Trickfilm-Großmeister: Ray Harryhausen gestorben

Pionier der Animation: Die Erfolge des Trickfilmgenies Harryhausen Fotos
Getty Images

Er baute seine Modelle selbst und filmte sie Schritt für Schritt ab. Ohne Ray Harryhausens Einfluss hätte es "Star Wars" wohl nicht gegeben - sagte einmal George Lucas. Nun ist der Altmeister der Stop-Motion-Animation mit 92 Jahren gestorben.

Los Angeles - Mit 13 Jahren ging Ray Harryhausen am Hollywood Boulevard ins Kino und sah einen Film, der sein Leben bestimmen sollte: Willis O'Briens Drama "King Kong". Der Film über einen Riesenaffen, der New York zerstört, begeisterte den Jungen dermaßen, dass er fortan sein Leben animierten Filmen widmete.

Zuhause bastele er die "King Kong"-Figuren nach, besorgte sich Fachmagazine, filmte mit einer 16-mm-Kamera einen selbstgebastelten Stop-Motion-Saurier. Irgendwann griff er zum Telefonbuch und wählte die Nummer des Trickfilmers und "King Kong"-Schöpfers Willis O'Brien. Beide wohnten in L.A., beide waren besessen von Animationsfilmen - also trafen sie sich.

Als Harryhausen 29 Jahre alt war, arbeiteten sie schließlich für den Film "Mighty Joe Young" zusammen. O'Briens Karriere endete mit diesem Film, weil er an den Kassen floppte. Doch Harryhausen startete als günstiges Ein-Mann-Unternehmen durch: Er baute seine Modelle in Handarbeit und filmte sie nach einer aufwendigen Methode Schritt für Schritt ab, bis sich eine Sequenz ergab.

Er animierte Monster für Klassiker wie "Sindbads siebente Reise" (1958), "Jason und die Argonauten" (1962) und "Kampf der Titanen" (1980). Er konnte grotesken Figuren wie feuerspeienden Drachen, wütenden Zyklopen, kämpfenden Skeletten mit viel Phantasie eine Seele einhauchen, einen Charakter geben. Der Pionier der Trickfilmkunst verstand es, sie für Hollywoods animierte Filme lebendig zu machen. "Some people gotta dance, I got to animate!", sagte er einmal in einem Interview.

Harryhausen wurde am 29. Juni 1920 in Los Angeles als Sohn deutscher Einwanderer geboren. Seine Eltern unterstützten ihn stets auf dem Weg zu seinem Traumberuf.

Filmemacher wie Steven Spielberg, George Lucas, James Cameron, Tim Burton, Peter Jackson, John Lasseter, Nick Park und Robert Zemeckis bewundern die Arbeit von Harryhausen und bezeichnen sich selbst als "Harryhausianer". Lucas hat einmal gesagt, ohne den Einfluss Harryhausens auf die Filmemacherei hätte es wohl kein "Star Wars" gegeben. Harryhausen selbst bezeichnet sich als verbindendes Element, als "connecting link" in der Geschichte der animierten Filme.

Im Jahr 1992 erhielt Harryhausen einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Mit seiner Frau Diana lebte er viele Jahre lang in Großbritannien. Im Jahr 2010 stiftete er seine komplette Sammlung mit mehr als 20.000 Objekten - darunter zahlreiche Modelle - dem National Media Museum in Bradford.

"Das Geniale an Harryhausen war, dass er seine Modelle zum Leben erwecken konnte", hieß es in einer Stellungnahme der "Ray and Diana Harryhausen"-Stiftung. "Ob prähistorische Dinosaurier oder mythologische Kreaturen, in Rays Händen waren sie keine Puppen mehr, sondern eigene Charaktere."

Wie die Familie des Kaliforniers mitteilte, starb der Tricktechniker am Dienstag in London. Er wurde 92 Jahre alt.

kha/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Rest In Frames
praesidente 08.05.2013
R.I.F. Ray Harryhausen und danke für die Inspiration und epischen Filmmomente meiner Kindheit.
2. R.I.P. Ray Harryhausen
Demokrator2007 08.05.2013
Ich habe mit ihm mal im Filmkunst 66 in Berlin anläßlich des Films "Kampf der Titanen" gesprochen. Unglaublich was diese Stop-Motion-Technik für Arbeit war. Jede Bewegung wurde einzeln fotografiert, heute macht sowas der Computer.
3. ... heute macht sowas der computer.
rroseselavie 08.05.2013
.. achso, und das ist dann keine arbeit mehr? und was macht tim burton? gute filme sind immer viel arbeit. ob vor oder hinter der kamera, ob vor, während oder nach dem dreh. klar war harryhausen cool, er hat aber auch ganz grauenhafte märchenfilme gedreht.
4. Titel heißt jetzt Überschrift? Auch nicht besser...
wyborne72 08.05.2013
R.I.P. Ray. Der arme Bubo ist jetzt eine Waise... :-*( http://www.youtube.com/watch?v=rzKhqt5IRnM
5. Ein Denkmal schon zu Lebzeiten
Quotenschwabe 08.05.2013
Sein Freund, der Schriftsteller Ray Bradbury, hat ihm schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Die Figur Roy Holdstrom in seinem Roman »A Graveyard for Lunatics« (dt. »Friedhof für Verrückte«) ist Harryhausen gewidmet. Und auch seine Kurzgeschichte »Tyrannosaurus Rex« ist unverkennbar von Harryhausen und seiner Arbeit inspiriert.
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