Teleskop-Kamerakran Deutscher bekommt Technik-Oscar

Heute erhält Horst Burbulla in Beverly Hills den begehrten Technik-Oscar für seine Erfindung eines Teleskop-Kamerakrans. Jahrelang hatte der Deutsche an dem fernsteuerbaren Kran getüftelt, ohne den Actionszenen wie in „Spider-Man“ schwer möglich wären.


Burbulla in seiner Pilsener Werkstatt: Teleskop-Kräne kosten bis zu 500.000 Euro
DPA

Burbulla in seiner Pilsener Werkstatt: Teleskop-Kräne kosten bis zu 500.000 Euro

Eigentlich wollte Horst Burbulla Filmregisseur werden. Bei seinem ersten Projekt war das Geld aber so knapp, dass er den dringend benötigten Kamerakran selbst baute. Das Filmprojekt scheiterte, hochverschuldet nahm der mittlerweile 26-Jährige Abschied vom Filmgeschäft.

Stattdessen entwickelte Burbulla den Kamerakran weiter. Heute, 20 Jahre später bekommt er dafür einen Oscar. Nicht für einen Film, sondern für die Perfektionierung des Kamerakrans. Eine Geschichte, wie Hollywood sie kaum besser hätte erfinden können.

Burbulla leitet inzwischen seine eigene Kranbaufirma mit Sitz im tschechischen Pilsen. In die westböhmische Stadt war er kurz nach der politischen Wende gezogen: "Ich habe 1991 die Baupläne unter den Arm geklemmt und bin kurzerhand in die Tschechoslowakei gefahren."

Mit 200.000 Mark Schulden gestartet

Bei "Technocrane" arbeiten 60 Mitarbeiter, von denen etwa 40 in der Mechanik, der Elektronik und der Konstruktion in drei Schichten um die Uhr tätig sind. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen vier Millionen Euro Umsatz.

Vor 20 Jahren drehte Burbulla auf Island sein Erstlingswerk "Liebe und Tod" - einen "katastrophalen Tarkowskij-Verschnitt", sagt Burbulla heute. Der Prototyp des "Oscar-Krans" war auf dem Dach eines VW-Busses befestigt und wurde mit Hilfe eines Scheibenwischer-Motors und von zwei Trafos einer Kindereisenbahn gesteuert. "Es war abenteuerlich und lehrreich", sagt Burbulla. Nach den Dreharbeiten war er pleite. Die Wende kam 1989: "Ich wurde Vater und mir war klar: Entweder tilge ich 200.000 Mark Schulden oder werde ein Sozialfall."

Plötzlich ein gefragter Mann

Der damals 31-Jährige kaufte sich seinen ersten Anzug, flog nach London und fand lukrative Partner für den Kamerabau: "Das war die Transformation zum Geschäftsmann." Als Filmemacher war dem Deutschen stets die kalte Schulter gezeigt worden. Als Techniker hingegen bekam er künftig bei Einladungen die besten Hotels.

Im Unterschied zu anderen Oscars würdigt ein Technik-Oscar nicht herausragende Beiträge eines Jahres, sondern Errungenschaften, die sich bewährt haben. Der bis zu 500.000 Euro teure Teleskop-Kran hat einen ferngesteuerten ausfahrbaren Kamerakopf, ohne den komplexe Action-Szenen wie in "Spider-Man" schwer möglich wären.

Burbulla selbst sieht seine Entwicklung bescheiden als "kleinen Schritt im großen Filmgeschäft": "Die Zeit war schlicht reif für die Auszeichnung. Aber es ist schon ein Meilenstein." Zur Entgegennahme des Oscars heute in Beverly Hills hat er seine Frau und die beiden Kinder mitgenommen.



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