Til-Schweiger-Satire: Die Vorgeschichte von "Kokowääh"

Zugegeben, wir sind keine Fans von Til Schweiger. Aber seinen neuen Film "Kokowääh" zu verreißen, fanden wir dann doch zu einfach. Stattdessen präsentieren wir das Protokoll einer zufällig aufgenommenen Szene, die ein völlig neues Licht auf die Entstehungsgeschichte des Films wirft.

Til-Schweiger-Film "Kokowääh": Eine Art Familiengeschichte Fotos
Warner Bros.

Nachdem die letzte Szene von "Zweiohrküken" abgedreht ist, feiert die Crew um Til Schweiger ausgelassen. Eine der Kameras wurde jedoch nicht ausgeschaltet. SPIEGEL ONLINE dokumentiert exklusiv, was sie aufgezeichnet hat.

In der verlassenen Kulisse baut Bühnenbildner Jörg Demroth ein Regal ab. Von der Party im Nebenraum schlendert Beleuchter Bernd Wegmann mit einem Bier in der Hand zu ihm herüber.

"Jörgi, Mensch, was ziehst du denn für 'ne Fresse? Ist doch vorbei, der Dreh. Lass uns endlich anstoßen." Jörg schaut seinen Kollegen wütend an: "Dieser Schweiger - so'n Hals hab' ich! Immer derselbe Mist, den der dreht! Ich sag' dir: Was der sich an Geschichten ausdenkt, das kann ich auch!" "Nun mal halblang, Jörgi! Der Schweiger erreicht ein Millionenpublikum mit seinen Filmen - glaub' ja nicht, dass man das so einfach wiederholen kann!"

"Das wollen wir doch mal sehen!", sagt Jörg und schaut sich im Raum um. Er erblickt in einer Ecke einen Laptop, setzt sich dran und beginnt, energisch zu tippen. "Was machst du denn da, Jörgi?" "Ich schreib' jetzt das Drehbuch für den neuen Schweiger-Film - dann siehst du mal, wie einfach das ist."

Bernd nimmt einen Schluck Bier aus seiner Flasche und schaut seinem Kollegen über die Schulter: "Und was ist bitteschön die Geschichte, die du erzählen willst?" "Na, ist doch klar. Diese Frauen-können-nicht-einparken-und-Männer-nicht-zuhören-Nummer ist durch. Jetzt macht der 'ne Familiengeschichte - geiler Frauenaufreißer entdeckt, dass er eine Tochter von 'ner Verflossenen hat und muss sein ganzes Leben umstellen." "Mensch, Jörgi, das ist doch voll alt, das habe ich schon hundertmal gesehen." "Egal, so denkt der Schweiger nicht. Der denkt: Super, muss sich das Publikum nicht so anstrengen und auf 'ne neue Geschichte einlassen."

"Hier muss ihm die Frau noch den Mittelfinger zeigen"

Bernd liest mit, was Jörg in den Laptop haut. "Boah, Jörgi, warum muss denn die kleine Schweiger-Tochter mitspielen? Das ist doch voll gemein, lass doch das Kind in Ruhe." "Hast du gehört, wie der Schweiger am Buffet mit der angegeben hat? 'Die Emma macht das alles freiwillig, ich muss die zu nichts überreden' - einen ganzen Film mit der kann er haben!"

Jörg fließen die Seiten nur so aus der Feder. Bernd ist zunehmend beeindruckt: "Nicht schlecht, wirklich - nicht schlecht! Aber der Sound vom Schweiger stimmt noch nicht ganz." "Waswillsudennjetz." "Hä?" "Na, der Sound vom Schweiger - der nuschelt doch so!" "Das mein' ich nicht. Der Schweiger, der ist doch schon ein bisschen älter. Der sagt nicht 'Kondom', der sagt 'Pariser'. Und auch nicht 'vögeln', sondern 'bumsen'. Und wenn der in das noble Anwesen seiner Ex-Freundin kommt, sagt der 'geile Hütte'."

"Ah, okay, baue ich ein. Ich dachte allerdings, der Schweiger schreibt immer ein bisschen ordinär. Die sagen doch ganz oft 'Scheiße' und 'Arschloch' in seinen Filmen." "Ja, das tun sie auch. Das würde ich auch 'reinschreiben - und dann lass' die Frau ihm hier den Mittelfinger zeigen. Und da, da muss ihm das Kind auch noch den Mittelfinger zeigen."

Von der Party kommen zwei Gestalten herüber. Es sind die Schauspieler Meret Becker und Samuel Finzi. "Also, von den Filmen vom Schweiger kann man ja halten, was man will", sagt Becker. "Aber feiern kann er, der ist schon ein Herzlicher, der kümmert sich um seine Leute." "Ich muss gestehen, dass ich noch keinen einzigen Film von ihm gesehen habe", sagt Finzi. "O-ho!", mockiert sich Becker. "Der Herr Ensemble-Mitglied-vom-Deutschen-Theater! Kommt wohl vor lauter Aischylos-Dialogen nicht dazu, sich mal die erfolgreichsten deutschen Kinofilme der letzten Jahre anzuschauen!"

"So, jetzt versteht es wirklich jeder"

"Komm, Meret, so elitär bin ich nicht. Ich sag dir: Beim nächsten Schweiger-Film spiele ich mit!" "Finzi-Baby, wie soll das denn gehen? Du glaubst doch nicht, dass dich der Schweiger aus dem Theater kennt? Das ist doch Hochkultur-Subventions-Kacke für den!" "Aber ich hab' letztens in dieser Werbung mitgespielt, die überall war! Wetten, dass der mich kennt?" "Okay, Wette angenommen. Wenn der dich kennt, dann... dann spiele ich deine Frau in dem Film!" Hysterisch lachend gehen Finzi und Becker zurück auf die Party.

Jörg hat in der Zwischenzeit eifrig weitergetippt. Bernd sieht aber unzufrieden aus: "Ich weiß nicht, Jörgi. Das ist doch alles ein bisschen lahm. 'Keinohrhasen' und 'Zweiohrküken' hatten entschieden mehr Drive, da ist einfach mehr passiert. Bei deiner Geschichte fehlt irgendwie der Konflikt." "Doch, den gibt's. Aber vielleicht lass' ich die Figur von Til Schweiger im Film noch mal genau erklären, was der Konflikt ist" Er tippt in Großbuchstaben: "ES GEHT DARUM, WAS EIGENTLICH EIN VATER IST". "So," sagt Jörg, "jetzt versteht es wirklich jeder."

"Trotzdem. Mir fehlen da die großen Gefühle." "Quatsch nicht, Bernd. Da haut der Schweiger einfach ein paar Power-Balladen als Soundtrack drauf, so richtig laut, und dann passt das schon mit den großen Gefühlen." "Okay, Jörgi, wie du meinst. Aber an dem Titel musst du noch arbeiten. 'Kokowääh' - ist doch voll peinlich, wenn man das an der Kinokasse sagen muss." "Ist mir egal, ich lass' das jetzt so. Komm, ich will ein Bier", sagt Jörg und steht auf. Sie verschwinden im Nebenraum.

Til Schweiger wandert von der Party zurück in die Kulisse. Wehmütig schaut er sich um, da entdeckt er den Laptop. Er beugt sich über den Bildschirm und fängt an zu lesen. Seine Augen weiten sich, er zieht einen Stuhl heran, setzt sich und liest weiter. Nach ein paar Minuten schlendert sein ehemaliger Agent Béla Jarzyk ebenfalls in die Kulisse. Schweiger winkt ihn aufgeregt zu sich herüber. "Béla, das musst du dir ansehen!"

Hier endet die Filmrolle. Protokoll: Hannah Pilarczyk

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1. na also...
egils 03.02.2011
...da sind sie wieder. Die unnötigste und nervigste berufsgruppe der Welt...Kritiker. Erzaehlen der Welt mal wieder was ihnen gefasellt und daher gut sein muss, und was nicht. Die Arroganz, per Artikel quasi zu behaupten das Millionen Kinogaenger halt sehr einfach gestrickt sind wenn ihnen die Schweiger-Filme gefallen, ist einfach wie immer grandios. jaja...man wundert sich woher die Qualifikation dieser "Berufsgruppe" kommt. Bin ja selebr schuld; was lese ich auch immer wieder diesen Blödsinn. Wahrscheinlich rege ich mich zu gerne ueber Nichtigkeiten auf:-) Oder ich sollte kritiker-Kritiker werden?
2. Komisch irgendwie
zxmma23 03.02.2011
Ich fand den latenten Schweiger-Hass von SpOn schon immer merkwuerdig, wenn auch vergleichsweise harmlos. Die qualitativ mittelpraechtigen Autoren einer mittelpraechtigen Webseite moegen die mittelpraechtigen Filme eines, man ahnt es schon, mittelpraechtigen Schauspielers nicht. Interessiert eigentlich niemanden weiter. Aber mit dieser absolut niveaulosen und schlecht geschriebenen Polemik machen sich Webseite und Autor doch reichlich laecherlich. Es wird wohl was persoenliches dahinterstecken, es gab da ja schon frueher Probleme mit Interviews, weil Schweiger sauer, dass ein mittelpraechtiger Autor... Aber dies Geschmiere ist nun wirklich nur noch laecherlich, zumal wenn man bedenkt, was fuer ein Film-Mist von den Kulturnichtskoennern bei SpOn sonst hochgelobt wird. Aber auf Schweiger einpruegeln, weil er ja so niveau- und einfallslos ist? Armseelig!
3. -
semper fi, 03.02.2011
Zitat von sysopZugegeben, wir sind keine Fans von Til Schweiger. Aber seinen neuen Film "Kokowääh" zu verreißen, fanden wir dann doch zu einfach. Stattdessen präsentieren wir das Protokoll einer zufällig aufgenommenen Szene, die ein völlig neues Licht auf die Entstehungsgeschichte des Films wirft. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,743267,00.html
Der Artikel ist wirklich nett und gut gemeint. War aber nicht wirklich notwendig, denn Schweiger selbst als Person ist doch Sartire pur.
4. -
semper fi, 03.02.2011
Zitat von zxmma23Ich fand den latenten Schweiger-Hass von SpOn schon immer merkwuerdig, wenn auch vergleichsweise harmlos. Die qualitativ mittelpraechtigen Autoren einer mittelpraechtigen Webseite moegen die mittelpraechtigen Filme eines, man ahnt es schon, mittelpraechtigen Schauspielers nicht. Interessiert eigentlich niemanden weiter. Aber mit dieser absolut niveaulosen und schlecht geschriebenen Polemik machen sich Webseite und Autor doch reichlich laecherlich. Es wird wohl was persoenliches dahinterstecken, es gab da ja schon frueher Probleme mit Interviews, weil Schweiger sauer, dass ein mittelpraechtiger Autor... Aber dies Geschmiere ist nun wirklich nur noch laecherlich, zumal wenn man bedenkt, was fuer ein Film-Mist von den Kulturnichtskoennern bei SpOn sonst hochgelobt wird. Aber auf Schweiger einpruegeln, weil er ja so niveau- und einfallslos ist? Armseelig!
Aber doch schon schwer in Ordnung. Kleiner Einspruch: Ein mittelprächtiger Schauspieler muss mindestens vier Gesichtsausdrücke beherrschen. Schweiger hat nur zwei. Nein, sehr angebracht. Ist es doch Schweiger, der kritische Journalisten von den üblichen Voraufführungen seiner Filme aussperrt. So will er sicherstellen, dass seine zweifelhaften Erzeugnisse nicht schon im Vorfeld - Sie ahnen es schon - berechtigterweise verrissen werden.
5. Traurig...
imernst!? 03.02.2011
Man fragt sich, was der arme Mann den Kulturredakteuren von SpOn getan hat. Zu kommerziell? Wolldecke im Mund? Beschränkt in seiner schauspielerischen Vielfalt? Mag ja alles stimmen - ich kenne den Film nicht und werde ihn mir aller Voraussicht nach auch nicht ansehen. Aber dieser journalistische Amoklauf (man möge das Archiv bemühen) macht mich ehrlich gesagt fassungslos. Dass hier - wie von einem meiner Vorredner schon angemerkt - eher persönliche Gründe eine Rolle spielen, erkennt man schnell. Schliesslich gab es über Herrn Schweiger schon den ein oder anderen Artikel, der deutlich über das Ziel hinausschoss. Aber dass das im Spiegel (online oder offline) in dieser überheblichen und polemischen Einseitigkeit stattfinden darf, wundert mich doch. Gibt es in einer Redaktion niemanden, der das gegenliest? Kritik ist selbstverständlich immer erlaubt, aber das hier ist einfach nur peinlich!
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"Kokowääh"

Deutschland 2011

Regie: Til Schweiger

Drehbuch: Til Schweiger, Béla Jarzyk

Darsteller: Til Schweiger, Emma Schweiger, Jasmin Gerat, Samuel Finzi, Meret Becker

Produktion: Barefoot Films

Verleih: Warner Bros

Länge: 123 Minuten

FSK: 6 Jahre

Start: 3. Februar 2011

Offizielle Website zum Film