"Unsere Mütter, unsere Väter" in den USA "Fünf Stunden Selbstmitleid"

In Deutschland sorgte das Weltkriegs-Epos "Unsere Mütter, unsere Väter" für Traumquoten. Nun läuft die ZDF-Produktion in US-amerikanischen Kinos an und erntet teilweise harsche Kritiken. Die "New York Times" zieht sogar Parallelen zu Propagandafilmen aus der Nazizeit.

Szene aus "Unsere Mütter, unsere Väter": Panik im Schützengraben
ZDF/David Slama

Szene aus "Unsere Mütter, unsere Väter": Panik im Schützengraben


Hamburg - Eine Krankenschwester leidet beim Freiwilligeneinsatz an der Ostfront, ein junger Leutnant hadert mit dem Krieg im Russlandfeldzug, ein deutscher Jude kämpft im Berlin des Dritten Reichs ums Überleben. In der ZDF-Miniserie "Unsere Mütter, unsere Väter" begleitete Regisseur Philipp Kadelbach die Schicksale junger Deutscher im Zweiten Weltkrieg - Hollywood-Ästhetik und -Dramaturgie inklusive. Bei der Ausstrahlung der drei Folgen im ZDF im vergangenen März schalteten bis zu 7,6 Millionen Zuschauer ein.

Am Mittwoch läuft die insgesamt fünfstündige ZDF-Produktion unter dem Namen "Generation War" in amerikanischen Arthouse-Kinos an - und erntete schon vor dem Start vor allem wegen seiner Haltung zu Tätern und Opfern des NS-Regimes teils vernichtende Kritiken.

"Ein sehr fragwürdiges Geschichtsdrama", schrieb die "New York Times" in ihrer Rezension. "Das Übel der Nazis wird nicht abgestritten, aber nur einigen überzeichnet sadistischen SS- und Gestapo-Kommandeuren zugeschrieben, die fast genauso grausam zu Deutschen wie zu Juden und Russen sind." Wie in einem Propagandafilm von 1943 würden die Intellektuellen und Juden für ihre Schwäche und Naivität bestraft, während der Film die selbstaufopfernden "Arier" - obwohl nicht ohne Schuld - als Helden feiere.

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Ähnlich scharfe Kritik zum Umgang mit der Schuldfrage äußerte auch die Unterhaltungsseite "A.V. Club" , die den Film "auf perverse Art optimistisch" nannte und ihm vorwarf, seine Protagonisten von ideologischer Verantwortung oder Schuldfähigkeit freizusprechen. Die Serie biete "fünf Stunden Selbstmitleid für die Jugend des Dritten Reichs". Die Botschaft an die junge Generation von Deutschen laute: "Ja, eure Großeltern mögen Nazis gewesen sein. Aber vielleicht waren sie auch so nett wie die Leute in dem Film."

Positiv äußerte sich hingegen NPR, das renommierte Netzwerk amerikanischer Radiosender: "Auf bewundernswerte Art zeigt der Film, dass totalitäre Systeme alles korrumpieren, auch individuelle Verantwortung."

Schon zur Ausstrahlung in Deutschland hatte "Unsere Mütter, unsere Väter" international Kontroversen ausgelöst. So warf der russische TV-Moderator Alexej Puschkow dem ZDF vor, die Verbrechen der Wehrmacht in Russland zu verharmlosen. Polnische Medien kritisierten vor allem, dass die polnischen Partisanen fast ausnahmslos als antisemitisch dargestellt würden.

In diesem Jahr soll "Unsere Mütter, unsere Väter" auch im britischen Fernsehen ausgestrahlt werden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
mkalus 15.01.2014
1. optional
---Zitat--- Die Botschaft an die junge Generation von Deutschen laute: "Ja, eure Großeltern mögen Nazis gewesen sein. Aber vielleicht waren sie auch so nett wie die Leute in dem Film." ---Zitatende--- Tja, das ist natuerlich sehr unangenehm wenn man u. U. feststellen muss das das Boese eben nicht so einfach zu identifizieren ist.
Rickie 15.01.2014
2. Botschaft
"Ja, eure Großeltern mögen Nazis gewesen sein. Aber vielleicht waren sie auch so nett wie die Leute in dem Film." - Tja. Die Amis können sich offenbar nicht vorstellen, dass genau das Fakt ist. Obendrein: Nicht nur können sie Nazis gewesen sein oder eben auch nette Leute. Sie können soger Nazis UND nette Leute gewesen sein, gleichzeitig. Aber es ist halt schwer, wenn alles plötzlich nicht mehr so klar ist. Und nebenbei ist es natürlich auch schlecht für den Rest der Welt, wenn den Deutschen so allmählich das schlechte Dauergewissen abhanden kommt. Für meine Tochter ist das Kriegsende so lang her wie für mich der Anfang des ersten Weltkriegs, mithin das Kaiserreich. Nein, ich fühle in keiner Weise Verantwortung für den Beginn des ersten Weltkriegs. Entspechend wenig Verantwortung dürfte meine Tochter für die Untaten der Nazis empfingen.
vrdeutschland 15.01.2014
3. Natürlich
wird sofort umgesetzt... Natürlich darf aus der Nazi-Zeit nur solche Filme geben, wo JEDER Deutsche in den Staub sinken muß. Und selbstverständlich ist auch die Kritik aus Polen IN VOLLEM MAßE gerechtfertigt, dass unter den Widerstandskämpfern etwa Antisemitismus vorherrschte. Um Gottes Willen:NUR, und zwar NUR die Deutschen waren Teufel, jegliche - auch nur ansatzweise zu sehende- Sympathie muß in den Filmen vermieden werden... Es hat einfach keinen Sinne mehr...
karmapapa 15.01.2014
4.
Zitat von sysopZDF/David SlamaIn Deutschland sorgte das Weltkriegs-Epos "Unsere Mütter, unsere Väter" für Traumquoten. Nun läuft die ZDF-Produktion in US-amerikanischen Kinos an und erntet teilweise harsche Kritiken. Die "New York Times" zieht sogar Parallelen zu Propaganda-Filmen aus der Nazizeit. Vernichtende Kritiken für "Unsere Mütter, unsere Väter" in den USA - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/vernichtende-kritiken-fuer-unsere-muetter-unsere-vaeter-in-den-usa-a-943743.html)
Da kritisieren gerade die Richtigen! Aus dem Land wo fast jeder Film Propaganda ist...! Der Film zeigt doch nur das es in jedem Land so hätte passieren können, und es überall gute und böse Menschen gibt. Das können die Amis wohl nicht ertragen und hätten wohl lieber den "Generalschuldigen"-Deutschen.
ruebenkatze 15.01.2014
5. Sowohl berechtigt als auch bedenklich
Zitat von sysopZDF/David SlamaIn Deutschland sorgte das Weltkriegs-Epos "Unsere Mütter, unsere Väter" für Traumquoten. Nun läuft die ZDF-Produktion in US-amerikanischen Kinos an und erntet teilweise harsche Kritiken. Die "New York Times" zieht sogar Parallelen zu Propaganda-Filmen aus der Nazizeit. Vernichtende Kritiken für "Unsere Mütter, unsere Väter" in den USA - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/kino/vernichtende-kritiken-fuer-unsere-muetter-unsere-vaeter-in-den-usa-a-943743.html)
Inhaltlich ist die Kritik durchaus nachvollziehbar. Bedenklich wäre allerdings, wenn die gleichen Rezensenten den tonnenweisen Nationalismuskitsch "alliierter" Fimschaffender im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg wohlwollend begleiten. Die Alternative "plumpe Schwarzweissmalerei" ist eine schlechtere. Aber es gibt durchaus bessere, zumal aus jüngerer Zeit.
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