US-Stars Stiller, Hill und Vaughn: "Wenn Männer abhängen, sind sie wie 15"

Ein paar Typen auf einem Haufen, da geht es zwangsweise derbe zu - glauben Ben Stiller, Vince Vaughn und Jonah Hill. Für "The Watch" standen sie zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera. Im Interview sprechen sie über Improvisationskunst, Altersbeschränkungen und Peniswitze.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Stiller, Mr. Vaughn, Mr. Hill, als "The Watch" gerade abgedreht war, wurde der Jugendliche Trayvon Martin von einem selbsterklärten Nachbarschaftspolizisten erschossen. Das führte dazu, dass die Poster, der Trailer und sogar der Titel von "Neighborhood Watch" in "The Watch" abgeändert wurden. Kein idealer Start für einen Unterhaltungsfilm, oder?

Vaughn: Wir hatten unseren Film ja schon gedreht, und dies ist eine Komödie über eine Handvoll Jungs, die einen Verein bilden, um Aliens zu jagen. Es gab da schlicht überhaupt keine Verbindung. Aber so spielt das Leben eben.

SPIEGEL ONLINE: Finden Sie es eine eigenartige Idee, dass bewaffnete Privatleute durch Ihre Nachbarschaft patrouillieren?

Hill: Mir persönlich erscheint die Idee einer Nachbarschaftspolizei kontraproduktiv. Dazu muss man andere Leute irgendwie unter Verdacht haben, und ich will nicht zuerst das Schlechte in anderen Menschen sehen.

SPIEGEL ONLINE: "The Watch" ist in den USA erst ab 17 freigegeben - unter anderem wegen zahlreicher Anzüglichkeiten. Was ist eigentlich so komisch an Sex?

Stiller: Zumindest in Amerika gibt es im Hinblick auf dieses Thema eine Tendenz zur Repression. Es hat also etwas Verbotenes, und da steckt Humor drin.

Vaughn: Ohje. Ich habe das Gefühl, Sie wollen uns auf die Couch legen, oder?

SPIEGEL ONLINE: Genau. Erklären Sie's uns: Warum Peniswitze?

Vaughn: Das ist die beste Frage aller Zeiten: Warum Peniswitze? Naja, wir haben mit einem sehr lustigen Drehbuch von Seth Rogen und Evan Goldberg gearbeitet, in dem es unter anderem eine amüsante Metapher darüber gibt, dass Männer nun mal ihr Hirn in der Hose tragen.

SPIEGEL ONLINE: Ist das echt so?

Vaughn: Wenn Männer zusammen abhängen, und ich glaube es ist egal, in welchem Alter, ist man immer 15. Man ist wieder jung, frei von Sorgen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es eine Grenze des guten Geschmacks?

Stiller: Klar, das ist wie 3D - nur weil es möglich ist, muss es nicht jeder Film haben. Man braucht nicht pausenlos zu fluchen, nur weil es anstößig, aber erlaubt ist. Es muss schon im Zusammenhang des Films stimmen.

SPIEGEL ONLINE: Mit Filmen wie "Jungfrau (40), männlich sucht" und "Brautalarm" gab es schon andere, sehr erfolgreiche Komödien mit hoher Altersfreigabe. Müssen Komödien immer drastischer werden, um ihr Publikum zu finden?

Vaughn: Ich habe noch nie eine Komödie über Außerirdische gesehen, die erst ab 17 frei ist. Das ist ja sozusagen das Versprechen, dass die Probleme dieser vier auf erwachsene Weise beleuchtet werden, also so, wie ein paar Männer miteinander umgehen, wenn sie untereinander und nicht unter Kindern sind. Vier Jungs am Pokertisch werden nun mal eine andere Unterhaltung führen als wenn sie unter Kindern sind...

Hill: ... oder mit der Freundin. Oder mit Mutti.

Vaughn: Und das gleiche gilt ja für Frauen. Steck mal ein paar Frauen in ein Zimmer, da werden auch einige andere Dinge zur Sprache kommen als in sonstiger Gesellschaft.


SPIEGEL ONLINE: Es gibt ein paar Szenen, in denen ganz schön vom Leder gezogen wird - zum Beispiel, als Sie mit einem toten Alien für Fotos posieren. Geraten Sie beim Komischsein manchmal so in Fahrt, dass es Ihnen hinterher ein bisschen peinlich ist?

Hill: Nein, eigentlich nicht. Peinlich ist es höchstens, wenn eine Figur etwas tut, was dem Charakter nicht entspricht - wenn man etwas macht, weil es grell oder ulkig wirkt, obwohl es nicht zur Figur passt.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Stiller, Sie spielen einen sehr disziplinierten Typen. Entspricht das Ihrem eigenen Charakter?

Stiller: Ich bin nicht ganz so schlimm. Ich mag Ordnung, und ich weiß einen Terminplan zu schätzen, aber ich bin auch mal faul. Nach Terminplan, natürlich.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Vaughn, man hört, Sie seien der König der Improvisation. Ist Ihnen solche Freiheit wichtig?

Vaughn: Bei einem solchen Drehbuch lässt man natürlich keine Gelegenheit ungenutzt, herumzuspielen. Aber ich frage mich, ob das richtig verstanden wird. Film ist ein Medium, bei dem es auf das Miteinander ankommt. Jonah ist ein witziger Kerl, der witzige Sachen geschrieben hat. Wir haben also mit dem Drehbuch gespielt. Nicht, weil wir das, was da stand, nicht gut fanden, sondern weil wir die Möglichkeiten ausschöpfen wollen. Der Prozess ist bei einer Komödie eigentlich immer derselbe: Bring mich zum Lachen, gib mir Ideen, damit ich damit spielen kann!

SPIEGEL ONLINE: Mr. Hill, improvisieren Sie lieber oder spielen Sie lieber nach Vorgabe?

Hill: Kommt aufs Drehbuch an. In "Monyeball" etwa haben wir fast überhaupt nicht improvisiert, in "21 Jump Street" hingegen eine Menge. Gerade habe ich einen Film mit Quentin Tarantino fertiggedreht, wo gar nicht improvisiert wurde. Und jetzt bin ich in den Proben zu einem Film von Martin Scorsese, der erwartet, dass wir improvisieren. Es kommt auf die Vision des Regisseurs an.

SPIEGEL ONLINE: Die selbsterklärte Schutztruppe im Film zieht es immer wieder in die man cave eines der Männer. Haben Sie sich auch eine solche Männerhöhle zu Hause eingerichtet?

Hill: Ich habe einen Filmvorführraum bei mir zu Hause, wo ich mit meinen Freunden abhänge und Filme gucke. Und wir treffen uns jeden Montagabend zum Basketball.

Stiller: Ich habe ein Büro zu Hause, in dem eine Couch und ein Fernseher steht, und da hänge ich gern ab. Aber ich trinke kein Bier oder sowas. Ich mag kein Bier.

Das Interview führte Nina Rehfeld

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insgesamt 5 Beiträge
decypher 10.09.2012
Danke fuer das tolle und aufschlussreiche Interview :-) .
Danke fuer das tolle und aufschlussreiche Interview :-) .
m.s.schneider 10.09.2012
Gestern habe ich mir den Film in Kino angeguckt. Ein Ben-Stiller-Fan bin ich noch nie gewesen, aber das ging nun wirklich nicht. Der Film ist nicht lustig, der Film ist nicht spannend, die Dialoge passen vorne und hinten nicht [...]
Gestern habe ich mir den Film in Kino angeguckt. Ein Ben-Stiller-Fan bin ich noch nie gewesen, aber das ging nun wirklich nicht. Der Film ist nicht lustig, der Film ist nicht spannend, die Dialoge passen vorne und hinten nicht (wobei sich die 'Gags' meist vorne und hinten unten abspielen) und alles war schon mal irgendwie und da war es auch schon nicht witzig. Was das Ganze soll, ist mir auch nicht klar. Und nein, niemand baut mir eine Interpretationsmaschine, die mir sämtliche verborgenen Sub- und Intertexte enthüllt und herausfindet, dass das große Kunst ist. Außerdem: Schwanz, Penis, Arschficken, Wichse (denn wenn der Film das darf - und er ist ab 12 - dann darf ich das hier im Forum auch ;-)
iNSTEIN 10.09.2012
Stiller-Filme sind unendlich todlangweilig, weil sie immer wieder und wieder die gleichen Klischees auf die Schippe nehmen. Der amerikanische Mario Barth, nur noch ein paar Jahre länger auf Tour. Kennst Du einen, kennst Du alle. [...]
Stiller-Filme sind unendlich todlangweilig, weil sie immer wieder und wieder die gleichen Klischees auf die Schippe nehmen. Der amerikanische Mario Barth, nur noch ein paar Jahre länger auf Tour. Kennst Du einen, kennst Du alle. So, als ob man den gleichen Witz alle 2 Jahre nochmal erzählt. Nur diesmal in anderer Reihenfolge. Und das nächste Mal rückwärts.
scooby11568 10.09.2012
und trotzdem fehlen jedes Mal wieder ein paar Minuten, wenn er wieder im Fernsehen läuft ...
und trotzdem fehlen jedes Mal wieder ein paar Minuten, wenn er wieder im Fernsehen läuft ...
Altesocke 10.09.2012
Wenn man das Interview schon auf Deutsch uebersetzt, in einer deutschen Ausgabe von was immer, waere da nicht auchanstatt 'Mr' dann ein 'Hr' angebracht? Ich glaube, der geneigte Leser ist sich auch so im Klaren darueber, das dies [...]
Wenn man das Interview schon auf Deutsch uebersetzt, in einer deutschen Ausgabe von was immer, waere da nicht auchanstatt 'Mr' dann ein 'Hr' angebracht? Ich glaube, der geneigte Leser ist sich auch so im Klaren darueber, das dies Interview vermutlich in der englischen Sprache getaetigt wurde.
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  • Montag, 10.09.2012 – 13:31 Uhr
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The Watch - Nachbarn der 3. Art

Originaltitel: The Watch

USA 2012

Regie: Akiva Schaffer

Buch: Jared Stern, Seth Rogen, Evan Goldberg

Darsteller: Ben Stiller, Vince Vaughn, Jonah Hill, Richard Ayoade, Rosemarie DeWitt, Will Forte

Produktion: 21 Laps Entertainment, 20th Century Fox

Verleih: 20th Century Fox Germany

Länge: 102 Minuten

FSK: Ab 12 Jahren

Start: 6. September 2012






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