"The Italian Job" Timing statt Technik

Ein Remake muss nicht immer schlecht sein: F. Gary Grays Neuverfilmung des britischen Klassikers "The Italian Job" ist ein rasant-eleganter Gaunerfilm der alten Schule, der auch ohne digitale Effekte neuzeitlich glänzt.

Von Oliver Hüttmann


Die üblichen Spezialisten: Charlie Croker (Mark Wahlberg), Stella Bridger (Charlize Theron) und der "hübsche Rob" (Jason Statham)
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Die üblichen Spezialisten: Charlie Croker (Mark Wahlberg), Stella Bridger (Charlize Theron) und der "hübsche Rob" (Jason Statham)

Es geht um Timing. Um Technik. Und darum, dass einer das Arschloch sein muss. Das ist mal wieder Edward Norton, der schon in Frank Oz' "The Score" Robert De Niro zu linken versuchte. Diesmal staubt er als Steve brutal 35 Millionen Dollar in Goldbarren ab, die eine clevere Bande gerade erst ohne Blutvergießen in Venedig geraubt hat. Nun stehen die Männer alle auf einer Brücke, und Steve erschießt eiskalt John Bridger (Donald Sutherland), einen alten Meisterdieb, der sich nach diesem Coup endgültig zur Ruhe setzen wollte. Charlie Croker (Mark Wahlberg) überlebt und will seinen Mentor natürlich rächen.

Es geht um Timing. Und Täuschung. Der Goldraub ist schon so gewitzt, dass man die Pointe mit Sprengstoff, Safe und schnellen Booten in den Kanälen Venedigs nicht verraten möchte. Doch er ist nur das Musterbeispiel für ein ausgeklügeltes Manöver, bei dem die geprellten Gauner mit kreativem Kalkül dem Verräter in Los Angeles die Beute wieder abjagen wollen. Die Metropole erweist dabei als Spielwiese, auf der für Leute mit einigen Laptops und kühnen Gedanken alles möglich ist. Man muss nur cool bleiben und das Richtige tun.

Generationenwechsel: John Bridger (Donald Sutherland, l.) und Charlie Croker (M. Wahlberg)
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Generationenwechsel: John Bridger (Donald Sutherland, l.) und Charlie Croker (M. Wahlberg)

Regisseur F. Gary Gray, der in "Set It Off" (1996) schon weibliche Bankräuber und Samuel L. Jackson als "Der Unterhändler" (1998) in Szene setzte und zuletzt bei "Extreme Rage" mit Vin Diesel patzte, hat diesmal alles richtig gemacht und einen verdammt coolen Genrefilm gedreht. "The Italian Job" ist ein Remake des gleichnamigen britischen Klassikers von 1969 mit Michael Caine. Bis auf Titel und Plot haben die Filme nur noch die präzise Umsetzung der Genreregeln gemeinsam. Und das ist eine Kunst wie das Klauen selbst.

Die Bande setzt sich aus den üblichen Spezialisten zusammen, und doch sind die Charaktere höchst originell und perfekt besetzt. Der Brite Jason Statham ("The Transporter") spielt mit Understatement den Fluchtfahrer und Frauenhelden namens "Hübscher Rob". Rapper Mos Def gibt den Fachmann für alles Explosive und wird "Linkes Ohr" genannt. Auf dem rechten ist er taub, seit er als Teenager auf dem Klo gezündelt hat. Und Seth Green ("Austin Powers") ist der schmächtige Computerexperte Lyle. Er hat keinen Spitznamen und will deshalb künftig "Napster" gerufen werden. Denn die digitale Musiktauschbörse, behauptet er trotzig, sei seine Idee gewesen, sein Kommilitone Shawn Fanning habe sie ihm geklaut und damit Millionen gemacht. Die Geschichte ist ein running gag, der herrlich zur Filmstory passt.

Fingerspitzengefühl und Nervenstärke: Stella (Charlize Theron)
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Fingerspitzengefühl und Nervenstärke: Stella (Charlize Theron)

Als Superhirn Charlie, der alles zusammenhält, muss Wahlberg diesmal nicht seine Muskeln zeigen. Und von Charlize Theron bekommt man statt ihrer langen Beine mehr ihre gespitzten Finger zu sehen. Als Bridgers Tochter Stella arbeitet die Panzerknackerin offiziell für Polizei und Herstellerfirmen. Charlie wählt sie aus, weil nur sie jenen Tresortyp öffnen kann, in dem Steve jetzt die Goldbarren lagert. Außerdem, das ist der erotische Reiz der Moderne, hat sie so gute Nerven wie das ganze Männerquartett zusammen.

Es gehört zu den Genreregeln, das kein noch so exakter Plan funktioniert. Steve erkennt noch rechtzeitig, dass seine Ex-Partner ihn austricksen wollen und will das Gold wegschaffen. So fahren beim Finale einem Hütchenspiel ähnlich drei Panzerwagen durch L.A., verfolgt von drei Mini Cooper und geleitet von Lyle, der sich in das Ampelsystem eingehackt hat. Damit wiederholt sich, nur einige Nummern größer und raffinierter, der Kniff von Venedig.

Hütchenspiel mit Mini Coopers: Actionszene aus "The Italian Job"
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Hütchenspiel mit Mini Coopers: Actionszene aus "The Italian Job"

In "The Italian Job" hat Gray vieles verarbeitet, das man aus so genannten heist movies in den vergangenen Jahrzehnten schon gesehen hat. Es kommt auf die Variation an. Es ist wie beim Schach, bei dem man mit den selben Figuren immer neue Spielzüge ersinnt. Es geht um Timing. Spannungsaufbau. Und den richtigen Schnitt. Gray hat ohne überbordende digitale Effekte bei den Verfolgungsjagden einen plausiblen Gaunerfilm der alten Schule gedreht. Dafür stand am Anfang Donald Sutherland als John Bridger. Er gehört zur selben Generation wie Michael Caine, der im Original den Charlie Croker spielte. Stella setzt dieses Erbe am Ende fort. Denn Steve hat den Safe ausgetauscht - und sie muss ihn mit Fingerspitzengefühl statt mit der ihr vertrauten Technik öffnen.


"The Italian Job - Jagd auf Millionen"
USA 2003. Regie: F. Gary Gray. Drehbuch: Donna Powers, Wayne Powers. Darsteller: Mark Wahlberg, Charlize Theron, Edward Norton, Seth Green, Jason Statham, Mos Def, Donald Sutherland. Produktion: De Line Pictures, Paramount. Verleih: Concorde. Länge: 117 Minuten. Start: 13. November 2003



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