Tommy Lee Jones im Video-Interview: "Ich bin ein Zauberer"

Er ist ein grandioser Schauspieler und wortkarger Journalistenschreck: Im Video-Interview spricht Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones über seine Kunst, jede Art von Charakter spielen zu können, und rezitiert ein Gedicht seines Lieblingsschriftstellers T.S. Eliot.

SPIEGEL ONLINE

Tommy Lee Jones, 66, ist einer der besten Schauspieler seiner Generation. Das Problem ist nur: Er redet nicht gerne darüber. Der Texaner, der in Harvard mit Al Gore englische Literatur studierte und auf seiner Ranch in San Saba Polo-Pferde und Rinder züchtet, redet generell nicht gerne. Schon gar nicht über Privates.

Der Oscar-Preisträger (für seine Nebenrolle als verbissener Marshall in "Auf der Flucht", 1993) stellte sich trotzdem vor laufender Kamera den SPIEGEL-ONLINE-Redakteuren Andreas Borcholte und Thorsten Dörting, um über seinen neuen Film "Wie beim ersten Mal" zu sprechen. In der romantischen Komödie von David Frankel, die am Donnerstag in die Kinos kommt, spielen er und Filmpartnerin Meryl Streep ein in die Jahre gekommenes Ehepaar, das mit Hilfe eines Ehetherapeuten versucht, ihre Beziehung zu retten.

Jones verlangt die Rolle des in sich zurückgezogenen, sexuell verklemmten Ehemanns Arnold Soames, der in den Therapiestunden Höllenqualen leidet, einiges ab. Selten zuvor sah man den Darsteller harter Kerle und knorriger Polizisten (u.a. in "No Country For Old Men") mit so viel Gefühl agieren. Die Rolle habe aber, sagte Jones SPIEGEL ONLINE in gewohnter Defensivhaltung, "nichts mit mir persönlich zu tun, aber ich sah etwas Originelles und Reizvolles darin. Er ist ein Alltagstyp mit einer alltäglichen Anzahl an Problemen." Außerdem, so Jones, war der Film eine willkommene Gelegenheit für ihn, erstmals mit Meryl Streep zu arbeiten. "Das war unwiderstehlich", so Jones.

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Jones sprach auch über seine Abneigung gegen Regisseure, die nicht wissen, was sie wollen: "Schwache Regisseure drehen schwache Filme, und ich sehe in meinem Job als Schauspieler die Verantwortung dafür, herauszufinden, was ein Regisseur sehen will, um dann alles für ihn zu tun, damit er es auch sehen kann. Wenn ein Regisseur verwirrt oder ängstlich ist, dann wird es sehr schwierig. Wenn er allerdings gar nicht weiß, was er will, dann befinden Sie sich komplett auf verlorenem Posten".

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Jones ist auch selbst als Filmemacher tätig, 2005 drehte er auf seinem Anwesen in Texas das Drama "The Three Burials of Melquiades Estrada". Die Arbeit als Regisseur sei auch von den Schauspielern abhängig, glaubt er. Ein Schauspieler sollte "nicht zu etwas aufgefordert werden, was er nicht kann. Es ist ähnlich wie bei der Dressur von Pferden: Sie müssen herausfinden, was sie machen können, was sie am besten können, und dann erleichtern Sie das für sie." Auf die Frage, wie er das herausfinde, antwortete Jones ungewohnt launig: "Ich bin ein Zauberer".

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Jones sprach außerdem über seine Vorliebe für Literatur, seine bevorzugten Reiseziele, sein Engagement als Werbeträger für japanische Kaffee-Drinks - und zitierte sogar noch eine ihm sehr wichtige Textstelle aus dem Großgedicht "The Waste Land" von T.S. Eliot. Eine kommentierte Faksimile-Ausgabe des Werks hatten die SPIEGEL-ONLINE-Redakteure Jones nachträglich zu dessen 66. Geburtstag am 15. September überreicht.

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