SPIEGEL ONLINE: Mr. Stiller, Mr. Vaughn, Mr. Hill, als "The Watch" gerade abgedreht war, wurde der Jugendliche Trayvon Martin von einem selbsterklärten Nachbarschaftspolizisten erschossen. Das führte dazu, dass die Poster, der Trailer und sogar der Titel von "Neighborhood Watch" in "The Watch" abgeändert wurden. Kein idealer Start für einen Unterhaltungsfilm, oder?
Vaughn: Wir hatten unseren Film ja schon gedreht, und dies ist eine Komödie über eine Handvoll Jungs, die einen Verein bilden, um Aliens zu jagen. Es gab da schlicht überhaupt keine Verbindung. Aber so spielt das Leben eben.
SPIEGEL ONLINE: Finden Sie es eine eigenartige Idee, dass bewaffnete Privatleute durch Ihre Nachbarschaft patrouillieren?
Hill: Mir persönlich erscheint die Idee einer Nachbarschaftspolizei kontraproduktiv. Dazu muss man andere Leute irgendwie unter Verdacht haben, und ich will nicht zuerst das Schlechte in anderen Menschen sehen.
SPIEGEL ONLINE: "The Watch" ist in den USA erst ab 17 freigegeben - unter anderem wegen zahlreicher Anzüglichkeiten. Was ist eigentlich so komisch an Sex?
Stiller: Zumindest in Amerika gibt es im Hinblick auf dieses Thema eine Tendenz zur Repression. Es hat also etwas Verbotenes, und da steckt Humor drin.
Vaughn: Ohje. Ich habe das Gefühl, Sie wollen uns auf die Couch legen, oder?
SPIEGEL ONLINE: Genau. Erklären Sie's uns: Warum Peniswitze?
Vaughn: Das ist die beste Frage aller Zeiten: Warum Peniswitze? Naja, wir haben mit einem sehr lustigen Drehbuch von Seth Rogen und Evan Goldberg gearbeitet, in dem es unter anderem eine amüsante Metapher darüber gibt, dass Männer nun mal ihr Hirn in der Hose tragen.
SPIEGEL ONLINE: Ist das echt so?
Vaughn: Wenn Männer zusammen abhängen, und ich glaube es ist egal, in welchem Alter, ist man immer 15. Man ist wieder jung, frei von Sorgen.
SPIEGEL ONLINE: Gibt es eine Grenze des guten Geschmacks?
Stiller: Klar, das ist wie 3D - nur weil es möglich ist, muss es nicht jeder Film haben. Man braucht nicht pausenlos zu fluchen, nur weil es anstößig, aber erlaubt ist. Es muss schon im Zusammenhang des Films stimmen.
SPIEGEL ONLINE: Mit Filmen wie "Jungfrau (40), männlich sucht" und "Brautalarm" gab es schon andere, sehr erfolgreiche Komödien mit hoher Altersfreigabe. Müssen Komödien immer drastischer werden, um ihr Publikum zu finden?
Vaughn: Ich habe noch nie eine Komödie über Außerirdische gesehen, die erst ab 17 frei ist. Das ist ja sozusagen das Versprechen, dass die Probleme dieser vier auf erwachsene Weise beleuchtet werden, also so, wie ein paar Männer miteinander umgehen, wenn sie untereinander und nicht unter Kindern sind. Vier Jungs am Pokertisch werden nun mal eine andere Unterhaltung führen als wenn sie unter Kindern sind...
Hill: ... oder mit der Freundin. Oder mit Mutti.
Vaughn: Und das gleiche gilt ja für Frauen. Steck mal ein paar Frauen in ein Zimmer, da werden auch einige andere Dinge zur Sprache kommen als in sonstiger Gesellschaft.
Hill: Nein, eigentlich nicht. Peinlich ist es höchstens, wenn eine Figur etwas tut, was dem Charakter nicht entspricht - wenn man etwas macht, weil es grell oder ulkig wirkt, obwohl es nicht zur Figur passt.
SPIEGEL ONLINE: Mr. Stiller, Sie spielen einen sehr disziplinierten Typen. Entspricht das Ihrem eigenen Charakter?
Stiller: Ich bin nicht ganz so schlimm. Ich mag Ordnung, und ich weiß einen Terminplan zu schätzen, aber ich bin auch mal faul. Nach Terminplan, natürlich.
SPIEGEL ONLINE: Mr. Vaughn, man hört, Sie seien der König der Improvisation. Ist Ihnen solche Freiheit wichtig?
Vaughn: Bei einem solchen Drehbuch lässt man natürlich keine Gelegenheit ungenutzt, herumzuspielen. Aber ich frage mich, ob das richtig verstanden wird. Film ist ein Medium, bei dem es auf das Miteinander ankommt. Jonah ist ein witziger Kerl, der witzige Sachen geschrieben hat. Wir haben also mit dem Drehbuch gespielt. Nicht, weil wir das, was da stand, nicht gut fanden, sondern weil wir die Möglichkeiten ausschöpfen wollen. Der Prozess ist bei einer Komödie eigentlich immer derselbe: Bring mich zum Lachen, gib mir Ideen, damit ich damit spielen kann!
SPIEGEL ONLINE: Mr. Hill, improvisieren Sie lieber oder spielen Sie lieber nach Vorgabe?
Hill: Kommt aufs Drehbuch an. In "Monyeball" etwa haben wir fast überhaupt nicht improvisiert, in "21 Jump Street" hingegen eine Menge. Gerade habe ich einen Film mit Quentin Tarantino fertiggedreht, wo gar nicht improvisiert wurde. Und jetzt bin ich in den Proben zu einem Film von Martin Scorsese, der erwartet, dass wir improvisieren. Es kommt auf die Vision des Regisseurs an.
SPIEGEL ONLINE: Die selbsterklärte Schutztruppe im Film zieht es immer wieder in die man cave eines der Männer. Haben Sie sich auch eine solche Männerhöhle zu Hause eingerichtet?
Hill: Ich habe einen Filmvorführraum bei mir zu Hause, wo ich mit meinen Freunden abhänge und Filme gucke. Und wir treffen uns jeden Montagabend zum Basketball.
Stiller: Ich habe ein Büro zu Hause, in dem eine Couch und ein Fernseher steht, und da hänge ich gern ab. Aber ich trinke kein Bier oder sowas. Ich mag kein Bier.
Das Interview führte Nina Rehfeld
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