US-Komödie "Teuflisch" Lange Beine aus der Hölle

Ein unbeholfener Computertechniker schließt in Harold Ramis' "Teuflisch" einen Pakt mit sexy Höllenvamp Liz Hurley. Die langbeinige Teufelsbraut erfüllt dem Trottel seine Wünsche - im Tausch gegen seine Seele.

Von Oliver Hüttmann


Komödie um gefährlichen Pakt: "Teuflisch"
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Komödie um gefährlichen Pakt: "Teuflisch"

Wünsche sind eine verteufelte Sache. Mancher erinnert sich vielleicht noch an den Comic um den Großwesir Isnogud, der immer Kalif an Stelle des Kalifen sein möchte, jeden Zauber und jeden Fluch ausprobiert und am Ende doch immer Großwesir bleibt. Und die drei Wünsche der guten Fee sind letztlich auch nur eine Parabel dafür, dass vollkommenes Glück nur ein Wunschtraum ist und man sein Schicksal in die eigene Hand nehmen soll. Ohnehin scheitert man bereits an der Auswahl: Gesundheit? Langes Leben? Reichtum? Ruhm? Bedingt das eine eventuell das andere? Oder heben sich die Wünsche gegenseitig auf?

Um diese Fragen dreht es sich in Harold Ramis' "Teuflisch". Elliot (Brandan Fraser) wünscht sich sehnlichst, dass sich seine Traumfrau Allison (Frances O'Connor) in ihn verlieben möge. Allerdings scheitert der farblose Tropf schon bei seinem erbarmungswürdigen Streben nach simplen Sozialkontakten. Der Angestellte in einem Call-Center macht sich zum Deppen vor seinen Kollegen, die ihn verspotten oder genervt aus dem Weg gehen. "Lieber Gott, ich würde alles für dieses Mädchen geben", fleht Elliot, als er in einer Kneipe mal wieder von Allison höflich ignoriert worden ist. Der Himmel schweigt ­ aber die Konkurrenz übernimmt den hoffnungslosen Fall sofort. Ein langbeiniger Vamp (Elizabeth Hurley) im roten Kleid hockt sich auf seinen Schoß, reibt ihm sein Dekolletee und eine Visitenkarte unter die Nase. "The Devil" steht auf dem blütenweißen Papier. Sie werde ihm sieben Wünsche erfüllen, gurrt die leibhaftige Versuchung, dafür wolle sie nur seine Seele kassieren.

Verführerin aus der Hölle: Elizabeth Hurley
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Verführerin aus der Hölle: Elizabeth Hurley

Elliot hat nun sieben Versuche, um mit Allisons Liebe seinen einzigen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Die günstige Gelegenheit erweist sich allerdings nicht nur als das im Seelenhandel übliche unseriöse Angebot ­ seine Vertragspartnerin entpuppt sich auch als Satansbraten, der jede Metamorphose mit einem entscheidenden Handicap sabotiert. Zuerst will Elliot nur reich sein, denn reiche Leute kriegen ja alles, denkt er. So erwacht er als kolumbianischer Drogenbaron, der zwar mit Allison verheiratet ist, aber von ihr betrogen wird und zudem tödlichen Ärger mit der Konkurrenz hat. Also mehr Sensibilität. Doch den Hippie-Poeten, der beim Anblick des Sonnuntergangs heult, lässt Allison dann für zwei Strandmachos sitzen. Als tierischer Basketball-Riese hat er ebenso ein kleines Manko, um das Groupie Allison beglücken zu können, wie als geistreicher, aber schwuler Schriftsteller. Und es bringt auch nichts, wenn er US-Präsident werden will, sich dann aber in der Gestalt von Abraham Lincoln kurz vor dessen Ermordung wiederfindet.

"Bedazzled" heißt der Film treffend im Original, denn Elliots Bemühungen bestehen letztlich aus Blendwerk. Und Madame Mephisto kann natürlich gar nichts Gutes schaffen. So stellen die sieben Wünsche in ihrer Kehrseite die sieben Todsünden dar. Aber der Subtext ist auch raffinierter als die vordergründige Substanz dieser Klamotte. Ramis reiht in dem Remake von Stanley Donens "Mephisto '68" mit Dudley Moore nur launige Sketche aneinander, deren Rollen und Verkleidungen allein Fraser wunschlos glücklich gemacht haben dürften. Und während Frances O¹Connor so rein hergerichtet wurde, als würde sie in einem Reklamespot für Margarine auftreten, war damals Raquel Welch als Angebetete höllisch scharf.

Diese Funktion soll nun Liz Hurley ausfüllen, die ja durch nichts mehr als ein knappes, von Sicherheitsnadeln zusammengehaltenes Kleid populär geworden ist und unter Kollegen auch als Biest gilt. Als Krankenschwester, Cheerleader, Politesse, Lehrerin oder Domina schlüpft sie in jede triviale Männerphantasie. Das sieht auch heiß aus, dennoch fehlt ihr ein Funken Charisma. Als Teufelsbraut würde die knöcherne Britin selbst den Satan noch kalt lassen.

"Teuflisch" (Bedazzled), USA 2000. Regie: Harold Ramis; Drehbuch: Larry Gelbart, Harold Ramis, Peter Tolan; Darsteller: Brendan Fraser, Elizabeth Hutley, Frances O'Connor, Paul Adelstein; Länge: 93 Minuten; Verleih: Fox



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