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Videogame-Verfilmung "Prince of Persia": Hüpf-Krieger mit Welpenblick

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Viel Akrobatik, wenig Ausstrahlung: Mit dem Film zum Videospiel "Prince of Persia" verspricht Erfolgsproduzent Bruckheimer großes Kino - doch jede Dynamik wird abgewürgt, ewige Wiederholungen nerven den Zuschauer. Und der edle Prinz wirkt wie ein Student beim Bodenturnen.

Wer braucht schon eine herkömmliche Literaturvorlage? Wenn er wollte, könnte Produzent Jerry Bruckheimer sicher auch einen Küchenmixer als Inspiration für den nächsten Blockbuster nutzen. Nachdem er mit "Pirates of the Carribean" ein angestaubtes Disney-Thema aufgriff, muss in diesem Jahr die Videospielreihe "Prince of Persia" herhalten.

Das Jump'n'Run-Game bringt immerhin alles mit, was Bruckheimers Ereigniskino verlangt: Einen etablierten Namen, globale Popularität, klar umrissene Figuren und das Potential für außergewöhnliche Schauwerte. Doch wie so oft bei vermeintlich sicherem Kalkül steckt das Problem im Detail. Dass es im Fall von "Prince of Persia: Der Sand der Zeit" ausgerechnet zu große Werktreue ist, die den Kassenerfolg schmälern könnte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Unter der Regie von Routinier Mike Newell ("Harry Potter und der Feuerkelch") beginnt das aufwendige Sandkistenabenteuer zunächst ganz nach Plan: Im Persien des sechsten Jahrhunderts herrscht der weise König Sharaman (Ronald Pickup) über ein ausgedehntes Reich. Sein Bruder Nizam (Ben Kingsley) und Sharamans Söhne planen einen Feldzug gegen die heilige Stadt Alamut, in der angeblich Waffen für einen Krieg gegen Persien gehortet werden. Mit von der Partie ist auch der junge Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal), ein ehemaliger Straßenjunge, den der König einst adoptierte.

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Videospiel-Verfilmung: Hier springt der "Prince of Persia"
Dastan ist es denn auch, der mit seinem athletischen Geschick die Festungsanlagen Alamuts überwindet und so dem persischen Herr den Sieg sichert. Doch die Freude über die Eroberung der Stadt und ihrer stolzen Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) währt nur kurz, da Sharaman durch einen Giftanschlag ums Leben kommt. Der Verdacht fällt auf Dastan, der daraufhin mitsamt der widerspenstigen Tamina im Schlepptau fliehen muss.

Beachtliche Parcoursläufe, aber keine Dynamik

Im Gepäck haben sie einen ungewöhnlichen Dolch aus Alamut, dessen gläserner Griff mit Sand gefüllt ist. Die Spieler im Publikum wissen längst um die besondere Bewandtnis, die Dastan erst entdecken wird: Die Waffe enthält den magischen Sand der Zeit, der, einmal freigesetzt, die Reise in die Vergangenheit erlaubt und so Ereignisse ungeschehen macht. Die antike Zeitmaschine birgt indes reichlich Gefahren und ist natürlich auch der Schlüssel zur Verschwörung am persischen Hof. Derweil gilt es bis zum Finale etliche Hindernisse zu überwinden, ob nun mysteriöse Meuchelmörder, geheime Tempel, giftige Schlangen, Wüstenstürme - oder was der orientalische Themenpark sonst noch zu bieten hat.

Dastan hüpft, rennt und kämpft sich mit derselben Ausdauer durch die levelartigen Szenen wie sein digitales Vorbild. Der fitte Prinz beherrscht fraglos viele spektakuläre Arm-Bein-Kombinationen, doch leider nur zwei Gesichtsausdrücke: Verwegene Entschlossenheitsmaske und plüschiger Welpenblick sind schon alles, was sich Jake Gyllenhaal als adliger Springinsfeld an Minenspiel gestattet. Damit hat er immerhin schon eine Mimikvariante mehr zu bieten als einst Angelina Jolie in der Rolle von Lara Croft, der Extremarchäologin aus der "Tomb Raider"-Spielewelt. Der agile "Prince of Persia" ist sowieso eng mit der zupackenden Hupfdohle Croft verwandt, wobei beide Gamestars auf der Leinwand unter dem Missverhältnis zwischen viel Akrobatik und wenig Ausstrahlung leiden.

Das ist bedauerlich, zumal Jake Gyllenhaal seit Jahren veritables Schauspieltalent beweist. Zwar hat sich der Charakterdarsteller aus Filmen wie "Brokeback Mountain" oder "Zodiac" nun einen imposanten Muskelbau antrainiert, und er ist auch beileibe keine fatale Fehlbesetzung. Nur erinnert er nicht selten an einen netten Studenten, der einen Leistungsnachweis im Bodenturnen erbringen muss, obwohl er viel lieber im Café ein besseres Buch als das Skript zu diesem Film lesen würde.

Mitreißende Dynamik will sich partout nicht einstellen

Gemma Artertons Prinzessin Tamina hat allerdings noch weniger Handlungsspielraum und zumeist rein dekorativen Charakter. Auch aufgrund ihrer passiven Rolle scheitern die halbherzigen Versuche, so etwas wie romantische Screwball-Komik zwischen dem designierten Paar zu erzeugen. Ebenso mau sind die Witze von Räuberscheich Amar - gespielt von Alfred Molina - geraten, der wohl für Humor bei der Rettung Persiens sorgen soll.

Bleiben also die Actionszenen. Doch trotz beachtlicher Raufereien und Parcoursläufe kommt das Geschehen nie so recht in Fahrt. Das ist nicht zuletzt der Nähe zum Spiel geschuldet: Wie dort nutzt Dastan auch im Film die Fähigkeit zum Zeitsprung, um tragische Geschichtsverläufe zu korrigieren - der Play-It-Again-Prinz. Die Wiederholung von Szenen ist am Computer Prinzip, schließlich werden Spieler für das Nochmal-Probieren bis zur Perfektion belohnt. Kino aber kennt kein interaktives Gameplay; hier geht die Idee des erneuten Anlaufs vielmehr auf Kosten der Erzählzeit, und auf die Nerven der Zuschauer. So ist ständig allerhand in Bewegung, allein eine mitreißende Dynamik der Ereignisse will sich partout nicht einstellen.

Darum ist zu bezweifeln, ob "Prince of Persia" tatsächlich in Konkurrenz mit anderen Filmreihen treten wird. Vermutlich wird er ein einmaliges Gastspiel bleiben.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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1. In den Sand gesetzt?
Meckermann 18.05.2010
SPON hat schon manchmal sehr seltsame Vorstellungen von Kinofilmen. Dass bei "PoP: Sands of Time" kein herausragendes Charakterkino zu erwarten ist sollte klar sein, will vermutlich auch keiner sehen, der da rein geht. Aber selbst wenn nur ein mittelmäßiger Actionfilm dabei herauskommt gehört der Streifen immer noch zu den besten Spielverfilmungen (richtige gute gibts da nämlich noch nicht). P.S. Sands of Time fürn PC gibts zusammen mit seinen 2 Nachfolgern in einer Schachtel für 5 € und das lohnt sich wirklich mal gespielt zu haben.
2. hm
Parwes 18.05.2010
Also ich habe mir die Kritik nicht angetan. Die Spiegelkritiker leben wohl in ihrer eigenen Traumwelt und vergessen dabei, dass es auch Menschen gibt, die wenig auf die Story/Handlung etc. achten, die viel mehr abends ins Kino gehen um unterhalten zu werden. Wenn ich mir ein Film wie diesen, oder Ironman 2, oder Transformers 2 oder ähnliches anschauen will, dann stelle ich mich von vorn herein darauf ein, dass der Film eben nicht in der intellektuellen Oberliga mitspielt. Wenn ich mir etwas anspruchsvolleres anschauen möchte, dann schaue mir sowas wie "Smart People" oder "Der Beweis" oder ähnliches an, die sind dann auch zum Gähnen ... Gott sei Dank gibt es genug andere "gute" Kritiker, die nicht gleich alles "so schlecht reden" ...
3. Was ist mit Uwe Boll?
olli² 18.05.2010
Zitat von MeckermannSPON hat schon manchmal sehr seltsame Vorstellungen von Kinofilmen. Dass bei "PoP: Sands of Time" kein herausragendes Charakterkino zu erwarten ist sollte klar sein, will vermutlich auch keiner sehen, der da rein geht. Aber selbst wenn nur ein mittelmäßiger Actionfilm dabei herauskommt gehört der Streifen immer noch zu den besten Spielverfilmungen (richtige gute gibts da nämlich noch nicht). P.S. Sands of Time fürn PC gibts zusammen mit seinen 2 Nachfolgern in einer Schachtel für 5 € und das lohnt sich wirklich mal gespielt zu haben.
Da haben Sie aber den in der Szene anerkannten (http://www.stopuweboll.org/) Regisseur Uwe "The Master of Error" Boll mit Meisterwerken wie "Alone in the Dark", "BloodRayne", "Postal" oder "Far Cry" vergessen :)
4. .
sinta, 18.05.2010
Zitat von sysopViel Akrobatik, wenig Ausstrahlung: Mit dem Film zum Videospiel "Prince of Persia" verspricht Erfolgsproduzent Bruckheimer großes Kino - doch jede Dynamik wird abgewürgt, ewige Wiederholungen nerven den Zuschauer. Und der edle Prinz wirkt wie ein Student beim Bodenturnen. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,695363,00.html
Lieber Autor, ist das denn bei den Spielen soviel anders? Was haben Sie denn erwartet - persisches Autorenkino? ;)
5. ...
vali.cp 18.05.2010
Zitat von ParwesAlso ich habe mir die Kritik nicht angetan. Die Spiegelkritiker leben wohl in ihrer eigenen Traumwelt und vergessen dabei, dass es auch Menschen gibt, die wenig auf die Story/Handlung etc. achten, die viel mehr abends ins Kino gehen um unterhalten zu werden. Wenn ich mir ein Film wie diesen, oder Ironman 2, oder Transformers 2 oder ähnliches anschauen will, dann stelle ich mich von vorn herein darauf ein, dass der Film eben nicht in der intellektuellen Oberliga mitspielt. Wenn ich mir etwas anspruchsvolleres anschauen möchte, dann schaue mir sowas wie "Smart People" oder "Der Beweis" oder ähnliches an, die sind dann auch zum Gähnen ... Gott sei Dank gibt es genug andere "gute" Kritiker, die nicht gleich alles "so schlecht reden" ...
Nunja, hier sprechen nunmal die wahren Experten. Wenn es um Games und Filme wissen spon Redakteure bescheid.
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