Hamburg/Wellington - Teile eines der frühesten Filme des britischen Regie-Großmeisters Alfred Hitchcock sind in Neuseeland wiederentdeckt worden. Das neuseeländische Filmarchiv teilte am Mittwoch mit, dass es insgesamt drei der sechs Filmrollen des lange Zeit verschollen geglaubten Stummfilms "The White Shadow" ("Der Weiße Schatten") aus dem Jahr 1923 gefunden hat.
Sie gehörten zu einer Sammlung des Filmvorführers Jack Murtagh, die nach seinem Tod im Jahre 1989 an das Archiv ging. Murtagh war ein leidenschaftlicher Sammler früher Kinofilme. Bereits 2009 entdeckten die Archive in seinem Nachlass 75 US-amerikanische Stummfilme - darunter John Fords "Upstream" aus dem Jahre 1927.
Das nun gefundene Werk ist die zweite Zusammenarbeit Hitchcocks mit dem britischen Regisseur Graham Cutts. Kurz zuvor hatten die beiden den erfolgreichen Stummfilm "Woman to Woman" mit der US-Schauspielerin Betty Compson gedreht. Mit "The White Shadow" nutzten Cutts und Hitchcock die Gelegenheit, Compson noch in einem zweiten Film als Hauptdarstellerin zu engagieren, bevor sie in die USA zurückkehrte.
Wildes Melodram
"Woman to Woman" gilt als verschollen. Nach Einschätzung des Archivs sind die Filmrollen von "The White Shadow" damit das älteste erhaltene Material des 1980 verstorbenen Regisseurs, der mit Thrillern wie "Psycho", "Vertigo" und "Die Vögel" Filmgeschichte schrieb.
Das "wilde Melodrama", so das Archiv, handelt von zwei Schwestern, von denen die eine fast engelsgleich, die andere aber völlig herzlos ist. Nach Angaben des Vorsitzenden des US-Filmkritikerverbands David Sterritt schrieb Hitchcock das Drehbuch, entwarf die Ausstattung, schnitt das Rohmaterial und assistierte Cutts - der seine Eifersucht gegenüber dem talentierten Neuling allerdings nicht verbergen konnte. Hitchcock war damals gerade mal 24 Jahre alt.
Die Filmrollen schlummerten jahrelang unentdeckt in einem Safe. Sterritt sprach von einer der "aufregendsten Entwicklungen" in der Filmgeschichte. "Diese ersten drei Rollen von 'The White Shadow', mehr als die Hälfte des Films, sind eine unbezahlbare Gelegenheit, die visuellen und erzählerischen Ideen Hitchcocks zu studieren, während sie Form annahmen", so der Filmkritiker.
twi/afp/dpa
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