"Langweilig, abstoßend, beleidigend" Russland verbietet Stalin-Filmsatire 

Die Filmsatire "The Death of Stalin" darf nicht in russischen Kinos gezeigt werden. Das Kultusministerium zog nach empörten Forderungen eines "Beratungskomitees" eine zuvor erteilte Erlaubnis zurück.

"The Death of Stalin"
ddp images/ Capital Pictures

"The Death of Stalin"


In England und den USA lief der Film bereits in den Kinos und wurde von der Kritik glänzend besprochen, in Deutschland startet die britisch-französische Polit-Satire "The Death of Stalin" am 29. März. In Russland dagegen wurde der Film jetzt verboten, ein bereits erteiltes Verleihzertifikat zog das Kultusministerium wieder zurück.

Das teilte eine Sprecherin des Ministeriums der Presseagentur AFP mit. Zuvor war der Film im Rahmen einer privaten Vorführung einem Komitee gezeigt worden, das das Kultusministerium berät. Ihm gehören Offizielle der Regierung sowie Kulturschaffende an.

"Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie etwas so Ekelhaftes gesehen", sagte Jelena Drapeko, die Vorsitzende des Kulturkomitees der Duma der russischen Tageszeitung RBK. "Dieser Film verbreitet Extremismus." Die Vorsitzende des militärgeschichtlichen Vereinigung Russlands sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Es ist ein schlechter Film, ein langweiliger Film, und er ist niederträchtig, abstoßend und beleidigend."

Der Film zeigt die letzten Monate im Leben von Josef Stalin und macht sich über die Machtkämpfe lustig, die 1953 nach seinem Tod im inneren Führungszirkel des Politbüros ausbrachen. Die Hauptrollen spielen Steve Buscemi, Paddy Considine, Michael Palin und Jeffrey Tambor.

Der schottische Regisseur Armando Iannucci ist bekannt für seine scharfe politische Satire. Er schrieb die Polit-Sitcoms "The Thick of It" und "Veep" sowie den Spielfilm "Kabinett außer Kontrolle", der die britische und amerikanische Invasion im Irak durch den Kakao zieht.

Filmzensur gibt es in Russland immer wieder

Iannucci reagierte mit den Worten auf das Verbot, er hoffe, den Film doch noch in Russland zeigen zu können. "Alle Russen, die den Film gesehen haben, inklusive der Presse, haben ihn genossen. Sie fanden ihn lustig und wahr."

Russische Politiker hatten schon früher ein Aufführungsverbot von "The Death of Stalin" gefordert. Der Film sollte nur unter Auflagen in russischen Kinos laufen: freigegeben ab 18 Jahren und ein beschränkter Verleih nur in Großstädten.

Filmzensur ist in Russland immer wieder ein Thema. Zuletzt sorgte das Drama "Matilda" über eine Affäre von Zar Nikolaus II. für Aufruhr und Verbotsforderungen, davor wurde der mit Preisen gekrönte, kritische Film "Leviathan" zur Zielscheibe. Er kam nur in einer zensierten Fassung in die russischen Kinos.

kae



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