US-Blockbuster China zensiert "Fluch der Karibik 3"

Lustig ist das Piratenleben, doch den chinesischen Zensoren graust es vor Kapitän Sao Feng. Zu böse, zu viel Glatze, zu langer Bart, murrten sie - und schnitten ihn kurzerhand aus dem Film "Fluch der Karibik 3" heraus.


Peking - "Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein..." - in China kennt man dieses Volkslied aus Flandern natürlich nicht. Man fürchtet im Reich der Mitte offenbar bärtige Männer eher, als dass man sie besingt. Denn die Szenen mit dem langbärtigen chinesischen Kapitän Sao Feng - insgesamt ganze zehn Minuten - wurden jetzt von der chinesischen staatlichen Filmbehörde aus dem Johnny Depp-Kassenschlager "Fluch der Karibik" herausgekürzt.

Johnny Depp und Chow Yun-Fat in "Fluch der Karibik 3": Chinesische Zensoren sehen sich von dem bösen Piraten Sao Feng schlecht repräsentiert.
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Johnny Depp und Chow Yun-Fat in "Fluch der Karibik 3": Chinesische Zensoren sehen sich von dem bösen Piraten Sao Feng schlecht repräsentiert.

Sao Feng wird von dem chinesischen Schauspieler Chow Yun-Fat verkörpert. Das lokale Magazin "The Popular Cinema" schreibt, dass die Darstellung des Kapitäns Sao Feng ganz der Tradition Hollywoods entspreche, die Chinesen zu dämonisieren: Der Kapitän sei glatzköpfig und sein Gesicht stark vernarbt, er habe einen langen Bart und lange Fingernägel. Gestrichen wurde der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge auch Chows Auftritt, in dem er "Willkommen in Singapur!" sagt. Hier werde unterstellt, dass "Singapur ein Land von Piraten sei. Die Menschen dort hätten bereits protestiert", lautet die Begründung.

Die Agentur Xinhua zitiert außerdem den Chef der chinesischen Filmbehörde, Zhang Pimin: Die Schnitte stünden im Einklang mit den Filmzensur-Regulierungen des Landes. Die Kürzungen würden weder die Handlung noch die Charakterdarstellung beeinträchtigen, sagte Zhang.

Der dritte und vorerst letzte Teil der Trilogie, "Fluch der Karibik - Am Ende der Welt" ist nicht der erste Hollywood-Film, der die chinesischen Zensoren auf den Plan rief. Der Oscar-Gewinner-Film "The Departed - Unter Feinden" von Martin Scorsese wurde dafür kritisiert, dass die Chinesen in dem Film planen, militärische Ausrüstung zu kaufen - dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Quelle in der chinesischen Regierung. Fluch der Karibik 3 war in den Vereinigten Staaten und in Deutschland wochenlang auf Platz eins der Kinocharts. In Shanghai spielte der Film bereits 1,18 Millionen Yuan (etwa 115.000 Euro) ein. Die Zensur in China wird zudem von den Raubkopien auf dem Schwarzmarkt unterlaufen: Ungeschnittene Versionen vieler aktueller Filme können für umgerechnet etwa einen Dollar auf der Straße gekauft werden.

bos/dpa/Reuters



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