Highsmith-Verfilmung Kaputte Trickser in antiken Trümmern

Schönheit, Spannung, Melancholie: Das Psychodrama "Die zwei Gesichter des Januars" mit Viggo Mortensen und Kirsten Dunst erzählt in großartigen Bildern von drei Betrügern, die sich durch Griechenland tricksen.

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Selten sah Eifersucht so gut aus wie in diesem sonnendurchfluteten Film. Er erzählt von einer explosiven Dreiecksgeschichte zwischen zwei Männern und einer Frau, im Jahr 1962 in Athen und auf Kreta. Viggo Mortensen spielt einen leicht verwitterten, stets um Noblesse bemühten Gauner namens Chester McFarland auf Griechenland-Reise. Kirsten Dunst ist dessen nur scheinbar aufgekratzte junge blonde Gattin Colette. Und Oscar Isaac, vor kurzem noch der eitle Griesgram in "Inside Llewyn Davis", verkörpert den glutäugigen Athener Fremdenführer Rydal, der in den beiden auf den ersten Blick eine lohnende Beute erkennt.

Alle drei Helden sind Amerikaner. Alle drei spielen sie ein falsches Spiel mit ihren Mitmenschen. Alle drei werden sie gejagt von Dämonen.

"Die zwei Gesichter des Januars" ist die Verfilmung eines Romans der Kriminalschriftstellerin Patricia Highsmith, die 1995 starb. Viele ihrer Bücher wurden Filmvorlagen, Hitchcock machte aus "Der Fremde im Zug" einen Klassiker. Der Legende nach wurde ihr allerdings das Originalmanuskript von "The Two Faces of January" von einem ihrer Verleger zurückgeschickt. Seine Begründung: Ein gutes Buch vertrage durchaus zwei neurotische Helden. Drei offensichtlich schwer gestörte Hauptfiguren, sei nun leider eine zu viel.

Der Regiedebütant Hossein Amini, bekannt geworden als Drehbuchautor ("Drive"), scheint es denn auch als seine wichtigste Aufgabe zu begreifen, sein infernales Trio als drei ebenso leichtsinnige wie verzweifelte Kämpfer begreiflich zu machen. Schon wenn sich Rydal und das ungleiche Paar Chester und Colette im Parthenon über den Weg laufen, beginnt ein Spiel der verstohlenen Blicke, des Zorns und des jähen Begehrens.

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Highsmith-Verfilmung: Zorn und Begehren
Hinter dem adretten Schein ist der Schönling Rydal ein zynischer Tagedieb, Colette ein verzogenes Gör und der Gentleman Chester ein trostloser Betrüger, der auf der Flucht vor der amerikanischen Mafia ist. Als ihm ein Killer ins Hotelzimmer folgt, bringt Chester den Kerl um. Hals über Kopf und ohne Pässe flüchtet das Paar. Rydal aber hat den Abtransport der Leiche beobachtet und bietet sich als Fluchthelfer an. Man ist einander ausgeliefert auf Gedeih und Verderb.

Konzentriert und mit viel Sinn für die Atmosphäre des griechischen Sommers beobachtet der Regisseur Amini das Wechselspiel aus Hass und Hoffnung, das sich zwischen den drei Gefährten entspinnt, auf Busfahrten durch Kreta, auf Herbergssuche und auf Tempeltrümmertouren - und er schafft es, selbst den von Mortensen gespielten Verlierertypen für ein paar große Momente in eine anrührende Heldenfigur zu verwandeln.

In der vielleicht schönsten Szene des Films sieht man den angeknitterten Mann verkatert auf einer griechischen Hafenmole aufwachen, im Licht des frühen Morgens. Verwirrt, die geröteten Augen voller Angst, endgültig verlassen worden zu sein, blickt er sich um, erhebt sich taumelnd von seinem Nachtlager - und entdeckt dann seine Frau, ganz allein auf einer hölzernen Sitzbank auf dem Hafenkai schlummernd, dem Anschein nach unschuldig. Mit einer Geste, die sowohl Besitzerstolz als auch Zärtlichkeit offenbart, vor allem aber eine bodenlose Trauer, bedeckt er das bloße Knie der Schlafenden mit dem Rocksaum.

"Die zwei Gesichter des Januars" erhält sich das prekäre Gleichgewicht aus Schönheit, Spannung und Melancholie bis zum Schluss. Ein Film, der so altmodisch wie herausragend ist, bis zum letzten Bild.


"Die zwei Gesichter des Januars". Start: 29.5. Regie: Hossein Amini. Mit Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
DanielDüsentrieb 29.05.2014
1. wo bitte?
Ist das nicht Teil des Journalismus - die w´s abzuarbeiten? Also, wo bitte läuft der Film - im Kino, im Web oder im Fernsehen?
Bob Hund 29.05.2014
2.
Zitat von DanielDüsentriebIst das nicht Teil des Journalismus - die w´s abzuarbeiten? Also, wo bitte läuft der Film - im Kino, im Web oder im Fernsehen?
Steht unter der Rubrik "Nachrichten>Kultur>Kino>KulturSPIEGEL-Tageskarte Kino" also gehe ich mal ganz schwer davon aus, daß es im Kino läuft. Steht auch drunter: Start 29.05.
Hypnix 29.05.2014
3. Toller Film mit schalem Ende
Es mag ja an der Buchvorlage liegen, aber das abrupte und süßliche Happy End hat mir fast die Freude an dem Film verdorben.
barbierossa 29.05.2014
4. Dake für all die SPOILER
Mehr fällt mir gerade in der Verärgerung nicht ein.
erlenstein 29.05.2014
5. Happy
Zitat von HypnixEs mag ja an der Buchvorlage liegen, aber das abrupte und süßliche Happy End hat mir fast die Freude an dem Film verdorben.
Happy end? Welchen Film haben Sie gesehen?
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