Französische Komödie "Victoria" Vicky und die schwachen Männer

"Victoria - Männer & andere Missgeschicke" ist eine clevere französische Komödie, in der die Titelheldin nicht alles haben muss, aber alles sein darf - überforderte Karrierefrau genauso wie liebende Rabenmutter.

Alamode

Die Heldin dieses Films lebt, bei allem feministischen Respekt, nach dem Charmekonzept: ein Trampel zum Verlieben. Victoria (Virginie Efira) arbeitet als Anwältin, hat zwei wohlstandsverwahrloste kleine Töchter zu Hause und stiefelt in stets zu kurzen Röcken eher burschikos als elegant durch die Welt. Sie spricht in den unpassendsten Momenten ihre Gedanken aus, palavert mit Dichtern, Richtern und feinsinnigen Drogendealern und lässt sich zuverlässig mit den falschen Männern ein. Nebenbei schluckt sie Tabletten und raucht und flucht wie eine Bierkutscherin.

Die Regisseurin Justine Triet ist Jahrgang 1978 und gilt in Frankreich als größere Regiebegabung. Vor ein paar Jahren gelang ihr in der Heimat mit der Medien- und Familienkomödie "La Bataille de Solferino", die am Tag einer französischen Präsidentenwahl spielt, ein in Deutschland weitgehend ignorierter Hit. Auch Triets zweiter langer Spielfilm "Victoria" war in Frankreich ein Erfolg. Beim Filmfestival in Cannes eröffnete er vergangenes Jahr die traditionsreiche Nebenreihe "Semaine de la critique", in Deutschland kommt er jetzt unter dem Gruseltitel "Victoria - Männer & andere Missgeschicke" in die Kinos.

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"Victoria": Die französische Cousine von Bridget Jones

Vermutlich will der deutsche Verleih damit krumm auf Woody Allens "Verbrechen und andere Kleinigkeiten" verweisen - und tatsächlich spielt die komische und sehr anrührende belgische Schauspielerin Virginie Efira ("Elle") hier eine Figur, die eine Woody-Allen-Enkelin sein könnte, nebenbei allerdings auch eine französische Cousine von Bridget Jones.

Triets Film ist ein cleveres, wenn auch nicht allzu subtiles Spiel mit den Erzählformeln der romantischen Komödie. Ihre Heldin sagt von sich selbst, sie sei "von Vollidioten umgeben", stolpert durch eine Lebenskrise und trifft dabei, natürlich ohne es sofort zu begreifen, genau jenen Menschen, der möglicherweise ihre Rettung bringt. Die Komik des Films entsteht aus den lustigen Inkonsequenzen des Alltags, die hier fröhlich ausgebreitet werden.

So konsultiert Victoria, um ihr Leben in den Griff zu kriegen, regelmäßig einen Psychotherapeuten, aber auch eine afrikanischstämmige Wahrsagerin. Mit ihren Kindern kann sie bei aller Liebe kaum etwas anfangen. Und wenn sie sich einen Kerl zum Vögeln in ihr Schlafzimmer bestellt, während nebenan ein Babysitter ihre Töchter bespaßt, dann findet sie kein Vergnügen am Sex, aber Lebensweisheiten der Sorte: "Wir wünschen uns doch alle einen Notausgang - irgendwie."


"Victoria - Männer & andere Missgeschicke"
Frankreich 2016
Regie:
Justine Triet
Drehbuch: Justine Triet, Thomas Lévy-Lasne
Darsteller: Virginie Efira, Vincent Lacoste, Melvil Poupaud, Laurent Poitrenaux, Laure Calamy, Alice Daquet, Julie Moulier, Elsa Wolliaston
Produktion: Ecce Films
Verleih: Alamode Film
Länge: 96 Minuten
FSK: 12 Jahre
Start: 4. Mai 2017


In existenzielle Not gerät die Heldin von "Victoria", weil sie Beruf und Privatleben vermengt. Einer ihrer Freunde (Melvil Poupaud) führt bei einer Party mit seiner Geliebten einen grotesken Balztanz auf und wird dann von ebendieser Geliebten beschuldigt, ihr unmittelbar danach ein Messer in den Bauch gestoßen zu haben. Victoria übernimmt die Verteidigung des Mannes und wird bald vor die Anwaltskammer zitiert, weil sie angeblich gegen die juristische Berufsethik verstoßen hat.

Besonders übel setzt der Heldin ihr Ex-Gatte zu - der Kerl (Laurent Poitrenaux) ist ein Waschlappen, hält sich für einen Schriftsteller und berichtet in einem ziemlich erfolgreichen Blog gehässig über die Fälle und Affären seiner Ex-Frau.

Die Schwäche dieser Geschlechterkampf-Komödie ist Triets Begeisterung für absurde Wendungen. Die Idee, dass hier mehrere Tiere als Zeugen vor Gericht auftreten dürfen (genau gesagt: ein Hund und ein Schimpanse), wurde in einer sehr französischen Humorhölle geboren. Die Stärke des Films ist sein ziemlich demoliertes und möglicherweise gar nicht unrealistisches Frauenbild. Virginie Efira spielt eine gründlich überforderte Karrierefrau, eine liebende Rabenmutter, eine Akademikerin mit irrationalen Neigungen, die unter großen Strapazen lernt, mit ihrer Einsamkeit und ihren Widersprüchen zurechtzukommen.

Und weil Efira eine hinreißende Schauspielerin ist, die sich der Idiotie um sie herum tapfer entgegenstellt, ist es trotz des affigen Klamauks ein großes Vergnügen, ihr bei diesem Kampf zuzusehen.

Im Video: Der Trailer zu "Victoria - Männer & andere Missgeschicke"

Alamode
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insgesamt 2 Beiträge
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MartinBuchbaum 04.05.2017
1. Frau will alles können aber nichts müssen - Mädels es wird Zeit erwachsen zu werden
Die starke Frau, die alles sein will, alles dürfen will, alles können will aber nichts müssen. Es wird Zeit, dass Frauen Verantwortung übernehmen für ihr Leben, ihre Entscheidungen, dass sie erwachsen werden! Wie sieht die Realtiät aus nach 60 Jahren Emanzipation? Nur 40% der Frauen sind vollzeit berufstätig. Ein drittel der Frauen ist nicht berufstätig etwa 30% arbeiten teilzeit. Der Beruf dient nur der Selbstverwirklichung, aber natürlich muss die Bezahlung so gut sein wie bei vollzeit berufstätigen Männern (über 85%), die zudem die meisten Überstunden die ganze Schwerstarbeit und gefählichen Arbeiten machen. Und natürlich möchte Frau die Führungsposition, wenn sie aus Elternzeit und Teilzeit zurück kommt. Der Mann, der bisher vollzeit gearbeitet hat ist ja so schwach, der Idiot, den kann man sehr einfach übergehen, der findet das möglicherweise sogar gerecht, eine öffentliche Stimme hat er ohnehin nicht. Sonst würde so ein sexistisches Zeug wie diese 'Kömmödie' auch nicht produziert. Der Mann wieder einmal der Trottel, Nichtsnutz, aggresiv, bestenfalls zu Sex zu gebrauchen. 70% der Frauen erwarten heute noch von ihren Männern, dass sie in der Lage sind, die Familie auch allein wirtschaftlich zu versorgen. Nur 1/3 der Frauen erwartet das von sich selbst. All der Rethorik zu Trotz. Die Emanzipation scheitert an den Frauen, die sich nur selbstverwirklichen wollen, aber keine Pflichten übernehmen, nicht einmal für ihr Leben und ihre eignen Entscheidungen. Für das Lebensnotwendige zu sorgen, das Leben der Frau und der Familie abzusichern, der Frau den Egotrip zu ermöglichen, dafür sind die Männer zuständig. Die sich dafür in solchen Komödien anhören können wie schwach sie sind und was für erbärmliche Menschen, wenn man sie noch Menschen nennen darf. Männer müssen immer nur funktionieren, Frau und Familie versorgen, Haus Auto ein schönes Leben, bezahlen, sozialen Status sichern, sich bechimpfen, abwerten und verspotten lassen, damit sich Frau gut und überlegen fühlt. Das ist nicht nur sexistisch, es ist auch für Frauen kontraproduktiv, weil Frauen so nie ernst genommen werden. Mädels Zeit erwachsen zu werden! Da können Frauen noch so stark dargestellt werden, als Karrierefrau und Powerfrau, aber sie übernehmen keine Verantwortung. Sie sind das erste Kind, für das ein Mann sorgen muss.
ansteinmann 21.05.2017
2. Chance vertan
Leider ein sehr schwacher Film ohne Charme und Charisma, bei dem ich mich frage, was er eigentlich will und welche Botschaft transportiert werden soll. Verschenkte 97 Minuten im Kino! Keine stringenten Handlungsstränge, keine ausgeleuchteten Charaktere - stattdessen nur skurrile und alberne Gags aus der Tierwelt. Richtig: Das Ganze ein einziges Affentheater!
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