Hype um Nordkorea-Komödie Amerikaner gucken "The Interview" - aus Prinzip

"The Interview" ist in Hunderten Kinos in den USA angelaufen und lockt viele Zuschauer an. Sie sehen in der Nordkorea-Komödie ein Symbol für freie Meinungsäußerung. US-Präsident Obama ließ noch offen, ob er sich den Film ansieht.


Nach einer breiten kulturellen und politischen Debatte ist die Nordkorea-Satire "The Interview" nun doch in den USA angelaufen. In über mehr als 300 Kinos startete am Donnerstag der Film über ein Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, nachdem die Produktionsfirma Sony ihn wegen Terrordrohungen zunächst zurückgehalten hatte. Viele Menschen gingen aus Prinzip ins Kino und sahen in "The Interview" ein Symbol für die freie Meinungsäußerung.

"Ich hatte ursprünglich gar nicht vor, den Film zu sehen, aber nach allem, was passiert ist, glaube ich, dass unsere Unterstützung wichtig ist", sagte Greg Millett, einer der Zuschauer im West End Cinema in Washington. In einem Kino in Los Angeles sorgten Seth Rogen, einer der Hauptdarsteller aus dem Film, und Co-Regisseur Evan Goldberg mit einem spontanen Besuch für eine Überraschung. "Die Tatsache, dass er hier gezeigt wird und ihr alle gekommen seid", begann Goldberg, "ist super aufregend", führte Rogen fort.

In dem Film geht es um zwei Journalisten, die die Möglichkeit erhalten, Kim exklusiv zu interviewen. Vom Geheimdienst CIA werden sie schließlich damit beauftragt, den Machthaber zu töten. Der Film ist voll von obszönen Anspielungen und Kraftausdrücken. Kim wird darin wenig vorteilhaft dargestellt.

Ursprünglich sollte der Film am ersten Weihnachtsfeiertag in 2500 US-Kinos an den Start gehen. Eine Hackergruppe startete jedoch einen Angriff auf Sony und drohte wegen des Films mit Anschlägen, woraufhin zahlreiche US-Kinos verkündeten, "The Interview" aus dem Programm zu nehmen. Das wiederum veranlasste Sony zunächst, den Filmstart abzusagen. Heftige Kritik aus Kultur und Politik wurde laut, sogar aus dem Weißen Haus. Die Entscheidung der Produktionsfirma sei ein "Fehler", sagte Präsident Barack Obama.

Aufgrund der öffentlichen Missbilligung entschied sich Sony schließlich, den Film doch zu veröffentlichen: in mehreren Hundert Kinos sowie gegen Gebühr auf diversen Internetplattformen. Über den Kurswechsel zeigte sich Obama "erfreut" - er ließ aber offen, ob er sich die Satire selbst anschauen werde. Auch andere ranghohe Politiker und Hollywood-Vertreter hatten zunächst davor gewarnt, mit der Absage des Films einen gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen.

Josh Levin, Mitbesitzer des West End Cinema, sagte dazu, er zeige den Film "aus Prinzip", und das Publikum habe dies begrüßt. Es dürfe nicht sein, dass wenige Menschen bestimmten, was in den USA im Kino laufe und was nicht. "Wir haben alle unsere Eintrittskarten für heute binnen einer Stunde verkauft", sagte Levin. "Wir sind auch für morgen und Samstag ausverkauft."

Das FBI ist davon überzeugt, dass die nordkoreanische Führung in Pjöngjang selbst hinter dem Hackerangriff steckt. Nordkorea bestritt das, hieß den Angriff allerdings selbst gut. "The Interview" habe die Würde der nordkoreanischen Führung verletzt, beklagte Pjöngjang.

Sony selbst verteidigte den Filmstopp und verwies darauf, wegen der Absage der US-Kinos keine andere Wahl gehabt zu haben. Nach eigenen Angaben kontaktierte Sony bereits Mitte Dezember "Google, Microsoft und andere Partner", um nach Alternativen zu suchen. Gezeigt wird der Film im Internet nun unter anderem auf der Plattform YouTube, bei Google Play und bei Xbox Video von Microsoft.

hei/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 80 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon72 26.12.2014
1. Dann war das Marketing...
...offenbar erfolgreich! Dank der Idee, dass böse Kommunisten Nordkoreas einen eher mittelmäßigen Actionstreifen boykottieren wollten, werden die Leute in Scharen in diesen B-Movie strömen. Hoffentlich ist das kein Vorbild für zukünftige Projekte einer sterbenden Filmindustrie, die aufgrund wachsender Gier immer mehr mit ihrem bereits dagewesenen Drehbüchern verdienen muss. Irgendwann könnte solch eine Werbestrategie wirklich zu Konflikten in der realen, mindestens genauso gefährlichen, Welt führen. Schönen Gruß aus dem Resthirn kranker Marketingstrategen!
washington.mayfair 26.12.2014
2.
optimaler Marketing Trick.
SchnurzelPuPu 26.12.2014
3. Marketing ist wenn man die Gelegenheit nutzt
Glaub nicht dass das so geplant war. Aber es wird jetzt schamlos ausgenutzt. In Nordkorea laufen genug Bekloppte rum, die im Staatsauftrag hacken würden. Allerdings muss man sich fragen, ob unsere Zivilisation nicht zu einfach verdeckt angegriffen werden kann.
lukio 26.12.2014
4. #murica #freedom4ever #americandream
Das ganze ist ja geradezu ein Propaganda Glanzstück. DPRK wird als neuer Cyber-Terrorist gekrönt und aus Angst unpatriotisch zu sein wird dieser missliche bromance movie dennoch geschaut.
hotgorn 26.12.2014
5.
Ich mag James Franko Filme wie "Your Highness" oder "Das ist das Ende". Aber die ersten 30 Minuten bestanden aus Wortspiele über Penise oder Analsex ok eigentlich zieht sich das über den ganzen Film hin gewürzt mit derben Splattereffekten bei denen Nordkoreanische Soldaten zu tode kommen. Generation Southpark Gehirn bitte an der Kinokasse abgeben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.