"Teenage Mutant Ninja Turtles" Erst Pizza, dann Dresche

Ein Film für Zehnjährige oder nostalgische Mittdreißiger? Mit "Teenage Mutant Ninja Turtles" lässt Bad-Taste-Spezialist Michael Bay die herrlich bekloppten und Pizza fressenden Krötenmutanten wiederauferstehen.

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Auf so etwas muss man erst einmal kommen: Vier mutierte, mannsgroße Schildkröten, die nach Renaissance-Künstlern benannt sind, in der Kanalisation New Yorks leben, sich von Fertigpizza ernähren und den Kampf gegen einen asiatischen Superschurken im Metallkostüm aufnehmen. Der Mentor des sympathischen Quartetts ist - warum auch nicht? - eine ebenfalls mutierte Ratte, die die Schildkröten in Ninjutsu unterrichtet.

Der Film "Teenage Mutant Ninja Turtles" war 1990 so etwas wie der wahr gewordene Albtraum aller besorgten Medienpädagogen und Erziehungsberechtigten, denen Actionfilme, Privatfernsehen und VHS als teuflische Instrumente zur Verrohung der unschuldigen Jugend galten. Die Zielgruppe hingegen war begeistert, das Identifikationspotenzial riesig. Die temperamentvollen Mutanten hausten in unaufgeräumten Zimmern, fraßen Fast Food, mussten nicht zur Schule gehen und durften andere für eine gute Sache verdreschen - keine Eltern weit und breit.

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"Teenage Mutant Ninja Turtles": Verkloppen für die gute Sache
Dass dreißig Jahre nach Erscheinen des ersten Teenage-Mutant-Ninja-Turtles-Comics ein Remake des Films in die Kinos kommt, war nicht unbedingt zu erwarten, wenngleich das Franchise nie wirklich verschwunden war. Die Comicserie läuft, mit Unterbrechungen, seit 1984. Im Kino war nach einem skurrilen Versuch, den Musikmarkt zu erobern, zwei Filmsequels in den Neunziger- und zwei Animationsfilmen in den Nullerjahren allerdings erst einmal Schluss. Bis der Fernsehsender Nickelodeon 2012 eine neue Ninja-Turtles-Serie ausstrahlte. Seitdem verkauft sich das Merchandise wieder.

Kampfschildkröten gegen Giftgasanschlag

Es ist immer ein wenig schade, dass Hollywood vergangenen Zauber nicht in Frieden ruhen lassen kann. Produziert hat das Remake Michael Bay, der als Regisseur gerne überdimensionierte Materialschlachten wie "Pearl Harbor" oder "Transformers" in die Welt stemmt und als Produzent mit erstaunlicher Zielgenauigkeit Filme zurück ans Licht zerrt, die als Inbegriff des Bad Taste gelten. Nicht überraschend ist das Turtles-Remake ein Spektakelkino, dessen technischer Perfektionismus den trashigen Low-Budget-Charme des Originals zerhaut.

Die Eckdaten des Plots sind im Prinzip die gleichen wie damals: Der "Foot Clan", eine Armee von Ninja-Kämpfern, die von einem sinistren Samurai mit dem sinnbildlichen Namen Shredder (Tohoru Masamune) angeführt wird, terrorisiert New York. Eine Reporterin (Megan Fox, die den gesamten Film über mit - es ist wirklich faszinierend anzuschauen - genau zwei Gesichtsausdrücken auskommt) kommt dem Clan auf die Spur und stolpert alsbald über Raphael, Michelangelo, Donatello und Leonardo, die Ninja Turtles. Von da an reiht sich eine Schlägerei an die nächste, und auch wer hin und wieder wegnickt, kann dem Verlauf der Geschichte prima folgen.

Nur das Bedrohungsszenario hat sich gewandelt. Vor 25 Jahren speiste sich die Paranoia noch aus den Bildern einer sich ungebremst ausbreitenden Kriminalität, weite Teile von New York galten damals, bevor Bürgermeister Rudy Guiliani wenig später seine Nulltoleranzstrategie durchsetzte, als Hort des Verbrechens. Aus dem damals eher kleinkriminellen Foot Clan ist ein straff organisiertes Terrorunternehmen geworden, das es darauf anlegt, die Stadt mittels Giftgasanschlag unter seine Kontrolle zu bringen. Und es kann durchaus sein, dass die düsteren Momente des Remakes jüngere Zuschauer tendenziell überfordern. Überhaupt lässt sich nicht sagen, ob Michael Bay und sein Regisseur Jonathan Liebesman ("Zorn der Titanen") ein Publikum von 10-Jährigen oder doch eher nostalgische Mittdreißiger anvisieren.

Einerseits kann man einem Film, in dessen Zentrum vier verfressene Schildkrötenkampfmutanten stehen, nichts Böses wollen, jedes kritische Wort wirkt wohlfeil. Zumal das Remake mittels selbstironischer Dialoge mit der eigenen Beklopptheit kokettiert. Whoopi Goldberg als ungläubige Chefredakteurin und Will Arnett ("Arrested Development") als unbeholfener Kameramann spielen ihre Nebenrollen - metaphorisch gesprochen - mit ununterbrochenem Augenzwinkern.

Andererseits, wie gesagt: Der Zauber ist hin. Besser, man bewahrt die Erinnerung an die heldenhaften Schildkröten im Herzen und lässt sich die vergangene kindliche Begeisterung nicht von, ausgerechnet, Michael Bay ankratzen.

Teenage Mutant Ninja Turtles

USA 2014

Regie: Jonathan Liebesman

Buch: Josh Appelbaum, André Nemec, Evan Daugherty

Darsteller: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner, Whoopi Goldberg

Produktion: Platinum Dunes

Verleih: Paramount Pictures

Länge: 102 Minuten

Start: 16. Oktober 2014



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-10000173755 16.10.2014
1. Was für ein Käse
Also sorry, ich bin alles andere als ein Bay Freund und zumindest in einer Sache mit dem Autoren dieses Schmähwärks einer Meinung. Mikel Bay verhunst errinnerungen durch Übertriebene Explosionen und anderes. Zudem hat die Storry massive Logiklücken. ABER!!! Der Film ist dennoch schauenswert. Popkorn Kino einfach zum abschalten und geniesen. Man muss einige male gut schmunzeln, am besten die Aufzugsszene. Man hätte definitiv viel besser machen können. Aber wer gute Kindheitserrinnerungen an die Turtels hatte sollte Sich den Film nicht durch BAy kaputt machen lassen und ihn einfach geniesen
stalkingwolf 16.10.2014
2. Transformer mit Schildkröten
genau das dachte ich, als ich zum ersten mal den Trailer sah. Ich steh auf Action Filme, aber das was Michael Bay da produziert ist auf dem Niveau von Uwe Boll. Nur das Bay mehr Geld für die Effekte hat.
mongolord 16.10.2014
3. Der Film ist ganz lustig
Ich war gestern drin und man kann ihn sich gut ansehen. Hatte einige lustige Szenen und der Film hat gut unterhalten. Kein großes Kino aber ganz netter Film zum Abschalten.
wauz 16.10.2014
4. Schade, dass diese Filmkritik
an dem falschen Mythos Rudolph Giulianis strickt. Denn "Zoro Tolerance" war nur eine politische Sprechblase, die die Kriminalität wieder erhöht hat. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist nämlich von dessen Vorgänger erledigt worden. der hat nämlich die New Yorker Polizei um 16.000 Mann verstärken lassen. mehr Streifen, und ein demographisch bedingter Rückgang der Jugendkriminalität waren die eigentliche Basis des Erfolgs. Unter Giuliani aber sind viele Polizisten durch übergroße Härte selbst zu Straftätern geworden.
static2206 16.10.2014
5. Wann kommt Streetfighter
das wäre doch auch noch ein kultiger Trashfilm der kaputtgeremaked werden könnte. Vor allem könnte dort Michael Bay seine schon fast sexuelle Obsession, was das zur Schau stellen von US-amerikanischem Kriegsgerät angeht voll ausleben.
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