US-Kritiker zu Til Schweigers neuem Film "So lustig wie eine Wurzelbehandlung ohne Narkose"

Eigentlich wollte Til Schweiger mit dem US-Remake seines deutschen Hits "Honig im Kopf" die Amerikaner begeistern. Aber der Film ist ein Totalflop - und die Kritik zerreißt den Film gnadenlos.

Nick Nolte in "Head Full of Honey"
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Nick Nolte in "Head Full of Honey"


Das war ganz anders geplant: Schon während der Dreharbeiten zu seiner Alzheimer-Komödie "Honig im Kopf", so Til Schweiger, sei ihm die Idee zu einer US-Version gekommen. Die Eroberung Hollywoods muss jetzt allerdings verschoben werden: "Head Full of Honey" stößt in den USA auf gnadenlose Kritiker und ein desinteressiertes Publikum.

Der Film läuft dort seit dem 30. November, allerdings landesweit in gerade einmal vier Kinos. Dort hat er bisher 10.413 Dollar eingespielt - ein katastrophales Ergebnis. Allerdings weiß auch kaum jemand in den USA von der Existenz des Films, weil das produzierende Warner-Brothers-Studio kaum Werbung dafür machte. Nach der Sichtung schrieb der Kritiker der "Los Angeles Times": "Kein Wunder, dass Warner den Film bis zur letzten Minute vor der Kritik versteckt hat."

Til Schweigers neuer Film "Head Full of Honey" ist in den USA gefloppt
imago/ News4HH

Til Schweigers neuer Film "Head Full of Honey" ist in den USA gefloppt

Gary Goldstein fährt fort: "Das Resultat ist ein lärmendes, völlig unglaubhaftes, überlanges Wirrwarr, das unter jeder Menge fehlgeleiteter kreativer Entscheidungen leidet." Die Geschichte habe ein Skalpell gebraucht, sei aber mit einem Vorschlaghammer bearbeitet worden.

In anderen renommierten Zeitungen kommt "Head Full of Honey" nicht besser weg. Die New York Times schreibt: ""Betrachtet man die bizarre Handlung und die schrillen Darbietungen der Schauspieler, scheint der Film in einem Gemüsemixer entstanden zu sein."

Und der "Observer" stöhnt gleich in der Überschrift: "Diese Nick-Nolte-Komödie über Alzheimer ist so lustig wie eine Wurzelkanalbehandlung ohne Betäubung" und fährt fort: "Ein Film mit einer Laufzeit von über zwei Stunden darüber, wie lustig Alzheimer ist, verlangt auch vom geduldigsten Zuschauer mehr, als ein fehlgeleiteter Regisseur verlangen darf."

Die Originalversion "Honig im Kopf" war nach seinem Kinostart im Dezember 2014 ein riesiger Hit, über sieben Millionen Zuschauer sahen den Film. Die Neuverfilmung startet hierzulande am 21. März.

kae



insgesamt 33 Beiträge
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fabian_feussner 06.12.2018
1. Richtig
Ich frage mich auch, wie hierzulande so viele Leute diese unfassbar schlechten und platten Schweiger/Schweighöfer Filme schauen und für gut befinden können. Deutsche Komödien sind wirklich unterirdisch schlecht (95 %).
Newspeak 06.12.2018
2. ....
Schweigers "Komödien" sind selten wirklich gut. Aber er glaubt ja daran, dass sich die deutschen Kritiker gegen ihn verschworen haben, und er immer alles grossartig macht. Schön, dass ihm jetzt die Amerikaner mal sagen, was Fakt ist. Der Mann ist total überbewertet.
whitewisent 06.12.2018
3.
Bei einem Start in lediglich 4 Kinos kann man wohl kaum von "Totalflop" sprechen. Das liegt eher am Verleih und der amerikanischen Kinolandschaft. Nach allem, was man bislang an Kritik lesen kann, richtet sich diese doch wohl zuerst einmal an das Thema ("Bizarre Handlung"), nicht an die Umsetzung. Der Film war in Deutschland eben trotz dieser Handlung so erfolgreich, weil mit Hallervorden einer der Film-Ikonen der letzten 50 Jahre Hauptdarsteller war, und der Film in eine Reihe mit anderen Altwerken des Künstlers zu sehen war. Schweigers Rolle als Sohn und Vater ist da weder ein Argument für noch gegen den Film, was auch Matt Dillons Aufgabe relativiert. Ich würde auch sagen, dass Nolte genau der reichtige Darsteller dafür ist, obwohl er wohl nie wirklich ein Comedian war. Aber auch Hallervordern war nicht der Haudraufkomiker, sondern es war eher Situationskomik, und die ist international. Oder eben auch nicht. Andere Frage bei dem Thema ist, wie stark diese Krankheit und ihre Folgen in der US-Gesellschaft in Zentrum stehen. Vermutung, noch weniger als in Deutschland, weshalb auch die persönliche Betroffenheit bei vielen Kritikern wohl fehlte. Abwarten, auch was die Filmverwertung bringt. Zum Glück bestimmen am Ende nur wenige Kritiker wirklich die Besucherströme.
benmartin70 06.12.2018
4.
Yup, Schweiger heißt für mich: nicht schauen ...... Ok, deutsche Filme generell eher weniger....
annoo 06.12.2018
5. Das wundert mich nicht
Ich möchte jetzt nicht in ein undifferenziertes Schweiger-Bashing verfallen. Bestimmt nicht. T. Schweiger macht eben andere Filme als das was mir gefällt. Nachdem Honig im Kopf allerdings hier so gelobt wurde habe ich ihn mir doch angesehen, zumindest die erste Hälfte. Ich fand den Film einfach nur gruselig, oberflächig, mit anderen Worten überflüssig. Ich hatte mir vom Plott eine sensiblere Auseiseinandersetzung mit einer ernstzunehmenden Krankheit versprochen. Hätte man eine witzige Komödie draus gemacht, hätte ich das auch noch akzeptiert. Der Film war aber weder tiefsinnig noch ansatzmäßig witzig. Irgendwann habe ich mich fremdgeschämt und abgeschaltet. Insofern kann ich mir vorstellen, dass er in den Staaten floppte zumal wenn er nicht beworben wurde. Till Schweiger, bleib beim hämorrhoidalen Klassentreffen-Humor, so etwas schaue ich mir sicher nicht an, kann mich aber über einen köstlichen Kommentar von Anja Rützel freuen. Und wer es trivial liebt und auf Furzkissenhumor steht wird sicher auf seine Kosten kommen.
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