"Terminator 3" Rücksturz in die Achtziger

Showdown für ein Auslaufmodell: Mit dem dritten Teil der "Terminator"-Reihe will Arnold Schwarzenegger noch einmal an seine besten Zeiten anknüpfen und demontiert sich dabei selbst - als geschwätziger Cyborg in einem mittelmäßigen Film.

Von Oliver Hüttmann


Schwarzenegger als Terminator in "T3": Darauf haben wir nicht gewartet
Columbia TriStar

Schwarzenegger als Terminator in "T3": Darauf haben wir nicht gewartet

Keiner hat auf ihn gewartet, und es schien, als würde er auch nicht mehr gebraucht. 1991, am Schluss von "T2", war der Entwickler des Terminators tot, der Chip für den Prototyp zerstört. Die Apokalypse war abgewendet, die Herrschaft der Maschinen über die Menschen im Jahre 2029 aus der Zukunft getilgt. Damit keine Gefahr mehr drohen konnte, verschwand auch der zum Guten umprogrammierte T-800 in einem Becken mit flüssigem Stahl.

Und trotzdem ist er jetzt wieder da, beginnt alles noch mal von vorne, muss er den künftigen Rebellenführer John Connor beschützen und die Welt vor dem Atomkrieg des fehlgeleiteten Verteidigungssystems Skynet retten. Dabei folgt seine Rückkehr nicht dem inhaltlichen Sinn, noch nicht einmal der Logik des Marktes, was das viel gewichtigere Argument für eine Fortsetzung wäre. "Terminator 3 - Rebellion der Maschinen" ist das Ergebnis purer Eitelkeit, die letzte Hoffnung seines Hauptdarstellers, der einfach nicht abtreten will.

Arnold Schwarzenegger verdankt dem Terminator seinen ganzen Ruhm, der zuletzt erheblich verblasst ist. Die Rolle machte ihn 1984 nicht nur weltberühmt, sie blieb auch die einzige, die seine Karriere über zwei Jahrzehnte am Laufen hielt. Abgesehen vielleicht von "Predator", "Red Heat" und "Total Recall" ist sein Repertoire der Achtziger längst aus dem Kinogedächtnis gelöscht. Doch nach "Terminator 2 - Tag der Entscheidung", der ihn triumphal wiederbelebte, kam es für Schwarzenegger noch schlimmer. "True Lies" sollte 1994 sein letzter Kassenhit bleiben, ganz übel scheiterte er zuletzt mit "End Of Days", "The Sixth Day" und "Collateral Damage". So ließ er sich nicht bitten, sondern war selbst der energischste Befürworter des dritten Teils. Lange hielt man die sporadischen Nachrichten über die Rückkehr des Terminators für einen Witz.

Ex-Model Loken als Terminatrix: Nicht wirklich bedrohlich
Columbia TriStar

Ex-Model Loken als Terminatrix: Nicht wirklich bedrohlich

Und so ähnlich wirkt "T3" auch - ein Selbstzitat, bei dem sich vor allem Schwarzenegger mit selbstgefälliger Selbstironie in den Vordergrund drängt, ja fast schon eine Parodie auf und aus den besten Szenen der beiden Vorgänger. Das Original von James Cameron war eine Vision des futuristischen Actionkinos und hatte uns damals eine Heidenangst eingejagt. Für "T2" hat er dann eine Wendung ersonnen, die zwar mehr menschelte und schon ironischer war, jedoch mit visuellen Effekten und stilistischer Coolness einen Meilenstein der Neunziger erschaffen. Die amorphe Killermaschine T-1000, zum Fürchten gut gespielt von Robert Patrick, hat den Auftrag des gescheiterten ersten Terminators übernommen, der wiederum zum Bodyguard für den mittlerweile jungen Connor avanciert. Damit war für Cameron, der danach mit "Titanic" den erfolgreichsten Film aller Zeiten drehte, die Geschichte abgeschlossen. Mehr ist auch den Machern von "T3" nicht eingefallen.

Mit Kristanna Loken als Nachfolgemodell T/X wird zwar mehr Sex-Appeal eingebracht. Aber gemessen an den Kinoamazonen der jüngsten Zeit kommt die Terminatrix etwas spät und wirkt auch nicht wirklich bedrohlich. Ihre Fähigkeiten unterscheiden sich vom T-1000 ebenso wenig wie auch die Duelle mit Schwarzenegger. Die Actionsequenzen sind plumpe Kopien vor allem aus dem zweiten Teil, oft sogar in den Kameraeinstellungen identisch. Schwarzenegger zerschießt wieder mehrere Dutzend Polizeiautos ohne dabei ein Menschenleben zu gefährden. Er knattert wieder mit der Pumpgun lässig auf einem Motorrad durch die Gegend. Und die beiden Terminatoren wuchten sich bei ihren Zweikämpfen wieder stoisch durch Betonwände.

Terminator Schwarzenegger: "Ich bin ein Auslaufmodell"
Columbia TriStar

Terminator Schwarzenegger: "Ich bin ein Auslaufmodell"

An den Spruch "Hasta la vista, Baby", den Connor dem Terminator beigebracht hatte, kann sich der dritte, also neue alte T-800 natürlich nicht erinnern. Und über seinen Satz "I'm back" können Zuschauer nur schmunzeln, wenn sie wissen, dass er sich im ersten Teil bei einem Cop mit "I'll be back" verabschiedet. Das Finale verweist zudem gleich zweimal auf den Showdown von 1984. Ach ja, und seine obligatorischen Lederklamotten besorgt sich der Terminator diesmal von einem schwulen Stripper.

Nun können ältere Fans sich immerhin über den Effekt der Wiedererkennung freuen. Man kann auch Spaß an den Explosionen und Verwüstungen haben, die gigantischer ausgefallen sind als in den anderen Teilen zusammen. Regisseur Jonathan Mostow ("U-571") hat dabei auf Spezialeffekte der herkömmlichen Art gesetzt. Wenn der Terminator am Haken eines Krans hängt und sein Skelett aus Schwermetall wie eine Abrissbirne eine Hausfassade zerlegt, wurde das mit Kulissen gedreht, nicht vor einer Blue Screen. Das ist tatsächlich spektakulär und bei den zurzeit längst unglaubwürdig gewordenen digitalen Illusionen durchaus ehrenhaft. Andererseits kaschiert dieser Rücksturz in die Achtziger auch die eigene Einfallslosigkeit und damit die Angst, beim Einsatz moderner Technik zu sehr nach "Matrix" auszusehen.

Doch der Terminator ist selbst eine Ikone des Kinos und fester Bestandteil der Popkultur. Und nur daran kann man den dritten Teil messen. "T3" aber ist ein B-Movie, was in Ordnung wäre, würde es sich nicht um den Abschluss einer Trilogie handeln und mit 170 Millionen Dollar um einen der teuersten Filme aller Zeiten. Er hätte ein Zeichen setzen müssen wie die ersten beiden Filme, so wie es zuletzt "Spider-Man" für die Superheldenfilme oder "Der Herr der Ringe" im Fantasy-Genre geschafft haben. Selbst die viel kritisierte "Alien"-Reihe hat sich mit jeder neuen Folge weiter entwickelt. "T3" aber fällt nur auf sich selbst, ja sogar dahinter zurück. Nach einem Rekordergebnis in der ersten Woche, bei dem man allerdings höhere Eintrittspreise und buchhalterische Taktik berücksichtigen muss, stagniert der Umsatz und wird er kaum die Einspielsumme von 514 Millionen Dollar des zweiten Teils erreichen.

"T3"-Team Schwarzenegger, Stahl, Danes: Effekt der Wiedererkennung
Columbia Tristar

"T3"-Team Schwarzenegger, Stahl, Danes: Effekt der Wiedererkennung

Abgesehen von James Cameron selbst ist auch seine Ex-Frau Linda Hamilton als Sarah Connor nicht mehr dabei. Edward Furlong, der im zweiten Teil Connor spielte, hat Drogenprobleme und wurde durch Nick Stahl ersetzt, der in dem Drama "In The Bedroom" glänzte, hier aber ebenso blass bleibt wie die sonst berückende Claire Danes als dessen künftige Frau. Dafür nutzt Schwarzenegger den Film zu seiner wohl letzten großen Show. Wo er als Terminator früher unnahbar war und mit maschinellem Minimalismus pure Präsenz vermittelte, schwatzt er jetzt so unaufhörlich wie ein Gockel, der nach Aufmerksamkeit heischt. "Ich bin ein Auslaufmodell", kommentiert er in einer Szene seine Mühe. Das stimmt. Und darauf haben wir nicht gewartet.


Terminator 3 - Rebellion der Maschinen
(Terminator 3 - Rise Of The Machines)



USA 2003. Regie: Jonathan Mostow. Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris. Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Kristanna Loken, Nick Stahl, Claire Danes, David Andrews. Produktion: C-2 Pictures, Intermedia, IMF. Verleih: Columbia Tristar. Länge: 109 Minuten. Start: 31. Juli 2003



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