Filmpionier Georges Méliès Verloren geglaubter Stummfilm entdeckt

Georges Méliès war ein Magier des frühen Kinos und drehte Hunderte von Kurzfilmen. Einer von ihnen wurde nun im staatlichen Filmarchiv in Tschechien wiederentdeckt.

Georges Méliès: "Reise zum Mond"
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Georges Méliès: "Reise zum Mond"


Georges Méliès drehte zwischen 1897 und 1913 über 500 Filme, von denen 200 erhalten sind. Jetzt ist ein weiterer dazugekommen. Eine französische Filmrestauratorin entdeckte den zweiminütigen Stummfilm "Match de Prestidigitation" im staatlichen tschechischen Filmarchiv.

Über ihren Fund berichtetet Jeanne Pommeau Radio Prag: "So etwas passiert nur einmal im Leben. Es war ein Wunder, ein wirklich großer Moment, diesen kleinen Film zu entdecken." Sie entdeckte ihn auf einer Filmrolle, die dem Archiv von einem anonymen Spender übergeben worden war und die den Titel eines anderen Filmes von Georges Méliès trug.

Pommeau war schnell klar, dass es sich nicht um "Les Transmutations Imperceptibles" handeln konnte: "Dieser Film von 1904 ist ziemlich bekannt, aber die Bilder, die ich auf der Rolle sah, passten nicht zu dem Titel", so Pommeau. Anhand von Katalogrecherche und dem Abgleich mit Drehbüchern von verlorenen Méliès-Filmen konnte sie dann zweifelsfrei nachweisen, dass es sich um "Match de Prestidigitation" handelt.

Darin zeigt Méliès einen Zauberer, der sich verdoppelt und mit seinem Doppelgänger Tricks vorführt, bevor ihre Körper sich wieder vereinigen. Der Film wird nun zuerst in einem Kino in Prag vorgeführt.

Georges Méliès ist ein früher Filmpionier, ohne dessen Arbeiten die Entstehung des Spielfilms undenkbar ist. Die Erfinder des Cinematographen, die Gebrüder Lumière, sahen in den laufenden Bildern eher eine Möglichkeit, Zeitgeschichte zu filmen oder nachzustellen. Auch Méliès drehte solche Vorläufer der Filmdokumentation, aber für ihn war Film vor allem eine Möglichkeit, andere Welten zu erschaffen.

Er errichtete in der Nähe von Paris eines der ersten Filmstudios der Welt und erfand sein "Kino der Attraktionen". Seine Filme zeigten Feen und Zauberer oder lehnten sich an Science-Fiction an. Sein heute bekanntester Film ist die Jules-Verne-Verfilmung "Die Reise zum Mond" von 1902. Méliès wird die Erfindung des Stopptricks zugesprochen, die in vielen seiner Filme Verwendung findet - auch in "Match de Prestidigitation".

Glück brachte die Filmerei Méliès allerdings nicht: 1913 verlor er sein gesamtes Vermögen und musste viele seiner Werke als Rohmaterial an die Schuhindustrie verkaufen. Erst Ende der Zwanzigerjahre wurde sein Werk wiederentdeckt.

kae

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insgesamt 2 Beiträge
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Onkel Uwe 12.10.2016
1. Fehlender Verweis
Ich hätte mich gefreut, wenn in diesem Bezug auf den Film Hugo Cabret verwiesen worden wäre, der die Wiederentdeckung von Méliès Werk als zentrales Thema hat.
Ossifriese 12.10.2016
2. Auflösung
"...1913 verlor er sein gesamtes Vermögen und musste viele seiner Werke als Rohmaterial an die Schuhindustrie verkaufen. ..." An die "Schuhindustrie"? Was hat die damit gemacht? Das Zelluloid wieder aufgelöst und in Sohlen verwandelt? Versteh ich nicht...
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