Box Office Gelbe Männchen auf dem Vormarsch

Lego-Figuren übernehmen die Herrschaft im amerikanischen Filmuniversum, dafür locken adoleszente Vampire kaum noch Zuschauer an. In Deutschland setzt sich Matthias Schweighöfer gegen Hitler-Humor durch.

Lego-Männchen rettet mit Batman das Universum: Platz eins der US-Kinocharts
AP/ Warner Bros.

Lego-Männchen rettet mit Batman das Universum: Platz eins der US-Kinocharts


USA

1. Gewinner der Woche

Eine gelbe Lego-Figur rettet zusammen mit Batman, einer pinkfarbenen Mischung aus Einhorn und Katze das Universum. Auch wenn sich sich die Dramaturgie von "The Lego Movie" nach einer Gaga-Idee anhört, spielte der erste Animationsfilm mit einem Cast aus Lego-Figuren in den USA am Startwochenende rund 69 Millionen Dollar ein. Die 3-D-Produktion von Warner Brothers und dem dänischen Baustein-Hersteller kletterte damit auf den ersten Platz in den amerikanischen Kinocharts. Vielleicht wurden die amerikanischen Zuschauer auch vom Staraufgebot geködert: Neben Chris Pratt und Liam Neeson lieh unter anderem Will Arnett einem heiserem Bauklotz-Batman seine Stimme.

Der Historienfilm "Monuments Men" unter der Regie von Hollywood-Star George Clooney landete hinter dem Lego-Spektakel zwar vergleichsweise abgeschlagen auf Platz zwei - das Einspielergebnis von 22,7 Millionen US-Dollar ist dennoch kein schlechter Einstand für die Geschichte über einen Soldatentrupp, der im Zweiten Weltkrieg Kunstschätze vor den Nazis retten soll. Vorher hatten viele US-Kritiker die fünfte Regiearbeit Clooneys trotz Starbesetzung mit Matt Damon und Bill Murray verrissen - die Zuschauer hat das offenbar nicht vom Kinobesuch abgehalten.

2. Verlierer der Woche

In "Vampire Academy" geht es um Blutsaugerinnen im Teeniealter, die im Internat mit Vampirjungs anbandeln. Adoleszente Vampire im Gefühlschaos - das kommt selbst dem sporadischsten Kinogänger irgendwie bekannt vor, Stichwort Twilight-Ära. Einen ähnlichen Coup landete Regisseur Mark Waters ("Mean Girls") mit seiner Vampirversion allerdings nicht; der Fanatsy-Film legte mit nur 4,1 Millionen Dollar Einspiel einen mauen Start hin.

3. Zahl der Woche

60 Prozent. Mehr als jeder zweite Kinogänger, der ein Ticket für "The Lego Movie" kaufte, war laut "Hollywood Reporter" über 18 Jahre alt. Vielleicht liegt das gesteigerte Interesse daran, dass auch eine Abraham-Lincoln-Figur in dem Animationsfilm einen kurzen Auftritt hat. Zumindest ließe sich der Kinosbesuch mit Hinweis auf den amerikanischen Präsidenten - zugegebenermaßen sehr verquer - als Geschichtsinteresse tarnen. Wirklicher Grund aber wahrscheinlich: Kindheitserinnerungen an die bunten Plastikklötze, die auch Erwachsene an die Kinokassen treiben.

Deutschland

1. Gewinner der Woche

Zwar kommt in Matthias Schweighöfers neuem Film "Vaterfreuden" kein Hase ohne Ohren beziehungsweise Löffel vor, sondern ein krawalliges Frettchen, das sich gerne in männliche Weichteile verbeißt. Damit bewegt sich Schweighöfer endgültig auch in puncto Publikumserfolg auf Til-Schweiger-Niveau: Mit 470.000 Zuschauern und einem Einspiel von 3,7 Millionen Euro löst der Film an seinem Startwochenende Martin Scorseses "The Wolf of Wall Street" von der Spitze ab. Damit hat es die Komödie laut "Blickpunkt:Film" geschafft, mit noch etwas besseren Zahlen als Schweighöfers letzte Komödie "Schlussmacher" zu starten, die es vor einem Jahr auf insgesamt 2,6 Millionen Besucher und ein Einspielergebnis von 18,5 Millionen Euro schaffte.

2. Verlierer der Woche

Ein Hobby-Regisseur, der einen cineastischen Einblick in das Privatleben Adolf Hitlers geben will - eigentlich hört sich das vielversprechend an. Doch gegen Schweighöfers leichte Romantik-Klamotte verliert Frederick Bakers Komödie aber an den Kinokassen: "... und Äktschn!" mit Gerhard Polt in der Hauptrolle schaffte es mt 20.000 Kinogängern und 140.000 Euro Einspiel nur auf Platz 18.

3. Und welcher Film hat eine zweite Chance verdient?

Der Oscar-Favorit "Dallas Buyers Club" stieg mit knapp 35.000 Zuschauern und 250.000 Euro Einspiel nur auf Platz 14 der deutschen Kinocharts ein - dabei hat das Drama mit einem brillanten Matthew McConaughey als homophobem Cowboy mit Aids-Erkrankung mehr verdient.

evt/dpa/AP

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
robin-masters 10.02.2014
1. Was die Masse sehen will
zeigt sich doch immer wieder an den Kino-Charts. Lustige Bauklötze oder andere seichte Animationsfilme.. oder banale Action (leichte Komödien etc. mit Starbesetzung. Alles andere muss sich um den Rest prügeln. Wen wunderts das Donnie Darko in Deutschland nicht mal im Kino lief. Wo laufen eigentlich solche fantastischen Filme wie Melancholia? vermutlich nur zuhause auf dem DVD-Player....
olebjoernmose 10.02.2014
2. Dallas Buyers Club
Habe mir den Film angesehen, abgesehen vom Thema und der wirklich guten schauspielerischen Leistung (samt Abmagerungskur) des Hauptdarstellers, kann ich wenig gutes davon berichten, ich fand den Film strunzlangweilig. Viel Hype um "Intellekt" - da hat mich Schweighöfer bedeutet mehr unterhalten.
DrStrang3love 10.02.2014
3.
Zitat von robin-masterszeigt sich doch immer wieder an den Kino-Charts. Lustige Bauklötze oder andere seichte Animationsfilme.. oder banale Action (leichte Komödien etc. mit Starbesetzung. Alles andere muss sich um den Rest prügeln. Wen wunderts das Donnie Darko in Deutschland nicht mal im Kino lief. Wo laufen eigentlich solche fantastischen Filme wie Melancholia? vermutlich nur zuhause auf dem DVD-Player....
…und das Abendland geht unter. Donnie Darko lief vor allem deshalb bei uns nicht im Kino, weil er um den 11.9.2001 herauskam und als Film, in dem ein Flugzeugabsturz eine zentrale Rolle spielt, zu dem gegebenen Zeitpunkt nicht besonders angekommen ist (und in den USA deshalb auch erst massiv gefloppt ist). Und "Melancholia" - der nebenbei bemerkt nach gut zweieinhalb Jahre bestimmt in keinem Kino mehr laufen würde - war in so ziemlich jedem zweiten Kino, das ich kenne, zu sehen. Inklusive diverser Multiplexe.
flens100 10.02.2014
4. Na dann....
wird Schweighöfel wohl der nächste Tatort-Kommissar. Sehe da wenig Unterschied in der Schauspielkunst (Kunst?)
noalk 10.02.2014
5. Abstimmung mit den Füßen
Ich bin immer wieder verwundert, welche Filme sich das Publikum nicht anschauen will. Ich meine da nicht die typisch deutschen Problemfilme, auch nicht unbedingt solche, denen ein "künstlerischer Anspruch" nachgesagt wird. Der durchschnittliche Zuschauer will - und das ist meine eigene Meinung - einfach nur seicht und aus seiner Sicht kurzweilig unterhalten werden, ohne dass der Film tiefgreifende Spuren in der Erinnerung hinterlässt.
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