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"Verbotszirkus": Cruise blitzt auch bei Berliner Polizei ab

Erst der Bendlerblock, jetzt ein Polizeigelände in Kreuzberg: Berlin macht es Tom Cruise nicht leicht. Der Hollywood-Star darf die Örtlichkeiten nicht für seinen Resistance-Thriller "Valkyrie" nutzen. Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck wütet in der "FAZ" gegen den deutschen Kleingeist.

Berlin - Tom Cruise, 44, darf nicht bei der Berliner Polizei drehen. Das Polizeipräsidium erteilte der Babelsberger Produktionsfirma für die Dreharbeiten auf dem Polizeigelände an der Kreuzberger Friesenstraße eine Absage, bestätigte ein Polizeisprecher einen Bericht der "Berliner Zeitung". "Die Berliner Polizei hat diesen Antrag intensiv geprüft und musste im Ergebnis feststellen, dass die Beeinträchtigungen für die auf dem Gelände tätigen Dienststellen so gravierend wären, dass wir diesen Antrag nicht befürworten können", sagte Polizeisprecher Frank Millert der Zeitung.

Schauspieler Cruise (am 28. Juni auf der Kino-Expo in Holland): Unbeliebt in Berlin
DPA

Schauspieler Cruise (am 28. Juni auf der Kino-Expo in Holland): Unbeliebt in Berlin

Cruise, der mit "Valkyrie" einen Film über den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg plant, bekam bereits für den Bendlerblock in Berlin-Tiergarten eine Absage. Dort plante Stauffenberg sein Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Das Bundesfinanzministerium begründete die Absage damit, dass, "dieser Ort der Erinnerung und der Trauer an Würde verlieren würde, wenn wir ihn als Filmkulisse instrumentalisieren", sagte Sprecher Torsten Albig.

Dahinter steht jedoch ganz offensichtlich ein tiefes Misstrauen gegen die Religion Cruises, der zu den bekanntesten Sprachrohren der Sekte Scientology gehört. Während Scientologen in den USA eine gesellschaftlich anerkannte religiöse Minderheit stellen, wird die Organisation in Deutschland unter anderem wegen zweifelhafter Behandlung abtrünniger Mitglieder vom Verfassungsschutz beobachtet. Vor allem die Sektenexpertin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Antje Blumenthal, glaubt sich offenbar berufen, über das Ansehen des deutschen Widerstands und einer Hollywood-Produktion zu entscheiden. "Die Drehgenehmigung für den ranghohen Scientologen in einem Bundesgebäude wäre einer bundespolitischen Anerkennung der Sekte gleichgekommen", lobte sie in der vergangenen Woche das Bendlerblock-Verbot durch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung.

Besonderes moralisches Gewicht erhält die Haltung Blumenthals durch die Aussage des Stauffenberg-Sohns Berthold, 72, der Cruise am liebsten gar nicht erst in der Rolle seines berühmten Ahnen sehen möchte: "Es ist mir unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe meinen Vater spielt."

Die Posse um die Dreharbeiten könnte dem für Hollywood immer attraktiver werdenden Filmstandort Berlin einen herben Rückschlag versetzen, denn die amerikanische Presse reagierte mit Verwunderung auf die deutsche Hysterie: "Wie könnte man besser an die Nazi-Zeit erinnern als dadurch, dass man einen Mann wegen seines Glaubens an seiner Arbeit behindert", ätzte zum Beispiel die "Philadelphia Daily News".

Auch der deutsche Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen") kritisierte den "Verbotszirkus" um die Drehgenehmigungen für Cruise in Berlin. "Waren uns Stauffenberg und Konsorten nach dem Krieg noch undeutsche Vaterlandsverräter, so ist uns heute selbst der größte Star der Siegernation nicht gut genug, unseren Übermenschen Stauffenberg zu spielen, wenn dieser Star in seinen persönlichen Überzeugungen nicht ganz auf dem gegenwärtigen Kurs Deutschlands liegt", schrieb von Donnersmarck in einem heute veröffentlichten Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Cruise werde mit seiner Rolle als Stauffenberg "das Ansehen Deutschlands mehr befördern als es zehn Fußball-Weltmeisterschaften hätten tun können".

bor/dpa

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