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Von Pasolini bis Benigni: Kameramann Tonino Delli Colli gestorben

Die Filme Pier Paolo Pasolinis bekamen durch ihn ihren besonderen Look, Sergio Leone und Frederico Fellini vertrauten seiner Erfahrung: Tonino Delli Colli war einer der gefragtesten Kameramänner des italienischen Kinos. Jetzt ist der Künstler im Alter von 82 Jahren gestorben.

Kameramann Delli Colli: Stilbildend für das italienische Kino
AP

Kameramann Delli Colli: Stilbildend für das italienische Kino

Erst letztes Jahr starb sein Cousin und langjähriger Kollege Franco Delli Colli, der unter anderem mit Luchino Visconti zusammengearbeitet und bei dessen Klassiker "Der Leopard" (1962) hinter der Kamera gestanden hatte.

Jetzt ist Tonino Delli Colli gestorben, ebenfalls einer der großen Kameramänner des italienischen Films. Ohne seine Fotografie wäre Pier Paolo Pasolinis Werk kaum denkbar: Zwölfmal bediente er für den Regisseur von "Mamma Roma" (1964) und "Das Erste Evangelium Matthäus" (1964) die Kamera.

Glaubt man Pasolinis Biografen, Enzo Siciliano, war Delli Colli für Pasolini eine Art Lehrmeister. Seine markante Bildästhetik aus hart auf einander folgenden Totalen und Naheinstellungen habe Delli Colli mit kreiert. Der Kameramann selbst erklärte die Kooperation mit dem berühmten Kinorealisten als kongenial: "Bei der Arbeit war es dann so, als wären wir eine eigene Person."

Nicht nur für Pasolinis (1922 bis 1975), auch für Sergio Leones Ästhetik war Delli Colli maßgeblich. Zwar drehte er mit ihm nur dreimal, die Filme - "Zwei glorreiche Halunken (1966), "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968) und "Es war einmal in Amerika" (1984) - aber schrieben Kinogeschichte. Legendär ist der Einsatz von Farbe als dramaturgisches Mittel in "Es war einmal". Colli setzte in den diversen Zeitabschnitten des mehrere Generationen umfassenden Epos bestimmte Farbakzente: ein nostalgisches, ausgeblichenes Braun für die Jugend der Helden, gefolgt vom "härteren und zwielichtigen Kolorit des klassischen Gangsterdramas" ("Filmdienst").

Neben den Filmen der beiden italienischen Regiestars betreute der gebürtige Römer auch Produktionen von Louis Malle, Marco Ferrero und Frederico Fellini. Für den "Dolce Vita"-Regisseur schuf er in "Die Stimme des Mondes" (1990) einen schwebend-poetischen Bildstil.

Eine seiner letzten Arbeiten war Robert Benignis "Das Leben ist schön" (1997). Für den hoch gelobten Film, der erstmals in der Kinogeschichte das Grauen des Holocaust mit den Mitteln der Komödie aufarbeitete, erhielt der Regisseur Benigni 1998 einen Oscar in der Kategorie Bester ausländischer Film.

Mit Tonino Delli Colli verliert das europäische Kino einen seiner maßgeblichen Kreativen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet, starb er in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in Rom.

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