US-Presseschau "Moore bringt es auf den Punkt"

In den USA läuft Michael Moores Bush-kritische Dokumentation "Fahrenheit 9/11" an, der Vorverkauf läuft auf Hochtouren. Auch die amerikanische Kritik widmet sich jetzt dem Film - und ist geteilter Meinung. SPIEGEL ONLINE präsentiert eine Auswahl an Pressestimmen.


Filmemacher Moore: "Schnell dabei, jedem die Liberalität abzusprechen"

Filmemacher Moore: "Schnell dabei, jedem die Liberalität abzusprechen"

Mehrere hundert Kinos in allen US-Bundesstaaten werden Michael Moores "Fahrenheit 9/11" morgen zeigen, am Ende soll der Film in rund tausend Kinos zu sehen sein. Die Dokumentation sorgte bereits im Vorfeld für viel Medientrubel, jetzt schalten sich auch die Filmkritiker des Landes ein. Die sind jedoch längst nicht so euphorisch wie erwartet.

"Seinen Titel nicht eingerechnet, hat Michael Moore einen Film abgeliefert, der weit weniger Zündstoff bietet als erwartet oder als seine Fans gehofft hatten. Die streckenweise sehr wirkungsvolle Dokumentation operiert weit mehr mit emotionalen Appellen als mit dem systematischen Aufbau einer beweisgesättigten Anklage gegen den Präsidenten und seinen Zirkel."
Todd McCarthy, "Variety"

"Noch ein Hinweis: 'Fahrenheit 9/11' mag vieles sein, aber um Gotteswillen, bezeichnen wir ihn nicht als Dokumentation."
Ty Burr, "Boston Globe"

"Moores Gefolgsleute sind schnell dabei, jedem die Liberalität abzusprechen, der die Art und Weise, in der er seine Informationen präsentiert (oder, in manchen Fällen, erfindet), in Zweifel zieht. Für sie ist Michael Moore mit seinen Themen gleichzusetzen, in der Folge müssen seine Gegner auch Feinde des demokratischen Prinzips sein. Es ist ein alter Trick, ähnlich wie damals Pauline Kael (US-Filmkritikerin; Anm. d. Red.) angeklagt wurde, sie sei unempfindlich gegenüber dem Holocaust, weil sie 'Shoa' nicht mochte."
Stephanie Zacharek, "Salon.com"

"Auch wenn Michael Moores 'Fahrenheit 9/11' auf der Grundlage seiner faktischen Ansprüche und filmischen Verfahren angemessen diskutiert werden wird, sollte er erst einmal als temperamentvolle und ungestüme Übung in demokratischer Selbstverwirklichung gesehen werden."
A.O. Scott, "New York Times"

"Kein Kinogänger wird sich langweilen. Die vernichtende Attacke gegen den Irakkrieg und George W. Bushs Präsidentschaft ist informativ, provokativ, erschreckend, unwiderstehlich, witzig, manipulativ und vor allem unterhaltsam."
Claudia Puig, "USA Today"

"'Fahrenheit 9/11' ist dann am besten, wenn er Gesprächstoff für die wachsende Masse der Irakkriegsgegner liefert. Insgesamt ist er ein erschreckend fesselnder Leitfaden durch Moores Auffassungen von Fehlern und Vergehen der Bush-Regierung."
Mary Corliss, "Time"

"Was hier bemerkenswert ist, ist nicht Moores politische Feindseligkeit oder sein gefährlicher Scharfsinn. Es ist die gut vorgebrachte, aus dem Herzen kommende Energie seiner Überzeugungskraft. Obwohl vieles schon bekannt ist, bringt Moore es auf den Punkt. Ein Blick zurück, der wie ein Ausblick in die Zukunft wirkt."
Desson Thomas, "Washington Post"

"Obwohl überlang und von einer verschachtelten Beweisführung gehemmt, bringt der Film eine faszinierende Erzählung zu Stande, die auch als Unterhaltung funktioniert (...). Wenn Moore ernst zu nehmen ist, dann nicht, weil er ein großer Filmemacher wäre (weit entfernt), sondern weil er sein Talent für Verspottung mit der Wut moralischer Entrüstung anreichert."
J. Hoberman, "Village Voice"



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