Claire Foy in "Verschwörung" Lisbeth Impossible

"The Crown"-Star Claire Foy schlüpft als dritte Darstellerin in die Rolle der Lisbeth Salander. In "Verschwörung" wird aus der rachedurstigen Hackerin nun eine Action-Heldin. Kann das gut gehen?

Sony Pictures

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Patty Jenkins' Film "Wonder Woman" von 2017 gilt als kommerzieller Durchbruch für Superheldinnen. Tatsächlich hat das Kino schon seit Langem eine Superheldin, die für Keile und Kasse sorgt: Lisbeth Salander.

Fast zehn Jahre ist es her, dass die schwedische Verfilmung von "Verblendung", dem ersten Teil der Millenniumstrilogie, mit Noomi Rapace in der Hauptrolle startete. In dieser Woche läuft nun bereits das zweite Reboot der Figur mit der dritten Darstellerin an. Nach Rapace und Rooney Mara ist diesmal Claire Foy ("The Crown") als schwedische Hackerin mit traumatischer Kindheit zu sehen.

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"Verschwörung": Salander und ihre Handlanger

Die andauernde Neuerfindung und Neubesetzung hat Salander mit Spider-Man und Hulk gemeinsam, ansonsten mag der Superhelden-Vergleich womöglich nicht sofort einleuchten. Zu sehr hatte sie Stieg Larsson, Autor der ursprünglichen Buchtrilogie, in die gesellschaftliche Realität ihres Heimatlandes eingebunden und mit einer politischen Agenda ausgestattet. "Männer, die Frauen hassen" hieß die Buchvorlage zu "Verblendung" im schwedischen Original.

Das Übermenschliche und das Allzumenschliche

Gesellschaftspolitische Einbettung und Agenda sucht man in "Verschwörung", dem neuen Kinofilm, nun vergebens. Für den thematischen Großputz hatte bereits David Lagercrantz, der die Bücher seines verstorbenen Freunds Larsson seit 2015 weiterschreibt und von dem auch "Verschwörung" stammt, gesorgt. Nach der ersten Szene seiner Kinoadaption kippt Regisseur Fede Alvarez nun filmischen Chlor hinterher: Danach ist jede Spur von Salanders feministischem Furor ausgelöscht.

Zurück bleibt eine Frau in schwarzer Lederkleidung, die Bombenanschläge überlebt, es mit organisiertem Verbrechen und konkurrierenden Geheimdiensten aufnimmt sowie furios Motorrad fährt und natürlich sensationell hackt. Ob einem das passt, ist mehr Geschmacks- denn Logikfrage, denn schon in ihrer ursprünglichen Skizzierung lagen bei Salander das Übermenschliche und das Allzumenschliche dicht beieinander. Salander war queer, nicht nur was ihre Sexualität, sondern auch was ihre Verankerung in verschiedenen Imaginationen betraf; sie war als lustvolle Rächerin ihrer eigenen Traumata sowohl Männer- als auch Frauenfantasie.


"Verschwörung"
Originaltitel: "The Girl in the Spider's Web"
UK/D/SV/CAN/USA 2018

Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Fede Alvarez, Jay Basu, Steven Knight nach dem Roman von David Lagercrantz
Darsteller: Claire Foy, Lakeith Stanfield, Stephen Merchant, Sylvia Hoeks, Sverrir Gudnason, Vicky Krieps
Produktion: MGM, New Regency et al.
Verleih: Sony Pictures
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 22. November 2018


Mit viel gutem Willen könnte man nun sagen, dass Alvarez der Queerness der Figur treu bleibt: Einerseits ballert und brettert Salander nun wie auf einer "Mission Impossible" durchs winterliche Schweden, andererseits wird sie von Claire Foy so verletzlich und nahbar wie noch nie gespielt. Wie schon in ihrer Durchbruchsrolle als Queen Elizabeth II oder zuletzt in "Aufbruch zum Mond" schafft es Foy, in ihren Figuren eine Gewöhnlichkeit zum Ausdruck zu bringen, die sie ankert und glaubwürdig macht.

Für so viel Nuancen kriegt Foy als einzige Darstellerin genug Raum von Drehbuch (Alvarez zusammen mit Jay Basu und Steven Knight) und Regie zugestanden. Der Rest des Ensembles ist zwar von "The Square"-Star Claes Bang bis "Phantom Thread"-Sensation Vicky Krieps hervorragend besetzt, steht aber als erzählerische Deko so hübsch wie nutzlos herum.

Von wegen kalt erwischt

Sogar für Mikael Blomqvist, Salanders partner in crime und Bett, hat der Film keine echte Verwendung mehr. Er ist nur noch einer von vielen Handlangern, die Lisbeth bei ihrem Kampf gegen die Spinnen, ein internationales Verbrechernetzwerk, in das ihre Familie verstrickt zu sein scheint, behilflich sind. Weil zu diesem Kampf noch der gegen zwei Geheimdienste, den schwedischen und den amerikanischen, kommt, kann Salander diese Hilfe allerdings gut gebrauchen.

Die vielen Action-Szenen - die meisten, die die Filmreihe jemals aufzuweisen hatte - inszeniert Alvarez ("Don't Breathe") mit fließender Dynamik. Bei den zahlreichen Twists, die "Verschwörung" zusätzlich auffährt, fehlen Bildgestaltung und Schnitt jedoch die Präzision. Details werden nicht richtig ins Bild gefasst, Perspektivwechsel nicht klug montiert. Überraschungen und Enthüllungen laufen deshalb mehr nebenher, als dass sie einen kalt erwischen.

Im Video: Der Trailer zu "Verschwörung"

Sony Pictures

Leidlich unterhalten, wenn auch emotional unbeteiligt schaut man so dem Ende von "Verschwörung" entgegen und fragt sich, ob es dieses Reboot wirklich gebraucht hätte. Womit Lisbeth Salander endgültig zu den Superhelden von Marvel und DC aufgeschlossen hat.

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