US-Fernsehpreis "Mad Men" und "Modern Family" räumen bei Emmys ab

Jubel bei den Machern von "Mad Men" und "Modern Family": Die TV-Serien wurden in Los Angeles mit dem wichtigen Fernsehpreis Emmy ausgezeichnet. Dauerbrenner "30 Rock" ging dagegen leer aus - ebenso Heidi Klum. Dafür freute sich aber George Clooney.

REUTERS

Los Angeles - Schon unter den Nominierten für die wichtigsten Fernsehpreise tummeln sich seit Jahren die selben Bekannten, allen voran "30 Rock" und "Mad Men". Und diese beiden räumen Jahr um Jahr bei den Emmys ab - nicht immer gerechtfertigt, wie Kritiker fanden. Deshalb galt 2010 bereits im Vorfeld der Verleihung als Jahr des Umschwungs, denn mit "Modern Family", "Glee" und "The Good Wife" gingen gleich mehrere neue Serien als Favoriten ins Rennen.

Die Anwaltsserie "The Good Wife" allerdings wurde dieser Rolle nicht gerecht. Hauptdarstellerin Julianna Margulies verlor gegen Kyra Sedgwick ("The Closer"). Und als beste Drama-Serie wurde Konkurrent "Mad Men" gekürt - bereits zum dritten Mal in Folge. Einen weiteren Preis gab es für das Drehbuch. "Mad Men" ist die Geschichte Don Drapers, Star einer New Yorker Werbeagentur Anfang der Sechziger Jahre.

Der begehrte Fernsehpreis für die beste Comedy ging an den gefeierten Neustart "Modern Family"; auch in den Kategorien Bester Nebendarsteller und Bestes Drehbuch gewann die Serie in ihrem Genre. Damit gelang der Comedy um eine turbulente Patchwork-Familie das, was viele gehofft hatten: den jahrelangen Favoriten "30 Rock" auszustechen.

Die Serie hatte nicht nur in der Hauptkategorie das Nachsehen. Auch "30 Rock"-Hauptdarstellerin, -Produzentin und -Autorin Tina Fey ging leer aus, ebenso wie der in den letzten beiden Jahren prämierte Alec Baldwin. An seiner Stelle wurde Jim Parsons für seine urkomische Rolle des Sheldon Cooper in "The Big Bang Theory" ausgezeichnet. Beste Hauptdarstellerin in einer Comedy-Serie wurde Edie Falco, die bereits drei Emmys als "Sopranos"-Darstellerin gewonnen hatte. Nun nahm sie ihre vierte Trophäe für ihre Rolle in der Comedy-Serie "Nurse Jackie" entgegen. Darin glänzt Falco als Krankenschwester Jackie Peyton in der stressigen Notaufnahme eines Krankenhauses.

Jane Lynch bekam für ihre Nebenrolle in der schmissigen High-School-Comedy "Glee" einen der begehrten Fernsehpreise. Eine Trophäe ging an "Glee"-Regisseur Ryan Murphy, zwei weitere hatte es bereits bei der Verleihung der Creative Arts Emmys in der Vorwoche gegeben. Die Serie, die in den USA in kürzester Zeit Kultstatus erreicht hat, erhielt insgesamt allerdings weniger Preise als erwartet.

Zwei Auszeichnungen holte das düstere Drama "Breaking Bad": Bryan Cranston wurde erneut für seine Rolle als Meth-kochender Chemielehrer geehrt, eine weitere Trophäe ging an Nebendarsteller Aaron Paul.

Eine Überraschung gab es noch: "Lost" wurde bei der diesjährigen Verleihung komplett geschmäht, obwohl es das letzte Jahr für die weltweit gefeierte Mystery-Serie war. Chancen hatte "Lost" ausreichend, unter anderem als bestes Drama, in einigen Darsteller-Kategorien sowie für die Regie der finalen Episode. Selbst Kritiker der Serie waren davon ausgegangen, dass es quasi zum Abschied zumindest einen Emmy gibt.

Kein Emmy für Heidi

Die Reality-Show "Project Runway" des deutschen Models Heidi Klum ging bei der 62. Preisverleihung der US-Fernsehakademie in Los Angeles leer aus. In der Kategorie "Reality-Competition Program" setzte sich die Koch-Show "Top Chef" durch. Klum war als beste Moderatorin nominiert, doch wie schon im vergangenen Jahr holte sich erneut Jeff Probst ("Survivor") die Trophäe.

Die TV-Serie "The Pacific", ein Drama um den Zweiten Weltkrieg in zehn Teilen, holte den Emmy in der Sparte "Miniserie", sowie in zahlreichen Nebenkategorien. Steven Spielberg und Tom Hanks haben die beim US-Bezahlsender HBO ausgestrahlte Serie mitproduziert.

Fünf Emmys gingen an "Temple Grandin" als bester Fernsehfilm, für Regie und an die Darsteller Claire Danes, Julia Ormond und David Strathairn. Der Film schildert das Leben der hochbegabten US-Tierforscherin und Autistin Temple Grandin.

Clooney sucht intelligente Mitstreiter

Hollywoodstar Al Pacino holte sich mit der Hauptrolle in dem TV-Drama "You Don't Know Jack" seinen zweiten Emmy. Unter der Regie von Barry Levinson verwandelt sich Pacino in den Sterbehilfe-Arzt Jack Kevorkian. Der als "Dr. Tod" bekanntgewordene Mediziner war 2007 nach achtjähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen worden. Er war als Gast bei der Show dabei.

Eine besondere Auszeichnung bekam George Clooney: Rund 15 Jahre nachdem er durch die TV-Serie "Emergency Room - Die Notaufnahme" berühmt wurde, ist der Hollywoodstar mit einem Ehren-Emmy ausgezeichnet worden. Der 49-jährige Oscar-Preisträger erhielt am Sonntag in Los Angeles den "Bob Hope Award" für seinen Einsatz für die Opfer des Hurrikan "Katrina" vor fünf Jahren, des Erdbebens in Haiti Anfang des Jahres sowie in der westsudanesischen Krisenregion Darfur.

Clooney rief den Saal auf, dafür zu sorgen, dass die Menschen in Krisengebieten nicht vergessen werden, "wenn die Kameras schon längst wieder weg sind". "Kurz nach einer Katastrophe will jeder helfen. Schwer wird es nach sieben Monaten, nach fünf Jahren", sagte Clooney. Er suche nach "intelligenten Leuten", die ihm Wege zeigen könnten, "wie das Scheinwerferlicht" auf katastrophale Zustände gerichtet bleiben könnte, sagte der Schauspieler weiter.

Die Emmys in 104 Kategorien wurden zum 62. Mal von der US-Fernsehakademie verliehen. Während der dreistündigen Show wurden 26 Hauptpreise verteilt, die übrigen Gewinner hatten ihre Trophäen schon vorab erhalten.

can/anr/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 30.08.2010
1. Community
Schade, dass Community (http://doena-journal.net/676/community) nichts bekommen hat, ich würde der Serie etwas mehr Popularität wünschen, insbesondere, da sie dieses Jahr am Donnerstag gegen die Big Bang Theory bestehen muss. Aber ich finde es auch gut, dass nicht 30 Rock wieder alles abgeräumt hat, ich kann mit der Serie nicht wirklich so viel anfangen.
CouchPotato, 30.08.2010
2. schade
Sehr schade, daß die herausragende Ausnahmeserie THE GOOD WIFE und ihre famose Hauptdarstellerin Julianna Margulies nicht gewonnen haben. Ebenfalls schade, daß der final für seine Hauptrolle als Arzt Dr. Jack Shephard in LOST nominierte Matthew Fox nicht den besten Hauptdarstellerpreis zugesprochen bekam, er hätte es verdient gehabt.
DJ Doena 30.08.2010
3. Lost
Zitat von CouchPotatoSehr schade, daß die herausragende Ausnahmeserie THE GOOD WIFE und ihre famose Hauptdarstellerin Julianna Margulies nicht gewonnen haben. Ebenfalls schade, daß der final für seine Hauptrolle als Arzt Dr. Jack Shephard in LOST nominierte Matthew Fox nicht den besten Hauptdarstellerpreis zugesprochen bekam, er hätte es verdient gehabt.
Naja, noch lieber als Fox/Jack hätte ich dann doch O'Quinn/Locke oder Emerson/Ben gesehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.