Travestiefilm "Rubbeldiekatz" Frauen am Rande des Schmunzelanstrichs

Neue Geschlechterkampfbrisanz von der "Keinohrhasen"-Erfinderin und wieder mit lustigem Titel: "Rubbeldiekatz". Regisseur Detlev Buck verspricht eine freche Umsetzung "ohne Platthumor", dafür mit Matthias Schweighöfer in Frauenklamotten. Wer könnte da widerstehen?

Film1/ Universal Pictures International/ Boje Buck Produktion

Von Andreas Banaski


"Rubbeldiekatz", das neue psychologische Gesellschaftsdrama von Autorenfilmer Detlev Buck, beleuchtet den Schicksalsweg zweier Frauenfiguren. Die eine wird so eingeführt: Sarah Voss, deutscher Glitzer-Export in Hollywood und von Alexandra Maria Lara in all ihrer tiefgründelnden Rehäugigkeit ausgelotet, kommt vom harten Tagwerk zurück in ihre Designervilla, wo sie ihren Lover beim Fremdsex überrascht. Erster Eindruck des Zuschauers: selber schuld, wer sich so einen öligen Stecher anlacht. Doch dieser Gedanke ist hier natürlich verpönt, denn da würde ja die tragische Fallhöhe des weiblichen Identifikationscharakters auf Tussi-Niveau schrumpeln.

Die andere Frauenfigur in "Rubbeldiekatz" ist gar keine Frau, sondern muss sich aus der Not heraus in dieser Rolle prostituieren. Der niedliche blonde Jüngling und Schauspieler Alexander Honk (feminin empfindsam: Matthias Schweighöfer) betüddelt als "Charleys Tante" gereifte Boulevardtheater-Besucherinnen und verdient damit das karge Brot. Doch das ernährt den Mann nicht recht - oder die Männer, denn am Zipfel von Alex hängen noch seine zwei Brüder plus ein Sandkastenkumpel. Also verkauft sich Alex an das Großkapital: Er schmuggelt sich als teutonische Blondine Alexandra in die Hollywood-Produktion eines Nazi-Schinkens. "Arbeiterklasse meets Glamour", nennt Regisseur Buck im Presseheft seinen sozialkritischen Ansatz, denn ihm gehe es um "Würde".

Hormonverunsicherte Damen

Und wie immer, wenn ein halbwegs seriöser Schauspieler in Frauenfummel schlüpft, fällt auch diesmal im Pressematerial der Satz: "Meine eigene Mutter hat mich in dem Aufzug nicht erkannt." Na, dann sind auch die vollblinden Ami-Filmer und ihr Star Sarah entschuldigt, die selbst nach tagelangem Aufeinanderhocken beim Film-im-Film-Dreh nicht den Durchblick kriegen. Sarah, in ihrem erotischen Selbstverständnis immer noch erschüttert, sieht sowieso den Wald vor lauter Bäumen nicht. Eben hat sie noch Mann Alex, unverkleidet, beim Urinieren im Park aufgerissen, dann verschwendet sie sich an den Lackaffen Thomas Henning (Max von Thun). Was das für ein Schaumschläger ist, muss ihr erst Frau Alex, verkleidet, beibringen.

Sind eben total hormonverunsichert, die Damen, denn die neurotische Diva ist hier nicht mal die am unangenehmsten Gestörte: Da gibt's zum Beispiel noch ihre Goldgräberschwester mit ihrem Herrenstripper-Junggesellinnenabschied oder die Prollfurie, die mal Freundin von Alex gewesen sein soll. Auch sonst geht es zwanghaft turbulent zu. Der Film-Hitler ist liebeskrank und der Nazi-Film-Spielleiter eine derbe Quentin-Tarantino-Karikatur. Aber auch eine Type wie Tarantino würde man ja für eine Drehbucherfindung halten, wüsste man nicht, den gibt's wirklich.

Weil Leben und Identitätskrise ernst sind, heiter dagegen Kunst, Herz, Schmerz und Verwechslungstohuwabohu, ist diese Im-Grunde-Tragödie natürlich mit einem Schmunzelanstrich versehen. Buck, auch als Co-Autor gelistet, formuliert seine Richtung so: "schnell, frech, aber ohne Platthumor". Und ob oder wie sehr er damit bei der Geschlechterkampf-Spezialistin Anika Decker, die vor "Rubbeldiekatz" als Autorin schon die Grundlage für "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" schuf, an der richtigen Adresse ist, kann sich wohl jeder selber ausrechnen.


Rubbeldiekatz. Start 15.12. Regie: Detlev Buck. Mit Matthias Schweighöfer, Alexandra Maria Lara, Detlev Buck, Max von Thun.



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Seite 1
postmaterialist2011 15.12.2011
1. Prickelnd
Zitat von sysopNeue Geschlechterkampfbrisanz von der "Keinohrhasen"-Erfinderin und wieder mit lustigem Titel: "Rubbeldiekatz". Regisseur Detlev Buck verspricht eine freche Umsetzung "ohne Platthumor", dafür mit Matthias Schweighöfer in Frauenklamotten. Wer könnte da widerstehen? http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,803718,00.html
Wenn der Film so prickelnd und aufregend wie die Vorschau ist, dann gehört er definitiv in die Rubrik "Filme die keiner braucht". Dagegen wirkte Charleys Tante in den 50igern ja noch wie ein lockeres, sozialkritisches Aufklärungsdrama. Und wer drückt eigentlich diesen schnarchigen, ektomorphen Matthias Schweighöfer in jeden zweiten deutschen Film ? Wenn ich den sehe muss ich immer an Davos und die Lungenheilanstalt denken, aber definitiv nicht an grosses und überzeugendes Kino.
h.hass 15.12.2011
2. .
Also eine weitere Männer-im-Frauenfummel-Komödie dürfte so ziemlich das letzte sein, was die Welt braucht. Da haben Spitzenkönner wie Billy Wilder oder Dustin Hoffman die Latte so hoch gelegt, dass man, selbst wenn man's einigermaßen solide macht, wie ein Verlierer dasteht. Und wenn man sich nun die Liste der Beteiligten von "Rubbeldiekatz" ansieht, kann man kaum der Meinung sein, hier wären Spitzenkönner am Werk.
jakiri 15.12.2011
3. Wer könnte da widerstehen?
Zitat von sysopNeue Geschlechterkampfbrisanz von der "Keinohrhasen"-Erfinderin und wieder mit lustigem Titel: "Rubbeldiekatz". Regisseur Detlev Buck verspricht eine freche Umsetzung "ohne Platthumor", dafür mit Matthias Schweighöfer in Frauenklamotten. Wer könnte da widerstehen? http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,803718,00.html
Na ich - und ich denke noch eine ganze Menge anderer Menschen:-))
marcshit 15.12.2011
4. Deutschhumor
Zitat von sysopNeue Geschlechterkampfbrisanz von der "Keinohrhasen"-Erfinderin und wieder mit lustigem Titel: "Rubbeldiekatz". Regisseur Detlev Buck verspricht eine freche Umsetzung "ohne Platthumor", dafür mit Matthias Schweighöfer in Frauenklamotten. Wer könnte da widerstehen? http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,803718,00.html
GÄHHHNNNN.... Gerade beim Thema Sex und/oder Mann vs. Frau hat der deutsche Film nichts zu bieten. Hier ist man so locker wie in den 50zigern. Entweder total verkrampft oder übertrieben lächerlich...Hauptsache die gelangweilige, alltagsgenervte und unterfXXXte deutsche Durchschnittsfrau kann sich ein Schmunzeln abringen ohne allzusehr verstört zu werden! Traurig aber war, selbt in "platthumorischen" Filme wie "New Kids Turbo", haben die Charaktere mehr Profil und Tiefe..und dass mein ich durchaus nicht polemisch!
pepito_sbazzeguti 15.12.2011
5. Auweia
Zitat von postmaterialist2011Wenn der Film so prickelnd und aufregend wie die Vorschau ist, dann gehört er definitiv in die Rubrik "Filme die keiner braucht". Dagegen wirkte Charleys Tante in den 50igern ja noch wie ein lockeres, sozialkritisches Aufklärungsdrama. Und wer drückt eigentlich diesen schnarchigen, ektomorphen Matthias Schweighöfer in jeden zweiten deutschen Film ? Wenn ich den sehe muss ich immer an Davos und die Lungenheilanstalt denken, aber definitiv nicht an grosses und überzeugendes Kino.
Oh, an "Charleys Tante" denke ich heute noch mit Unbehagen zurück: 1. Die schlimme Version mit Heinz Rühmann, 2. die schlimmere Version mit Peter Alexander.
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