Verwirrung um Stauffenberg-Bild Falsche Fälschungsvorwürfe gegen "Valkyrie"

Die Produzenten des Films "Valkyrie" sollen ein Foto von Claus Schenk Graf von Stauffenberg verändert haben, damit er Hauptdarsteller Tom Cruise ähnlicher sieht. Das behauptete Slate.com - und übersah, dass ein ganz anderes Foto als Grundlage für das Publicity-Bild diente. Auch SPIEGEL ONLINE griff das Thema auf.


Auf dem Promotionfoto für den Historienfilm "Valkyrie" wirken Tom Cruise und Claus Schenk Graf von Stauffenberg beinahe wie eineiige Zwillinge: Bei beiden senkt sich der Nasenrücken auf die gleiche Art nach unten, identisch verschließen sich ihre Lippen, das Kinn von Cruise wölbt sich gleich dem von Stauffenberg leicht nach vorne. Der US-Schauspieler und der deutsche Widerstandskämpfer, den er verkörpern soll, sehen sich frappierend ähnlich.

Kein Wunder, denn die Ähnlichkeit zwischen Original und Darsteller soll per Bildmanipulation hergestellt worden sein - das jedenfalls behauptete das Internet-Magazin Slate.com am 17. Juni und präsentierte unter der Überschrift "Tom Cruise Mystery" eine Geschichte, die schlüssig darlegte, wie ein historisches, von der Agentur AP verbreitetes Foto Stauffenbergs manipuliert worden sein könnte, damit es dem Hollywood-Star ähnelt.

Fälschlich kritisierte Bilder von Stauffenberg, Cruise: Frappierende Ähnlichkeit
REUTERS

Fälschlich kritisierte Bilder von Stauffenberg, Cruise: Frappierende Ähnlichkeit

Das Schwarzweißwerbefoto mit den beiden Profilansichten hatte die "Valkyrie"-Produktionsfirma United Artists schon vor Monaten in der Öffentlichkeit präsentiert. Slate.com warf der von Cruise und Paula Wagner geleiteten Filmfirma vor, Stauffenbergs Kopf verschmälert und dessen Nase, Mund und Kinn denen von Cruise angeglichen zu haben. Grafiker der Redaktion wurden als Experten hinzugezogen. Ein perfider Fälschungsversuch eines skrupellosen Hollywood-Konzerns?

Eher ein Fall von unzulänglicher Presserecherche, wie sich im Laufe der letzten Tage herausstellte: Die Slate-Redakteure waren davon ausgegangen, dass United Artists das AP-Profilbild Stauffenbergs als Grundlage für ihr Publicity-Foto genommen hatten, dabei handelte es sich laut Aussage der Firma um ein ganz anderes Bild des Deutschen, das in den Archiven der Agentur Getty zu finden war und nun einmal Tom Cruise ähnlicher sah, als es auf anderen Bildern der Fall gewesen wäre. "Wir haben nicht die Recherche betrieben, die wir hätten betreiben müssen", entschuldigte sich Slate-Chefredakteur David Plotz gegenüber AP; auf der Web-Seite wurde eine Korrektur veröffentlicht.

Das Getty-Bild, das United Artists (UA) verwendete, stammt laut AP aus dem Jahre 1943 und ist Teil des renommierten Hulton-Archivs. "Wir wissen nicht genau, woher UA die Fotografie hat, aber es ist klar, dass es im Getty-Archiv eine Version des Fotos gibt, das sie benutzt haben", sagte Plotz gegenüber AP.

Auch SPIEGEL ONLINE griff die Slate-Geschichte am vergangenen Freitag auf und ließ einen SPIEGEL-Dokumentar einen Blick auf die vermeintliche Manipulation werfen. Auch unser Urteil lautete zunächst: "Das ist eindeutig eine Bildfälschung." Doch auch SPIEGEL ONLINE irrte, da, wie sich nun herausstellte, ein ganz anderes Foto als Grundlage für das Werbebild gedient hatte.

"Valkyrie", gedreht von "X-Men"-Regisseur Bryan Singer, soll nach mehrfacher Verschiebung des Starttermins erst im Frühjahr 2009 in die Kinos kommen. Allein die Tatsache, dass Tom Cruise den Hitler-Attentäter verkörpern wird, galt vielen Deutschen bereits als Affront. Stauffenberg-Sohn Berthold, 72, erklärte den Schauspieler für unwürdig: "Es ist mir unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe meinen Vater spielt", sagte er im vergangenen Juli.

bor



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