Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Trauer um US-Komiker Bob Hope: "Alles, was ich habe, ist Timing"

Kurz nach seinem 100. Geburtstag ist der legendäre Hollywood-Komiker Bob Hope an einer Lungenentzündung verstorben. Der schlagfertige Schauspieler und Entertainer wurde als Meister der Stand-Up-Comedy verehrt und galt als beherzter Patriot. SPIEGEL ONLINE zeigt Bilder aus seiner 70 Jahre währenden Karriere.

Entertainer Hope: König der schlauen Sprüche
DPA

Entertainer Hope: König der schlauen Sprüche

New York - Mit Bob Hope verliert Hollywood einen ihrer letzten großen Stars und Amerika ein nationales Heiligtum. Über sieben Jahrzehnte hinweg feierte der Schauspieler, Komiker und Entertainer im Theater, Fernsehen, Kino und Radio große Erfolge. Der Filmsong "Thanks For The Memory", den er 1938 zusammen mit seiner Kollegin Shirley Ross in seinem ersten Spielfilm "The Big Broadcast" sang, wurde zur unsterblichen Hollywood-Hymne und Erkennungsmelodie für den Komiker. Hopes Markenzeichen war es, in jedem Moment einen passenden schlauen Spruch oder Witz auf Lager zu haben. Seine Schlagfertigkeit, die ihm den Spitznamen "Master of Wisecracks" einbrachte, ist Legende.

1907 war er der in Großbritannien geborene Leslie Townes Hope mit seinen Eltern in die USA, nach Cleveland, Ohio, ausgewandert. Als fünfter von sechs Söhnen einer Arbeiterfamilie war er in der Nähe von London geboren worden. Zum Auswandern habe sich die Familie entschlossen, sagte Hope später auf der Bühne, "weil man herausfand, dass ich zu Hause nicht König werden konnte".

Erste Aufmerksamkeit erregte der junge Bob Hope in den zwanziger Jahren in Tanz- und Musikrevuen am New Yorker Broadway. Ein erster Leinwand-Test schlug 1930 fehl. Erst 1938 eroberte Hope die Leinwand und machte sich schnell einen Namen als Comedy-Talent. 1939 stand er zum ersten Mal mit seinem fortan langjährigen Film- und Bühnenpartner Bing Crosby vor der Kamera. Die Screwball-Komödie "The Road To Singapore" wurde zum überraschenden Kassenhit und Publikumsliebling. Die lustigen Wortgefechte zwischen dem smarten Crosby und dem stets etwas unbeholfen, aber sympathisch wirkenden Hope begeisterten die Massen. Die beiden gelten als Erfinder des "Buddy"-Konzepts, auf dem nicht nur Jack Lemmons und Walter Matthaus später erfolgreiches "seltsames Paar" basiert, sondern auch moderen Actionfilme wie "Lethal Weapon" oder "Bad Boys".

Lange Karriere, lange Ehe: Bob Hop mit Ehefrau Dolores (1997) Hollywood-Star: Hope und Ehefrau Dolores bei der Premiere des Films "The Seven Little Boys" (1955 in Los Angeles) Die Ur-Buddys von Hollywood: Hope mit Comedy-Partner Bing Crosby
Einsatz für die kämpfende Truppe: Hope bei einem Auftritt vor US-Streitkräften auf der Insel New Georgia (Salomonen) im Südpazifik 1944 Umstrittener Vietnam-Einsatz: Hope schüttelt Soldaten die Hände, nachdem er eine seiner zahlreichen Shows in der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon ansolviert hat Seelentrost im umstrittenen Krieg: Bob Hope bei der Truppenbetreuung in Vietnam
Fernseh-Ikone: Bob Hope transportierte das Vaudeville-Theater, das Varieté, in die amerikanischen Wohnzimmer. Das Bild zeigt ihn 1975 bei der Aufzeichnung eines Comedy-Specials für NBC König der schlauen Sprüche und Einzeiler: Bob Hope 1982 Ehrenritter: 1998 wird Bob Hope mit einem Rittertitel der britischen Königen geadelt

Klicken Sie auf ein Bild,
um zur Großbildansicht zu gelangen.

"Sein Reiz lag in der ständigen Selbstironie", schrieb der renommierte US-Filmkritiker Leonard Maltin einmal. "Er war beileibe kein Held. Er war ein Feigling und bei Frauen erfolglos - das war der Spaß dabei, ihm zuzusehen. Und weil seine Film-Persönlichkeit sich alsbald mit seinem Fernseh- und Radio-Image vermischte, hatte man das Gefühl, diesen Typ wirklich zu kennen."

Während der vierziger und fünfziger Jahre blieb Bob Hope, der mit Counterpart Crosby zahlreiche erfolgreiche Filme aus der "Road to..."-Reihe drehte, ein starker Kassenmagnet. Zeitweise tauchte er auch mit einem weiblichen Partner auf, so drehte er Ende der fünfziger Jahre mehrere Komödien mit der damals populären Entertainerin Lucille Ball. Zu seinen bekannteren Filmen gehören "My Favorite Blonde", die Comedy-Western "The Paleface" und "Son of Paleface", sowie "The Princess And The Pirate" (zusammen mit Crosby) und der Thriller "Nichts als die Wahrheit" von 1941.

Neben seiner Karriere als Entertainer und Filmstar betätigte sich Hope schon früh als Truppenbetreuer im Dienste der Hilfsorganisation USO. In mehreren Kriegen, besonders aber im Zweiten Weltkrieg und im umstrittenen Vietnamkrieg, zeigte sich Hope von seiner patriotischen Seite und reiste ausdauernd in die Kriegsgebiete, um den Soldaten Unterhaltung und Ablenkung zu verschaffen. Seine spezielle "Bo Hope Christmas Show", die er auch den Soldaten immer wieder darbot, gehört beinahe zum amerikanischen Kulturgut. Sein beherzter Einsatz in Vietnam brachte ihm in der Showbranche den Ruf eines "Hawks", eines Konservativen, ein. Ein Image, gegen das sich Hope stets verwehrte, was aber dennoch - zumal bei jüngeren Generationen - an ihm haften blieb. Seine Freundschaft mit republikanischen Präsidenten wie Richard Nixon und Ronald Reagan half wenig, seinen Ruf bei den Liberalen zu verbessern.

Bob Hope, der erst im Mai seinen 100. Geburtstag feierte, aber schon lange an Krankheiten und Gebrechlichkeit litt, galt wegen seines sympathischen Witzes und seiner patriotischen Ader dennoch als Nationalheiligtum Amerikas. Mehr als 100 Gagschreiber beschäftigte der "Master of Stand-Up" in seinen erfolgreichsten Jahren und transportierte die aussterbende Show-Form des Vaudeville Ende der vierziger Jahre ins Fernsehen. Hope, dessen einzige Schwäche vielleicht seine Eitelkeit war - Gerüchten zufolge konnte er an keinem Spiegel vorbeigehen, ohne einen selbstkritischen Blick hinein zu werfen -, blieb trotz aller Popularität stets bescheiden. "Alles, was ich habe, ist Timing... und jede Menge Erfahrung", sagte er einmal.

Während seiner sieben Jahrzehnte währenden Karriere betätigte sich Hope zudem als Gag-Sammler und Archivar. Millionen Witze hortete er in seinem Büro in Nord-Hollywood, mehrere tausend davon konnte er auswendig aufsagen, wann immer sich die passende Gelegenheit bot. 18 Mal durfte der Komiker die Oscar-Zeremonie moderieren, eine Trophäe für sein schauspielerisches Werk bekam er jedoch nie verliehen. Immerhin: Vier Ehren-Oscars konnte der Veteran im Laufe seiner Karriere einheimsen.

Hope war knapp 70 Jahre mit seiner Frau Dolores verheiratet und hatte vier Kinder mit ihr adoptiert. Er war schon in den vergangenen Jahre häufiger krank und hatte sich seit zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seinen letzten Geburtstag feierte er im Kreise der Familie mit vier Enkelkindern.

An seinem 100. Geburtstag wurde seine Beliebtheit noch einmal deutlich sichtbar: In Hollywood wurde ihm zu Ehren eine Kreuzung im Herzen des alten Filmdistrikts zum Bob-Hope-Platz ernannt. Die Filmmetropole hatte ihn schon vorab zum "Bürger des Jahrhunderts" erklärt. Persönlichkeiten aus aller Welt, darunter die britische Königin Elizabeth II., übermittelten ihre Glückwünsche. Ganz Amerika feierte den Entertainer. 35 der 50 Bundesstaaten riefen einen "Bob Hope Day" aus. Am Sonntag starb der Entertainer an den Folgen einer Lungenentzündung.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: