ist. Ich bin extrem launisch gewesen, das bin ich jetzt nicht mehr so. Das war vielleicht gar nicht so schlecht für den Film.

SPIEGEL ONLINE: Bestimmt nicht. Gab es Szenen, die dir besonders schwer gefallen sind?

Trieb: Die Szene im Krankenhaus zum Beispiel, in der Katja den Johann besucht und sie sich streiten. Sie wird sozusagen rausgeschmissen, kommt wieder und bringt ihm einen Kaffee. Irgendwie haben wir beide das schwer gefunden, dieses Streiten und Heulen im Gang und Wieder-Vertragen. Als ich das hinter mich gebracht habe, war ich glücklich und auch stolz darauf.

SPIEGEL ONLINE: Glaubst du, Leute deines Alters sehen solche ernsthaften Filme gerne oder lieber Filme wie "American Pie"?

Trieb: Ich glaube schon, dass viele in meinem Alter sich so etwas wie "Grüne Wüste" gerne anschauen. Ich finde es aber auch schön, dass es Filme gibt wie "American Pie".



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