Selbst auf den Fotos hat er dieses Strahlen in den Augen. Wie ein kleiner Junge, der gerade ein neues Gerät mit seinem Technik-Baukasten erfunden hat, steht James Cameron vor der "Deepsea Challenger". Das acht Meter lange Unterwasserboot leuchtet in einem knalligen Apfelgrün, der Kanadier hat es selber entworfen. Acht Jahre hat es gedauert, bis es fertig war. Jetzt hat der 57-Jährige das U-Boot gemeinsam mit Wissenschaftlern der US-amerikanischen Geographie-Gesellschaft National Geographic Society vor Papua Neuguinea getestet. Seine spektakuläre Abenteuerreise steht nun kurz bevor.
Die Mission, zu der sich der Regisseur von "Titanic" und "Avatar" aufmachen will, klingt so futuristisch, dass man sie leicht in den Bereich der Science Fiction einordnen könnte. Der begeisterte Laie will ans Limit - und als erster Mensch seit mehr als 50 Jahren zum tiefsten Punkt des Marianengrabens tauchen, wie das Magazin "National Geographic" am Donnerstag auf seiner Website mitteilte.
"Die Tiefseegräben sind die letzte unerforschte Grenze unseres Planeten", erklärte der Kanadier in einer Pressemitteilung. "Sie bieten Wissenschaftlern ein Forschungsfeld für 100 Jahre." Für den Film "Titanic" war Cameron drei Dutzend Mal zum Wrack des Schiffes getaucht, und der Dortmunder Physiker Metin Tolan bescheinigt dem Regisseur große historische und wissenschaftliche Genauigkeit. Doch die "Titanic" liegt in 3800 Metern Tiefe - jetzt will Cameron fast dreimal so weit hinunter tauchen.
Die Arbeit der Geographie-Gesellschaft "National Geographic Society" hat nach eigenen Angaben seit ihrer Gründung im Jahr 1888 zwei große Säulen: zum einen die Zeitschrift als Kommunikationsmittel, das die Forschungen anregt und die erzielten Ergebnisse publiziert; zum anderen die Förderung von Forschungsprojekten - mehr als 9000 sind es bis heute.
"Der Ozean hat kein Drehbuch gelesen"
Ziel von Camerons Tour ist natürlich ein Film. Für die Aufnahmen will Cameron hochauflösende 3-D-Kameras verwenden, starke LED-Leuchten sollen die Sicht auf die ansonsten völlig im Dunkeln liegende Unterwasserwelt ermöglichen.
Der Entdeckergeist hat Cameron offenbar voll gepackt. In einer Videobotschaft auf der National-Geographic-Website machte er deutlich, wie unvorhersehbar der Dreh an diesem außergewöhnlichen Set für ihn sein wird: "Wenn man einen Film macht, haben alle das Drehbuch gelesen", sagte er. "Aber wenn man eine Expedition macht, hat der Ozean kein Drehbuch gelesen, und niemand weiß, was als nächstes passieren wird."
Auch auf Komfort muss Cameron während des Trips verzichten: Auf seinem Weg nach unten soll er sich in ein nur 109 Zentimeter breites Cockpit quetschen, in dem er seine Arme und Beine nicht ausbreiten kann. "Man kommt fast nicht rein", sagt Cameron in der Videobotschaft über das U-Boot. "Und dann bekommt man noch eine 23 Kilogramm schwere Ausrüstung in die Hand gedrückt." Dank eines speziellen Schaumstoffes ist die "Deepsea Challenger" mit einem Gewicht von zwölf Tonnen zwölfmal leichter als sein Vorgänger von 1960.
"Es waren 400 Menschen im All, aber kaum jemand in den großen Gräben"
Im Jahr 1960 erreichten zwei Besatzungsmitglieder des U-Boots "Trieste" der US-Marine als erste - und bislang letzte - Menschen den in elf Kilometer Tiefe liegenden tiefsten Punkt der Erdkruste. Sie konnten jedoch nur 20 Minuten lang dort bleiben. Zudem war ihre Sicht durch Schlick behindert, der beim Aufsetzen am Meersgrund auf die Scheiben des U-Bootes spritzte.
Der Marianengraben erstreckt sich über eine Länge von 2550 Kilometern im Pazifik. Am tiefsten Punkt könnte der höchste Berg der Welt, der 8850 Meter hohe Mount Everest, vollständig versenkt werden. Am Grund des Marianengrabens im Pazifischen Ozean ist es wegen der enormen Tiefe stets dunkel und es herrschen eisige Temperaturen sowie ein enormer Wasserdruck.
Cameron ist nicht der einzige Prominente, der in die tiefsten Tiefen abtauchen will. Der britische Abenteurer Richard Branson, mit 4,2 Milliarden Dollar auf Platz 255 auf der "Forbes"-Liste der Milliardäre, will in den Puerto-Rico-Graben abtauchen. Der ist allerdings zwei Kilometer flacher als der Marianengraben, die mediale Aufmerksamkeit ist dem Abenteurer aber gewiss. "Es waren schon 400 Menschen im All, aber kaum jemand in den großen Gräben", sagt er. Auch Patrick Lahey, Besitzer einer Tauchfirma, will nach ganz unten. Über sein Projekt ist aber wenig bekannt.
bos/AFP/dpa
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