Es nimmt kein Ende. Marvel feiert mit seinem Allstar-Ensemble "The Avengers" Kassenrekorde und belebt seine "Spider-Man"-Kinofranchise neu, Konkurrent DC tritt mit "The Dark Knight Rises" an und hat mit Zack Snyders Superman-Neustart "Man Of Steel" (2013) und dem geplanten "Justice League of America"-Spektakel bereits die nächsten Blockbuster in petto: Comic-Figuren erobern Hollywood. Die Fan-Basis minimiert dabei das Flop-Risiko, die Studios sind also gerne bereit, aufwendige Spezialeffekte für millionenschwere Produktionen zu bezahlen - auch, um einen Shitstorm in den Comic-Foren zu verhindern.
Trotzdem heißt es auch in diesem Genre: auf Nummer sicher. Düstere, ambitionierte Verfilmungen wie Christopher Nolans "Batman"-Trilogie oder die hervorragende TV-Serie zum Zombie-Comic "The Walking Dead" sind selten. Stattdessen werden Fortsetzungen angeschoben. In den kommenden zwei Jahren wird es einen dritten "Iron-Man"-Film ebenso geben wie eine weitere "Wolverine"-Episode und einen zweiten Teil der "Green Lantern"-Saga (den nun wirklich niemand braucht!). Auch die "Avengers" Hawkeye und Ant-Man werden eigene Filme bekommen, wenn es gut läuft sogar die Black Widow. Fortsetzungen zu "Captain America" und "Thor" sind bereits angekündigt. Auch "Kick-Ass 2" ist in Planung - und natürlich wird es "The Amazing Spider-Man 2" geben.
Immer dieselben Helden? Wie ermüdend. Dabei bietet das Comic-Universum doch so viele andere spannende, gebrochene oder durchgeknallte Charaktere, die sich für Verfilmungen bestens eignen. Zum Beispiel: ein paar Traumfrauen.
Wonder Woman: Feminismus-Ikone und Super-Amazone
Warum sie? Wonder Woman ist die berühmteste Superheldin des Comic-Universums und die erste Frau, die überhaupt im männlichen Hero-Club mitspielen durfte. Erfunden hat sie 1941 der Psychologe und Feminist Dr. William Moulton Marston. Seitdem ist sie, neben ihren DC-Comics-Kollegen Batman und Superman kontinuierlich in Serie. In den Siebzigern erkor die Frauenbewegung sie zur Symbolfigur. Wird Zeit, dass sie die gute Sache auch auf der Leinwand vertritt!
Was kann sie? Wonder Woman, oder Prinzessin Diana von Themyscira, stammt direkt von der griechischen Göttin Aphrodite ab. Die erschuf einst, so will es die Origin-Story, die Amazonen Südamerikas aus Lehm, um Frauen stärker als Männer zu machen. Faktisch ist Wonder Woman also mindestens so mächtig wie Superman.
Wann kommt sie? Wonder Woman hatte bereits ihre eigene Cartoon- und TV-Serie (Lynda Carter wurde durch sie berühmt), aber ein Kinofilm landet immer wieder in Hollywoods Sackgassen. Da Warner Bros. aber demnächst die "Justice League of America" ins Kino bringen will, DCs Antwort auf Marvels "Avengers", zu der auch Wonder Woman gehört, rückt eine Verfilmung in greifbare Nähe. Im Juni hieß es, "Green Lantern"-Drehbuchautor Michael Goldenberg sei mit einem Skript beauftragt worden. Fehlt nur noch die richtige Hauptdarstellerin
Vampirella: Gutmütige Blutsaugerin mit Sex-Appeal
Warum sie? Naja, Vampire erfreuen sich derzeit in der Popkultur bekanntlich großer Beliebtheit, und Vampirella, 1969 von Archie Goodwin erdacht, ist eine der Ikonen des Genres. Vor kurzem hat sie der US-Verlag Dynamite Entertainment mit einer blutigen Heftserie erfolgreich zu neuem Leben erweckt. Perfekt für eine angemessen puritanische Hollywood-Verfilmung: Anders als "normale" Vampire muss Vampirella kein Blut trinken, verträgt Knoblauch und Sonnenlicht - und spaziert in einem scharfen Nichts aus rotem Latex herum.
Was kann sie? Außer sich fast unverhüllt zeigen? Mit übermenschlichen Kräften böse Vampire jagen! Denn die Lady ist eine Gute; egal, ob sie nun eine in der Hölle zur Blutsaugerin mutierte Tochter der biblischen Lilith oder vom Planeten Drakulon eingeflogen (da variieren die Origins) ist.
Wann kommt sie? 1996 gab es bereits eine Direct-to-Video-Verfilmung des berüchtigten New Yorker Trash-Regisseurs Jim Wynorski mit Talia Soto in der Hauptrolle. Die war so schlecht, dass sich Hollywood wohl noch immer von dem Schock erholen muss. Der Erfolg der neuen Comic-Serie könnte jedoch bald zu neuen Filmplänen führen, wenn der Vampir-Trend anhält.
Catwoman: Einmal noch, Selina!
Warum sie? Jaja, wissen wir, gab's schon, sogar mehrfach! Aber: Anne Hathaway spielt die katzenartige Juwelendiebin und Batman-Gegenspielerin in "The Dark Knight Rises" so sexy, verletzlich und amoralisch, dass wir dringend mehr von ihr sehen wollen als die paar kurzen Auftritte, die Christopher Nolan ihr in seinem dritten Batman-Film gönnt.
Was kann sie? 1940 von Batman-Schöpfer Bob Kane mit Jean Harlow als Vorbild erdacht, sieht Catwoman Selina Kyle vor allem gut aus, schlägt die Kulleraugen mit gespielter Unschuld auf und fährt im richtigen Moment die Krallen aus. Dabei ist Catwoman eine durchtriebene Meisterdiebin und verfügt über jede Menge cooler Waffen und Geräte, darunter eine fesche Peitsche und einen "Cat-illac" als Gefährt.
Wann kommt sie? Catwoman war früher auf Leinwand und Mattscheibe fast überpräsent: Neben zahlreichen Cartoon-Inkarnationen spielte Julie Newmar die Schurkin in der berühmten Batman-Fernsehserie von 1966; Michelle Pfeiffer gab Selina Kyle sehr unterkühlt in Tim Burtons "Batman Returns" (1992); Halle Berry schlüpfte 2004 für den bisher einzigen (und leider missglückten) Catwoman-Film in den hautengen Latex-Dress. Anne Hathaway gab unlängst zu Protokoll, dass sie sich eine Hauptrolle als Catwoman vorstellen könne. Aber nur, wenn Nolan auch beteiligt sei.
Y - The Last Man: Einziger Mann in einer Welt voller Frauen
Warum er? Na gut, hier steht ein männlicher Held im Vordergrund. Aber in Wahrheit sind die Frauenfiguren, ob Furie, Feministin oder gute Fee, hier die Hauptpersonen: Brian K. Vaughans episch-apokalyptische Comic-Saga "Y - The Last Man" (2002 bis 2008 als Heftserie bei Vertigo) ist einer der besten und klügsten Comics des vergangenen Jahrzehnts. Yorick, ein stinknormaler New Yorker Nichtsnutz, der sich als Zauberkünstler durchschlägt, findet sich nach einer Epidemie als letzter Mann auf Erden wieder - und muss auf einer abenteuerlichen Odyssee erleben, dass Frauen alleine auch nicht viel besser klarkommen. Sein Sidekick ist das freche Kapuzineräffchen Ampersand.
Was kann er? Nichts. Außer überleben, nachdem alle anderen Männer an einem rätselhaften Virus verendet sind. Dadurch wird das Leben für ihn denkbar stressig: Überdrehte Feminismus-Amazonen wollen ihn umbringen, der Rest hat es auf seine Potenz abgesehen. Yoricks Verlobte ist in Australien verschollen, aber an seiner Seite kämpft die enigmatische Agentin 355.
Wann kommt er? 2007 gab es bereits große Pläne: Regisseur D.J. Caruso ("Disturbia") wollte einen Dreiteiler aus dem epischen Stoff machen; Shia LaBeouf ("Transformers") sollte Yorick spielen, lehnte dann aber ab. Ebenso wie Caruso, nachdem New Line Cinema sich auf nur einen Film beschränken wollte. Seit März ist das Projekt beim "Herr der Ringe"-Studio wieder aktuell, unter anderem mit Autor David S. Goyer ("Blade", "Batman Begins") als Produzent.
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