Bourne-Star Jeremy Renner: "Angst hält mich nicht auf"

Ein Ballermann, der beides kann - Jeremy Renner ist Hollywoods neuer Mann fürs Grobe, schauspielern kann er auch. Nach zwei Oscar-Nominierungen steigt er in die Bourne-Reihe ein. Im Interview spricht er über Action als Karrierekiller und seinen Nebenjob in der Immobilienbranche.

US-Schauspieler Jeremy Renner: Kraftkerl und Charakterkopf
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Universal Pictures

SPIEGEL ONLINE: Mr. Renner, haben Sie mit dem "Avengers"-Charakter Hawkeye nicht die völlig falsche Superhelden-Rolle übernommen?

Renner: Wieso das denn?

SPIEGEL ONLINE: Daredevil wäre treffender gewesen - der "Man without Fear". Sie haben sich, so hört man, ein paar Jahre lang gezielt alle denkbaren Ängste ausgetrieben. Wie haben Sie das eigentlich angestellt?

Renner: Als junger Mann habe ich gelernt, dass das, wovor wir alle am meisten Angst haben, das Unbekannte ist. Weil wir es nicht kennen, nicht kontrollieren können. Also habe ich alles daran gesetzt, ob geistig oder körperlich, mich bedrohlichen, furchterregenden Dingen zu stellen. Ich will einfach nicht, dass mich in der begrenzten Zeit, die wir auf diesem Planeten haben, irgendetwas stoppt, nur weil ich mich davor fürchte. Angst darf und kann mich nicht aufhalten.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen von furchterregenden Dingen. Was haben Sie denn um Himmels Willen gemacht? Mit Haien geschwommen?

Renner: Ja, unter anderem.

SPIEGEL ONLINE: Und wie war's?

Renner: Furchterregend.

SPIEGEL ONLINE: Aha. Natürlich.

Renner: Ja, sicher. Ich habe auch immer noch Angst vor Haien. Aber ich verstehe die Tiere jetzt besser und habe eine Menge über sie gelernt. Unter anderem, dass sie viel furchterregender sind als angenommen! Aber sie besitzen auch sehr viel Schönheit.

SPIEGEL ONLINE: Was war denn Ihre größte Angst, als Sie die Hauptrolle in dem Action-Thriller "Das Bourne Vermächtnis" übernommen haben? Immerhin treten Sie die Nachfolge von Matt Damon an.

Renner: Angst hatte ich eigentlich nicht. Ich war mir nur nicht sicher, ob ich die Energie aufbringen würde, rein körperlich zu erfüllen, was von mir in dieser Rolle erwartet wurde - nachdem ich fast ohne Pause "Mission: Impossible", "Avengers" und "Hansel and Gretel: Witch Hunters" gedreht hatte. Andererseits hatte ich genau durch diese drei Filme genug Training, um fit zu sein. Ich war eher aufgeregt als ängstlich.

SPIEGEL ONLINE: Was hat Sie an "Das Bourne-Vermächtnis" gereizt?

Renner: Der Film hat alles, was ich am Kino mag. Es gibt viele Elemente aus den Thrillern der Siebziger, die ich liebe. Und ich mag es, wenn Filme wie die der Bourne-Reihe, die ein bisschen Substanz haben, auch gut an der Kasse funktionieren. Abgesehen davon hatte ich lange nicht mehr so viel Spaß beim Drehen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben die meisten Action-Stunts selbst absolviert, zum Teil halsbrecherische Sachen wie eine Motorrad-Verfolgungsjagd. Gefährlich, oder?


Renner: Ach, fühlte sich gar nicht so gefährlich an. War ein Mordsspaß! Im Ernst: Diese Dinge selbst zu machen, war sehr wichtig für mich. In so einem Film, der sehr stark auf Authentizität pocht, darf man die Vorstellungskraft des Publikums nicht überstrapazieren, deshalb mussten die Stunts realistisch bleiben. Bei allem, was ich mache, möchte ich so nah wie möglich bei der Wahrheit bleiben.

SPIEGEL ONLINE: Nach "Mission: Impossible", "Avengers" und Ihrer Hauptrolle im "Bourne-Vermächtnis" gelten Sie als Hollywoods neuer Actionheld. Haben Sie keine Angst vor dieser Schublade?

Renner: Nein. Ich sehe die Gefahr, aber ich habe es ja in der Hand, welche Drehbücher ich aussuche und für welche Filme ich mich entscheide. Bis vor kurzem wurden mir nur Rollen als Bösewichte angeboten. Jetzt kommen eben mal wieder andere Angebote. Mir geht es um die Herausforderung, in jeder Rolle und in jedem Genre: Ich muss nicht schon alle Antworten zu einem Charakter kennen, bevor wir überhaupt mit dem Drehen begonnen haben, das fände ich langweilig.

SPIEGEL ONLINE: Sie wurden zweimal für einen Oscar nominiert. Mit Action-Rollen wird es schwieriger, die Academy zu begeistern.

Renner: Auf jeden Fall. Aber ich mache das ja nicht in erster Linie, um Oscars zu gewinnen. Ich will interessantes Kino machen.

SPIEGEL ONLINE: Nebenbei sind Sie auch in der Immobilienbranche tätig. Mit einem Freund zusammen bauen oder renovieren Sie Häuser und Villen in Los Angeles. Warum?

Renner: Ich bin niemand, der sich gerne mit Börsenkursen und Aktien herumschlägt, ich mag Dinge, die man anfassen kann. Also investiere ich das Geld, das ich als Schauspieler verdiene, in Architektur, die ich für eine der großartigsten Kunstformen halte. Der Gedanke, dass ein Haus, eine greifbare Struktur, die ich gebaut habe, noch da sein wird, wenn ich schon lange gestorben bin, macht mich stolz. Und letztlich: Wenn's mit den Filmen mal nicht mehr so läuft, verkaufe ich eben mein Dach überm Kopf.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Ihre Filmkarriere so sorgfältig wie ein Haus aufgebaut? Und die Bourne-Reihe ist jetzt so etwas wie die zweite oder dritte Etage?

Renner: Keine Ahnung. Vielleicht kann man's irgendwie vergleichen. Und am Ende steht da ein Wolkenkratzer! Der Unterschied zur Architektur ist, dass man im Filmgeschäft nichts wirklich planen kann, zu viele Dinge sind einfach nicht kontrollierbar: Gibt es grünes Licht für ein Projekt? Gucken sich die Leute den Film an? Ich versuche zumindest, jede Entscheidung mit Bedacht zu fällen.

SPIEGEL ONLINE: Sie blicken ja auch auf eine langjährige Karriere als Karaoke-Sänger zurück und spielen nebenbei in einer Band. Ein weiteres Standbein?

Renner: Oh, ich würde gerne öfter Musik machen! Aber dafür braucht man einfach zu viel Zeit, selbst wenn man es nur als Hobby betreibt. Beim Häuserbauen ist es einfacher, da kann ich mich hier im Hotelzimmer in Berlin hinsetzen, Pläne zeichnen und sie per E-Mail an Leute verschicken, die sich um die Umsetzung kümmern. Eine Karriere als Musiker? Nicht drin, aber ich würde definitiv gerne mal einen Rockstar spielen!

SPIEGEL ONLINE: Wen denn?

Renner: Aaach…nicht so wichtig. Hauptsache, ich kann mal im Film singen.

SPIEGEL ONLINE: Nun mal nicht so schüchtern.

Renner: Na gut. Ozzy Osbourne? Der ist ziemlich cool.

Das Interview führte Andreas Borcholte

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insgesamt 5 Beiträge
traldors 16.09.2012
eindeutigen Regiestil ist dieser Film einfach eine herbe Enttäuschung. Ende, Gelände.
eindeutigen Regiestil ist dieser Film einfach eine herbe Enttäuschung. Ende, Gelände.
ganta 16.09.2012
Einer meiner Lieblingsschauspieler
Einer meiner Lieblingsschauspieler
sinta 16.09.2012
Ja, hat er ja auch schon gemacht und das sogar ziemlich gut: Lovely Jeremy Renner sings - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=cvK2FeaJQFA) Noch dazu, er ist momentan einer der interessantesten Charaktere in Hollywood - und [...]
Zitat von Aus dem InterviewRenner: Aaach…nicht so wichtig. Hauptsache, ich kann mal im Film singen.
Ja, hat er ja auch schon gemacht und das sogar ziemlich gut: Lovely Jeremy Renner sings - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=cvK2FeaJQFA) Noch dazu, er ist momentan einer der interessantesten Charaktere in Hollywood - und die Augen von dem Mann, der hat da ein Paar Augen - Wahnsinn.
cyone 17.09.2012
Ich erwarte mehr von dem Film. Diese Wochenende hab ich mir wieder die Bourne Trilogie angeschaut. Großartige Darsteller, klasse Story. Aber die Kameraführung (von der Regie vorgegeben) ist einfach zum Kotzen. Ich möchte [...]
Zitat von traldors"Ohne Matt Damon und den" eindeutigen Regiestil ist dieser Film einfach eine herbe Enttäuschung. Ende, Gelände.
Ich erwarte mehr von dem Film. Diese Wochenende hab ich mir wieder die Bourne Trilogie angeschaut. Großartige Darsteller, klasse Story. Aber die Kameraführung (von der Regie vorgegeben) ist einfach zum Kotzen. Ich möchte einen Film sehen und mir nicht aus völlig verwackelten Bildschnipseln, die in sekundenbruchteilen wechseln, einen Film zusammendenken. Es wird Zeit, die Handkameras wegzuwerfen, die Steadycams wieder rauszuholen und den Kameraleuten die Aufputschmittel wegzunehmen. Gut das der Regisseur gewechselt hat. Es wird dem Film gut tun.
pfälzerbu 17.09.2012
da möchte ich mich "cyone" anschließen. Ich setz' sogar noch eins drauf: wenn ich will dass mir übel wird, geh' ich nicht ins Kino, sondern auf's Oktoberfest, trinke heftig und fahre Karussell. Action im Bild _und_ mit [...]
da möchte ich mich "cyone" anschließen. Ich setz' sogar noch eins drauf: wenn ich will dass mir übel wird, geh' ich nicht ins Kino, sondern auf's Oktoberfest, trinke heftig und fahre Karussell. Action im Bild _und_ mit der Kamera schreckt mich eher ab. Aber ich ge's zu: ich bin auch keine 16 mehr. Ansonsten habe ich mich schon auf Facebook über den neuen Bourne-Streifen ausgelassen. Mir sind die Anleihen bei alten Bond-Filmen u.ä. einfach zu offensichtlich. Der überragende Mr. Renner konnte das durch seine Schauspielkunst leider nicht retten, was das Drehbuch verpatzt hat.
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  • Sonntag, 16.09.2012 – 14:49 Uhr
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Zur Person
  • Getty Images
    Jeremy Renner, Jahrgang 1971, gilt als einer der kommenden Top-Stars von Hollywood. Der im kalifornischen Modesto geborene Schauspieler erhielt Oscar-Nominierungen für seine Hauptrolle in Kathryn Bigelows Bombenentschärfer-Thriller "The Hurt Locker" (2009) und für seine Nebenrolle in Ben Afflecks Boston-Drama "The Town" (2010). Seinen Durchbruch erlebte Renner 2002 mit seiner Darstellung des Serienkillers Jeffrey Dahmer in "Dahmer", zehn Jahre später spielt er in gleich drei Blockbuster-Produktionen eine tragende Rolle: neben Tom Cruise in "Mission: Impossible: Ghost Protocol", als Comic-Held Hawkeye in "The Avengers" und als Nachfolger von Matt Damon als Hauptdarsteller der Bourne-Reihe. Renner, der Action-Stunts oft selbst absolviert, kann Körperlichkeit und Charakter gleichermaßen überzeugend darstellen und wird oft mit Siebziger-Jahre-Stars wie Steve McQueen und Charles Bronson verglichen. Demnächst ist er mit dem Märchen-Thriller "Hansel And Gretel: Witch Hunters" im Kino zu sehen.





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