"Verrückt, künstlich, dumm" US-Kritik vernichtet Donnersmarck-Film

"Euro-Chic-Bagatelle", "wie abgestandener Prosecco": Die Filmkritiker der USA haben das neue Werk des deutschen Oscar-Preisträgers Florian Henckel von Donnersmarck "The Tourist" einmütig abgewatscht. Der Film mache keinen Spaß, urteilt das "Wall Street Journal".

"Riecht komisch": Die US-Kritik kann Donnersmarcks Film "The Tourist" nicht leiden.
Kinowelt

"Riecht komisch": Die US-Kritik kann Donnersmarcks Film "The Tourist" nicht leiden.


Schlechte Kritiken für den ersten Hollywood-Film des deutschen Oscar-Preisträgers Florian Henckel von Donnersmarck: Die Mehrzahl der amerikanischen Top-Kritiker konnten dem romantischen Thriller "The Tourist" wenig abgewinnen. Das renommierte Branchenblatt "Variety" tut den Streifen als "Euro-Chic-Bagatelle" ab. "Wie ein schöner maßgeschneiderter Anzug, der schon nach wenigen Minuten komisch riecht", resümiert der "Variety"-Filmkritiker Justin Chang.

Der "Hollywood Reporter" befindet, zwischen dem Filmpaar Angelina Jolie und Johnny Depp gäbe es "null Chemie". Von ihrer ersten Begegnung an sei klar, dass es zwischen den Stars nicht funkt und dass das ganze Unterfangen "verrückt, künstlich und dumm" sei. Das Urteil ist vernichtend: "Mit seinem aufgedunsenen und schüchternen Aussehen hat Depp noch nie zuvor in seiner gesamten Filmkarriere so wenig bewirkt." Der Film würde wie ein erstklassiger Champagner beworben - schmecke aber in Wahrheit wie abgestandener Prosecco.

"The Tourist" ist Donnersmarcks erster Film seit seinem Oscar für das Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" vor vier Jahren. Erstmals stehen die beiden Superstars Jolie und Depp darin gemeinsam vor der Kamera, sie als verführerische Agentin, er als amerikanischer Tourist in Venedig.

Die "Los Angeles Times" beginnt ihre Rezension folgendermaßen: "Irgendwann in 'The Tourist' wendet sich Johnny Depp Angelina Jolie zu und fragt: 'Warum geschieht all das?' Eine Frage, die sich die Kinobesucher auch stellen werden." Das "Wall Street Journal" warnt seine Leser: "Diese jämmerlich verpfuschte Mystery-Abenteuer-Thriller-Gauner-Romanze-Komödie, oder was immer es sein sollte, macht kein bisschen Spaß."

"Variety" spricht Donnersmarck immerhin eine "saubere" Bildsprache und eine "wohltuende Abneigung" gegen hektische, schnelle Schnitte zu. Zudem habe Venedig selten zuvor so gut auf der Leinwand ausgesehen. In den USA läuft der Film an diesem Wochenende an. Der Film kommt in Deutschland am 16. Dezember in die Kinos.

twi/dpa

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