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"Verblendung"-Star Rooney Mara: "Lisbeth war nackt - nicht ich"

Vom Blondchen zum Punk: Schauspielerin Rooney Mara ist die Sensation in David Finchers Thriller "Verblendung". Im Interview spricht sie über schauspielerische Grenzsituationen, Vergewaltigungsszenen und gepiercte Brustwarzen.

Filmstar Rooney Mara: Alles, aber nicht prüde Fotos
AP

SPIEGEL ONLINE: Für die Rolle der Lisbeth Salander standen in Hollywood Stars wie Scarlett Johansson, Natalie Portman und Keira Knightley Schlange. Sie haben alle ausgebootet. Wie fühlt sich das an?

Mara: Gut. Ich wollte die Rolle unbedingt haben. Ich habe sie bekommen. Und das war einzig und allein die Entscheidung von Regisseur David Fincher. Er hat es mir nicht leicht gemacht - ich habe wochenlang dafür vorgesprochen. Immer und immer wieder. Irgendwann habe ich David gefragt: 'Was mache ich falsch?' Und er darauf: 'Nichts! Halte einfach durch!' Nachdem er mich in "The Social Network" als Mark Zuckerbergs Ex-Freundin besetzt hatte, die sehr kontaktfreudig und eloquent auftrat, konnte er sich lange nicht vorstellen, dass ich auch wortkarg und sehr introvertiert sein kann, wie Lisbeth eben ist.

SPIEGEL ONLINE: Vom strahlenden All-American-Girl mit blonder Haarmähne zum autistischen Punk mit schwarzem Iro-Haarschnitt ist es ja auch ein ziemlich weiter Weg - oder nicht?

Mara: Aber ich bin doch Schauspielerin! Ich kann mich verwandeln, transformieren. Und obwohl ich privat aus einer wohlbehüteten und wohlhabenden Familie komme, kann ich mich mit Lisbeth identifizieren. Ihr Sinn für Gerechtigkeit und ihre Kompromisslosigkeit sind mir durchaus nahe.

SPIEGEL ONLINE: Die Rolle ist sexuell sehr freizügig angelegt. Für amerikanische Verhältnisse geradezu schockierend freizügig. Keine Angst um Ihr Image?

Mara: Nein. David hat mich zwar darauf hingewiesen, dass diese Rolle mein Leben als Schauspielerin total verändern könnte - und nicht nur im Positiven. Aber für mich war das kein Problem. Ich halte ausgelebte Sexualität für sehr wesentlich im Leben eines Menschen. Außerdem bin ich nicht prüde.

SPIEGEL ONLINE: Das ursprüngliche, sehr provokante Filmposter, das Sie oben ohne mit gepierceter Brustwarze zeigt, wurde allerdings schnell zurückgezogen…

Mara: ...aber nicht auf meinen Wunsch. Zugegeben, meine Agentin war ganz froh darüber. Aber das war wohl eine gemeinsame Entscheidung des Filmstudios und David Finchers.

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"Verblendung": Schweden in Schwarzweiß
SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich akribisch auf die Rolle vorbereitet. Was war schwerer: sich die Brustwarze piercen zu lassen oder sich mit Autisten zu treffen?

Mara: Die Piercings waren einfach - zwei Finger breit Whiskey und los ging's. Alles andere war harte Arbeit. Die Rolle hat mich vor allem auch physisch ziemlich mitgenommen. Ich musste ja immer extrem dünn aussehen - und bleiben. Außerdem musste ich sehr blass sein. Das hieß also: keine Schokolade in den Drehpausen und kein Sonnenlicht. Außerdem war es beim Dreh in Schweden oft bitterkalt. Man musste den Dreh ein paar Mal unterbrechen, weil ich vor Kälte wie Espenlaub gezittert habe.

SPIEGEL ONLINE: Klingt nach einem Fest für einen Method-Actor, was Sie aber nicht sind.

Mara: Stimmt. Ich hatte nicht eine einzige Schauspielstunde. Ich habe mir alles beigebracht, während ich vor der Kamera stand. Und, um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin nicht Lisbeth Salander. Ich spiele sie nur. Das allerdings mit Leib und Seele. Nach Drehschluss war ich wieder die ganz normale Rooney. Obwohl Daniel meinte, dass ich auch privat alles andere als normal bin.

SPIEGEL ONLINE: Wollten Sie schon als Teenager Schauspielerin werden?

Mara: Nein, überhaupt nicht. Ich habe sogar angefangen, Psychologie zu studieren, bin dann aber über meine ältere Schwester Kate, die Schauspielerin ist, ganz zufällig beim Film gelandet.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Vorbilder?

Mara: Eigentlich nicht. Authentizität ist mir sehr wichtig. Natürlich habe ich mir bei der Vorbereitung auf "Verblendung" auch die Original-"Millennium-Trilogie" angeschaut. Und ich muss sagen, dass Noomi Rapace ganz hervorragend gespielt hat. Trotzdem war ich immer davon überzeugt, dass ich für meine Lisbeth-Version ganz eigene und unverbrauchte Aspekte herausarbeiten kann.

SPIEGEL ONLINE: Was geht einem durch den Kopf, wenn auf dem Drehplan steht: "Heute: Anale Vergewaltigung"?

Mara: Gar nichts. Auf so etwas kann man sich nicht vorbereiten. Es geschieht beim Drehen immer etwas Unvorhergesehenes, worauf man spontan reagieren muss. Das Einzige, was hilft, ist Vertrauen in den Regisseur, den Filmpartner, das Skript. Und das war hier gegeben. Und so komisch das vielleicht klingt: Mein Piercing und die Tattoos - die übrigens nicht echt sind - haben mir sehr dabei geholfen, dass ich mich auch bei den Sexszenen nie wirklich entblößt gefühlt habe. Lisbeth war nackt - nicht ich.

SPIEGEL ONLINE: Von kleineren Rollen in Filmen wie "Nightmare on Elm Street" und "Freunde mit gewissen Vorzügen" zum neuen Hollywood-Hotshot - und das alles in nur 24 Monaten. Wird Ihnen da nicht schwindlig?

Mara: Ich sehe den Dingen gelassen entgegen. Ich neige nicht zur Hysterie. Man wird sehen, was übrig bleibt, wenn sich die Aufregung um "Verblendung" gelegt hat. Man wird sehen, ob wir auch die beiden anderen Teile der "Millennium"-Trilogie drehen können.

SPIEGEL ONLINE: Und wie laden Sie nach so anstrengenden Dreharbeiten Ihre Batterien wieder auf?

Mara: Ich hole ein bisschen Schlaf nach. Aber ehrlich gesagt steh' ich eigentlich immer unter Strom. Im Nichtstun bin ich nicht sehr gut.

SPIEGEL ONLINE: Was sagt denn Ihr Freund Charlie McDowell (der Sohn des "Clockwork Orange"-Schauspielers Malcolm McDowell) zu Ihrem Karrieresprung?

Mara: Der freut sich mit mir. Er ist ja selbst als Regisseur im Filmbusiness tätig. Allerdings waren die langen Trennungsphasen während des "Verblendung"-Drehs schon eine Herausforderung für unsere Beziehung. Aber wir haben sie gemeistert. Vor kurzem haben wir unser gemeinsames Zuhause in Beverly Hills bezogen.

SPIEGEL ONLINE: Verraten Sie uns zum Schluss doch noch, wie Sie David Fincher letztlich davon überzeugen konnten, dass Sie - und nur Sie! - die Richtige für die Rolle der Lisbeth Salander sind.

Mara: Es war, wie gesagt, ein langer und sehr enervierender Casting-Prozess. David hat sehr gefallen, wie ich mich bewegt habe, so katzenartig, wie er meinte. Und dass ich willens war, alles zu riskieren. Eines Tages habe ich zu ihm gesagt: 'Lisbeth ist keine Wunde. Sie ist eine Narbe!' Da hat er still vor sich hin gelächelt. Vielleicht gab ja das den Ausschlag.

Das Interview führte Ulrich Lössl

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1. Erstaunlich
rennflosse 12.01.2012
Erstaunlich, dass eine Schauspielerin einen Journalisten erst davon überzeugen muss, dass sie als Schauspielerin ihre Rollen spielt. Jornalisten neigen dazu, Schauspieler mit der Rolle zu verschmelzen und sind dann enttäuscht, wenn der Schauspieler mal eine ganz andere Rolle spielt. Das ist fast wie enttäuschte Liebe. Deshalb wird ein guter Schauspieler auch bestrebt sein, in immer neuen anderen Rollen sein Können zu zeigen und sich nie in einer einzigen Rolle / Serie verheizen lassen.
2.
frubi 12.01.2012
Zitat von sysopVom Blondchen zum Punk: Schauspielerin Rooney Mara ist die Sensation in David Finchers Thriller "Verblendung". Im Interview spricht sie*über schauspielerische Grenzsituationen, Vergewaltigungsszenen und gepiercte Brustwarzen. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,808329,00.html
Ich hab erst jetzt (während der aktuellen Austrahlung vom ZDF) die ersten beiden Teile der Triologie gesehen und kann mir nicht vorstellen, dass die AMi-Fassung in Europa finanziell efolgreich wird. Wer geht denn dann noch ins Kino? Zudem hat mir Rapace extrem überzeugt und ich sehe daher keinen Grund, nochmal 7+x € auszugeben, nur um die selbe Story nochmals zu sehen.
3. Journalisten/Kritiker und die Objekte der 'Begierde'
alterknacker 12.01.2012
Zitat von rennflosseErstaunlich, dass eine Schauspielerin einen Journalisten erst davon überzeugen muss, dass sie als Schauspielerin ihre Rollen spielt. Jornalisten neigen dazu, Schauspieler mit der Rolle zu verschmelzen und sind dann enttäuscht, wenn der Schauspieler mal eine ganz andere Rolle spielt. Das ist fast wie enttäuschte Liebe. Deshalb wird ein guter Schauspieler auch bestrebt sein, in immer neuen anderen Rollen sein Können zu zeigen und sich nie in einer einzigen Rolle / Serie verheizen lassen.
Wenn ich solche Interviews lese, interessieren mich eigentlich nur die Antworten, fast nie die Fragen, denn die Fragesteller sind nun mal im Beruf der Darsteller nie besonders bewandert, sonst hätten sie ja selbst diesen Beruf ergriffen. Als ehemaliger Kameramann weiss ich um die besonderen Schwierigkeiten bei einer Darstellung und ich kenne genug Regisseure, die alles aus Darstellern heraus holen können und darum ist der letzte Satz in diesem Interview auch die Quintessenz und der Rest nur schmückendes Beiwerk.
4. Zustimmung
Wolfes74 12.01.2012
Zitat von frubiIch hab erst jetzt (während der aktuellen Austrahlung vom ZDF) die ersten beiden Teile der Triologie gesehen und kann mir nicht vorstellen, dass die AMi-Fassung in Europa finanziell efolgreich wird. Wer geht denn dann noch ins Kino? Zudem hat mir Rapace extrem überzeugt und ich sehe daher keinen Grund, nochmal 7+x € auszugeben, nur um die selbe Story nochmals zu sehen.
Jenau eine fast 1:1 Kopie bloß mit anderen Darstellern. Es ist fast so als ob das Original einfach nur digital bearbeitet/umgestaltet wurde. Und die Vorlage ist gerade mal 3 Jahre alt. Aber letztendlich ist es halt auch nur der Versuch aus einer guten Vorlage (Bücher) einen kommerziellen Erfolg zu machen. Und dazu bedarf es nun mal eines Craig (statt eines Rolf Åke Mikael Nyqvis - kann ja kein Mensch aussprechen) und noch ein paar anderer Hollywoodgrößen. Das einzig Gute an/in diesem Film ist das relativ neue Gesicht (Rooney Mara) am Filmhimmel.
5. Remake...
DEWI60 12.01.2012
Zitat von Wolfes74Jenau eine fast 1:1 Kopie bloß mit anderen Darstellern. Es ist fast so als ob das Original einfach nur digital bearbeitet/umgestaltet wurde. Und die Vorlage ist gerade mal 3 Jahre alt. Aber letztendlich ist es halt auch nur der Versuch aus einer guten Vorlage (Bücher) einen kommerziellen Erfolg zu machen. Und dazu bedarf es nun mal eines Craig (statt eines Rolf Åke Mikael Nyqvis - kann ja kein Mensch aussprechen) und noch ein paar anderer Hollywoodgrößen. Das einzig Gute an/in diesem Film ist das relativ neue Gesicht (Rooney Mara) am Filmhimmel.
der Amis und dann auch noch so schlecht (wenn ich mir die Ausschnitte ansehe). Das Original ist definitv besser. US-Schauspieler sind nicht besser als europäische und nur weil ich keine schwedisch kann (jag talar tyska!) werde ich mir dieses Remake nicht ansehen und noch einmal Geld ausgeben.
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Zur Person
  • dapd
    Rooney Mara, geboren 1985 in Bedford, New York, kam über das Fernsehen zum Kino: Ab 2005 übernahm sie Gastrollen in TV-Serien wie "Emergency Room" oder "Law & Order".

    Ihre erste große Kinorolle spielte sie 2010 in dem Remake des Horrorklassikers "A Nightmare on Elm Street". Anschließend besetzte sie Star-Regisseur David Fincher in seinem Drama "The Social Network" - und schließlich in seiner Stieg-Larsson-Verfilmung "Verblendung". Für diesen Auftritt wurde sie für den Golden Globe 2012 nominiert.

    Momentan bereitet Rooney Mara ihre Rolle in "Lawless" vor, dem neuen Projekt von Terrence Malick, wo sie an der Seite von Ryan Gosling, Cate Blanchett und Christian Bale zu sehen sein wird.




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