Terrorbekämpfung US-Army sucht Hilfe bei Hollywood-Filmern

Die amerikanische Armee ist offenbar verzweifelt: Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass sich US-Geheimagenten Tipps zur wirksamen Terrorismusbekämpfung jetzt auch von Actionfilm-Regisseuren holen.


Action-Held Bruce Willis: Können Drehbücher bei der Terror-Bekämpfung helfen?
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Action-Held Bruce Willis: Können Drehbücher bei der Terror-Bekämpfung helfen?

Keine Strategieexperten, sondern die Macher von "Die Hard" ("Stirb langsam") und "McGyver" sind offenbar die neuen Berater der amerikanischen Armee. Ein geheimes Treffen habe in der vergangenen Woche zwischen Militärvertretern und Filmemachern an der Universität von Südkalifornien stattgefunden, berichtet das Branchenblatt "Variety". Unter den "Krisenberatern" befanden sich angeblich die Drehbuchautoren von "Die Hard" und "McGyver", Steven De Souza und David Engelbach sowie Joseph Zito, Regisseur der Chuck-Norris-Filme "Delta Force One" und "Missing in Action". In "Delta Force One" geht es um ein Flugzeug, das von palästinensischen Terroristen nach Beirut entführt wird.

Bei der Planung von Maßnahmen soll das US-Militär allerdings nicht nur auf Kenner von Action-Filmen setzen. So hätten bei dem Treffen auch Filmmacher teilgenommen, die nicht aus dem Genre stammen, zum Beispiel Randal Kleiser, Regisseur des John Travolta-Tanzfilms "Grease". Die Kreativen der Film-Branche als Anti-Terror-Spezialisten.

Ein derartiger Erfahrungsaustausch zwischen Armee- und Filmvertretern ist zumindest nach Ansicht des Blatts nichts Ungewöhnliches: Die Unterhaltungsindustrie könne durchaus als Ratgeber für das Militär dienen, beispielsweise beim Verständnis von Handlung und Charakteren oder der Erstellung eines "Drehbuchs" - so "Variety". Wird der Kampf gegen Bin Laden also ein fulminant inszenierter Feldzug à la Hollywood?

Terrorbekämpfung à la Hollywood?
20th Century Fox

Terrorbekämpfung à la Hollywood?

Das Institut für Kreative Technologien an der kalifornischen Universität (ICT) wurde 1999 von der US-Armee gegründet. Filmemacher, Videospielerfinder und Computerexperten entwickeln dort unter anderem virtuelle Simulationsprogramme für Militärübungen.

Die Gruppe von Filmern hat angeblich schon zweimal per Telekonferenz Beratungen mit dem Pentagon geführt. Der Leiter der Kreativabteilung des ICT, James Korris, bestätigte laut "Variety", dass Treffen zwischen Filmemachern und der Armee stattgefunden hätten, wollte jedoch keine Einzelheiten zu den Gesprächen bekannt geben.



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