Türkischer Action-Film Cinemaxx nimmt "Tal der Wölfe" aus dem Programm

Die Altersfreigabe des türkischen Action-Films "Tal der Wölfe" kommt auf Wunsch des Landes Nordrhein-Westfalen erneut auf den Prüfstand der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Cinemaxx, die größte deutsche Kinokette, nimmt den umstrittenen Film ab heute aus dem Programm.

Von Miriam Schröder


Berlin - Zwar hatte die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) den umstrittenen Film in erster Instanz nur für Erwachsene freigeben wollen. Es bestehe "die Gefahr, dass viele Jugendliche ab 16 Jahren ideologisch manipuliert " würden, heißt es in der Urteilsbegründung des Arbeitsausschusses. Für junge Migranten in Deutschland könne der Film als Provokation oder als Verstärkung eigener ideologischer Sichtweisen wirken. Der Verleiher des Films, die Maxximum Film und Kunst GmbH, hatte den Beschluss aber nicht akzeptiert. Darum sah eine zweite Instanz, der Hauptausschuss der FSK, den Film noch einmal und entschied: Frei ab 16 Jahren. Jetzt muss der Berufungsausschuss entscheiden.

Szene aus "Tal der Wölfe": "Die Leute sollen selbst merken, wie hirnrissig das ist"
Maxximum

Szene aus "Tal der Wölfe": "Die Leute sollen selbst merken, wie hirnrissig das ist"

Dem Aufruf an die Kinobetreiber, "Tal der Wölfe" aus dem Programm zu nehmen, ist bislang niemand offiziell gefolgt. "Wir spielen weiter. Jeder soll sich eine eigene Meinung bilden", sagte Georg Welles, Sprecher der UCI-Gruppe. Die Cinemaxx-Kinos zeigen den Film ab morgen allerdings nicht mehr. Dies sei jedoch nicht als Reaktion auf politische Forderungen zu verstehen, betonte Pressesprecher Arne Schmidt. "Wir wollen uns nicht vor den Karren spannen lassen, von keiner Seite", begründet Schmidt den Entschluss. 

Am Wochenende hatte die Debatte um den türkischen Actionfilm einen neuen Höhepunkt erreicht: Etliche Unions-Politiker, darunter Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Innenminister von Baden-Württemberg, Heribert Rech, forderten die Kinobetreiber auf, den "rassistischen und antiwestlichen Hassfilm" sofort abzusetzen. Vor allem türkische Jugendliche würden durch den Film "radikalisiert", so Rech. Auch der Zentralrat der Juden hatte die Absetzung von "Tal der Wölfe" gefordert. Wer den Film zeige, unterstütze "den Hass auf jüdische Menschen", so Vizepräsidentin Charlotte Knobloch.

"Die Leute merken selbst, wie hirnrissig das ist"

Die neun Mitglieder im Hauptausschuss der FSK hingegen hatten mehrheitlich entschieden, dass Jugendliche ab 16 Jahren erkennen können, welche Passagen des Filmes der Wahrheit, und welche der Fiktion entsprechen. Er halte es darum für vernünftiger, "den Film laufen zu lassen und die Leute selbst merken zu lassen, wie hirnrissig das ist", sagte der Ausschussvorsitzende Hermann Dettbarn SPIEGEL ONLINE.  Der Film beschreibe ausschließlich Einzelpersonen, Rückschlüsse auf "die Amerikaner" müssten deshalb nicht gezogen werden. Er hält es auch für unwahrscheinlich, dass der Film antisemitische Einstellungen verstärken könne. "Wir greifen nur dann ein, wenn die falsche Darstellung einer Religion plausibel dazu geeignet ist, Unfrieden zu stiften", so Dettbarn. Dies sei bei "Tal der Wölfe" nicht der Fall.

Der Hauptvorwurf des Antisemitismus bezieht sich auf eine Szene, in der ein jüdischer Arzt den irakischen Gefangenen bei lebendigem Leib die Nieren herausnimmt, und sie in Transportbehälter steckt, auf denen "Tel Aviv", "London" und "New York" steht. "Das ist so überzogen, so unglaubwürdig, so abstoßend, das schlägt doch zurück auf die Leute, die das ins Bild gesetzt haben", glaubt Dettbarn. Kritiker sehen in der Szene eine moderne Variante antisemitischer Hetzbilder aus dem Mittelalter, in denen Juden unter anderem als grausame Schacherer und Kindermörder dargestellt wurden. 

Die FSK entstand 1949 - vier Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft, in der die Filmindustrie ausschließlich Propagandafilme produzierte, die auch den Antisemitismus schüren sollten. "Nie wieder, das war der Gründungsimpuls der FSK", sagt Geschäftsführerin Christiane von Wahlert, die den Film selbst noch nicht gesehen hat. Trotzdem erklärt sie, dass die FSK mit antisemitischen Inhalten "äußerst sensibel" umgehe. Warum die Szene mit dem Arzt bei der FSK ohne Konsequenzen bei der Freigabe blieb, kann von Wahlert allerdings nicht erklären.

Einen Film rechtlich zu verbieten ist nur dann möglich, wenn die Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Antrag stellt und ein Gericht entscheidet, dass der Film gegen das im Grundgesetz verankerte Verbot von Volksverhetzung oder Pornographie verstößt. "So etwas kommt nur alle Jubeljahre vor", so Hermann Dettbarn von der FSK. Zuletzt 1972, als der Erotikfilm "Im Reich der Sinne" verboten wurde.

Runder Tisch statt Verbot

Ein Verbot wird bei der CDU offensichtlich auch nicht mehr diskutiert. Im Anschluss an eine Kabinettssitzung kündigte der bayrische Staatskanzleichef Sinner heute an, Medienvertreter und Kinobetreiber an einem "Runden Tisch" zu versammeln. Dort will Sinner diskutieren, "wie gemeinsam ein verantwortungsvoller Umgang mit den Freiheiten in Presse und Kunst gestaltet werden kann". Ein Beispiel für verantwortungsvolles Handeln von Kinobetreibern könnte nach den Worten Sinners etwa sein, dass im Anschluss an problematische Kinofilme den Kinobesuchern die Gelegenheit zur Diskussion und Information angeboten wird.

Ministerpräsident Stoiber mahnte heute die Regierung in Ankara: "Es muss korrigiert werden, dass verantwortliche Spitzenpolitiker in der Türkei diesen Film begrüßen und der eigenen Bevölkerung praktisch als Vorbild empfehlen. Diese Radikalisierung gegen Europa passt überhaupt nicht zu dem von der Türkei angestrebten Weg in die Europäische Union", so Stoiber.



Forum - Kulturkampf - Ist Europa mit der Integration überfordert?
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Fritz Katzfuß 12.04.2005
1. Der richtige Weg: Polizeiautorität!
>Ein Zeichen für den Wandel: Die verachteten "kleinen Weißen" haben einen eigenen Namen bekommen: Bolos. "Ein Bolo ist eine Taube, ein Opfer", erklärte Heikel, einer der "Casseurs" (Schläger) bei den Schülerdemos, der Zeitung "Le Monde". Ein anderer sagte, "Bolo" sein sei, "als wenn auf der Stirn "nimm meine Sachen" stünde". Allerdings ist die Definition von Bolo verschwommen. "Bolos sind eher blond", meint Rachid. Doch auch ein Maghrebiner (Nordafrikaner) könne Bolo sein, wenn er sich wie ein Franzose verhalte und mit der eigenen Schwester über Sex rede. Nun, wir blicken nach Frankreich und sehen einen umgekehrten Rassismus, Finkelstein warnt davor, also ist das keine neozaistische Panikmache: der sozialbenachteiligte Mob aus den Vorstädten greift zur Gewalt, definiert die andern, die Feinde, die Rechtlosen: als Weiße, als Bolos. Gut, werden einige sagen: das ist der Klassenkampf, der wieder aufgewacht ist. Und richtig ist bestimmt, daß die Infrastruktur und der Wohlstand der Armen gehoben werden sollte: allerdings ist das nicht so einfach: ja, es ist schwer. Der Staat müßte dem Priorität einräumen, was er nicht kann, nicht will, oder beides. Es zeigt sich in Frankreich, was sich, ... was sich auch bei unseren Türken hier schon zeigt und bald noch stärker zeigen wird: sie haben kein deutsch gelernt und kriegen keinen Job, sie verarmen immer mehr und werden immer gewalttätiger, denn sie haben ein leichtes Spiel mit den Integrierten, denen ja die Gewalttätigkeit erfolgreich abtrainiert worden ist, und sie lachen über die europäischen Strafen. Was uns in Europa vor einem Bürgerkrieg entlang der sozialen und ethnischen (in Frankreich sagt man allerdings: rassischen)Grenzen bewahren kann, ist einzig und allein, eine starke Polizei und eine schnelle, strenge Justiz.
JanSouth 12.04.2005
2.
---Zitat von Fritz Katzfuß--- denn sie haben ein le ichtes Spiel mit den Integrierten, denen ja die Gewalttätigkeit erfolgreich abtrainiert worden ist ---Zitatende--- Wie kommen Sie darauf, daß uns hierzulande die Gewaltbereitschaft fehlt? Mit gewaltbereiten Grüßen *g*
Henner Dehn, 12.04.2005
3. Immer dasselbe
Jan South Mit gewaltbereiten Grüßen *g* Es ist auch immer dasselbe mit diesen Bayern. Wenn der Ede ruft, greifen Sie gleich zum Alphorn ;)))
Henner Dehn, 12.04.2005
4.
---Zitat von JanSouth--- Wie kommen Sie darauf, daß uns hierzulande die Gewaltbereitschaft fehlt? Mit gewaltbereiten Grüßen *g* ---Zitatende--- Es ist auch immder dasselbe mit den Bayern. Wenn der Ede ruft, greifen sie gleich zum Alphorn ;))
Fritz Katzfuß 12.04.2005
5. Gewaltbereitschaft
---Zitat von JanSouth--- Wie kommen Sie darauf, daß uns hierzulande die Gewaltbereitschaft fehlt? Mit gewaltbereiten Grüßen *g* ---Zitatende--- Herr South, so sehr ich Ihre Kampfbereitschaft zu schätzen weiß, die Bundeswehr darf nur im Ausland eingesetzt werden... Ich bin dafür der Bundeswehr Geld weg- und der Polizei Geld hinzuschieben. Individuelle, private Gewaltbereitschaft dürfte nach einiger Zeit auch unter den Bolos wieder zu Tage treten: dann freilich ist der Bürgerkrieg da, den es zu verhindern gälte. Gell?
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