Romanze "W.E." von Madonna Zwei Herzen und keine Krone

Material Girl trifft Monarch: In "W.E." erzählt Madonna die Geschichte des britischen Königs Edward, der die Bürgerliche Wallis Simpson heiratete. Eine Kino-Schmonzette voller Gold und Glitter, bei der ein Detail außen vor bleibt: Hatte der Brite nicht was mit den Nazis?

Senator Film

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Alles hat seinen Preis. Besonders "die größte Liebesgeschichte des 20. Jahrhunderts", wie die Beziehung von König Edward VIII. zur bürgerlichen Amerikanerin Wallis Simpson immer wieder genannt wurde. Und so strebt in Madonnas Film über diese Romanze alles auf diese eine lange Szene beim Auktionshaus Sotheby's zu, wo 1998 die Besitztümer der Liebenden unter den Hammer kommen: Ein paar tausend Dollar werden für die Kristallgläser gezahlt, in die das Paar während ihrer rauschhaften Soirées in den dreißiger Jahren mit Amphetaminen versetzten Champagner gefüllt haben soll. Edwards Zigaretten-Etui von Cartier geht für eine fünfstellige Summe weg. Und der Schreibtisch, an dem der König 1936 seine Abdankungsrede für das Radio hielt, bringt es gar auf 400.000 Dollar.

Historische Bedeutung ist für Madonna also letztendlich eine Frage des Preises. Wer braucht schon ein Geschichtsbuch, wenn das berühmte New Yorker Auktionshaus Sotheby's das wirklich relevante Zahlenwerk liefert? Die Kaufsumme für jedes Accessoire aus dem Besitz von Wallis und Edward entscheidet über den Grad der historischen Strahlkraft - und das im Wortsinne: Kaum eine Szene in "W.E.", in der nicht irgendwo ein diamantenbesetztes Diadem oder ein paar Ohrringe im Close-up gezeigt werden. Da ist Madonna ganz das Material Girl geblieben, das sie schon am Anfang ihrer Karriere besang.

Passenderweise nimmt die Pop-Künstlerin in ihrer zweiten Regie-Arbeit vor allem Wallis Simpson ins Visier: Die geschiedene und mittellose Amerikanerin, die in den dreißiger Jahren ganz bewusst eine Affäre mit König Edward VIII. suchte, dürfte eine Frau so recht nach ihrem Geschmack gewesen sein. Obwohl nach eigener Einschätzung keine klassische Schönheit, wusste sie sich doch in raffinierten Kostümen in Szene zu setzen. Wo sie auftrat, beherrschte sie nach Madonnas Deutung den Raum.

Das Leben als Art-déco-Kleiderstange

Die Schauspielerin Andrea Riseborough spielt die soziale Hasardeurin zur Hälfte wie Madonna einst die Präsidentengattin "Evita" darstellte, zur Hälfte als Art-déco-Kleiderstange. Der Schauspieler James D'Arcy als der von Wallis eingefangene König Edward wirkt da in seiner devoten Noblesse nur wie ein Kammerdiener, der Kleider und Klunker für my lady reicht.

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"W.E.": Lost in deformation
So richtig mitleiden kann man da nicht. Was fand der König nun genau an der Bürgerlichen? Was trieb ihn dazu, 1936 für Wallis auf den britischen Thron zu verzichten? Warum fanden Edward und Wallis bei aller Radikalität, mit der sie ihre in Luxus gebettete Liebe verfolgten, kein Glück im französischen Exil? Das Psychologische gerät leicht unter die Räder, wenn man nur das Ökonomische im Blick hat.

Die rauschhaften Party-Szenen in "W.E.", die Madonna mit den Sex Pistols und anderen zeithistorischen Flapsigkeiten unterlegt, geben ebenso wenig Aufschluss über die Gefühlslagen ihrer beiden Helden wie die Ausflüge ins Tragische: Müde blickt Wallis am Ende in die Kamera, ermattet von ihrem Leben im goldenen Käfig. Eine geborene Herrscherin, die doch kein Volk hat. Was nützt das schönste Kleid, wenn einen darin niemand bewundern kann?

Die Sache mit dem Hitler-Gruß

Tatsächlich, so schlicht versucht Madonna das Drama ihrer Heldin auf den Punkt zu bringen. Dass die Isolation ihres Traumpaars auch etwas mit Politik zu tun haben könnte, mit größeren historischen Zusammenhängen, das kommt der Regisseurin nicht in den Sinn. War da nicht was mit Hitler? Dass die britischen Untertanen nach dem Krieg die Bürgerliche nicht als Prinzessin der Herzen feiern konnten, obwohl sie sich doch so fotogen in Szene zu setzen verstand, hatte sicherlich auch etwas mit der problematischen Haltung von Wallis und Edward zum Nazi-Regime zu tun: Immer wieder zeigten die beiden Sympathien für den NS-Staat.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob die Kontakte Edwards zu Hitler Mitte der dreißiger Jahre nicht eher politischem Kalkül als ideologischer Nähe geschuldet waren, ob sie nicht Teil einer Art Appeasement-Strategie waren. Sicher ist jedoch, dass die vielen Hitler-Grüße, die er bei einem Deutschland-Trip 1937 formvollendet vor Fotografen ausführte, seine Landsleute nachhaltig verstörten.

Und da durch dieses historische Faktum nun mal in "W.E." kein Volk da ist, dass den beiden Liebenden zujubelt, dachten sich Madonna und ihr Autor Alek Keshishian (drehte 1991 auch die Dokumentation "In Bed With Madonna") folgenden Kniff aus: Im New York des Jahres 1998 verliert sich die junge kinderlose Upper-Eastside-Hausfrau Wally Winthrop (Abbie Cornish) in der Liebesgeschichte von Wallis und Edward. Über Accessoires rekonstruiert sie das Verhältnis der beiden, sucht abstruse Identifikationspunkte, kleidet und frisiert sich bald wie Wallis und erwirbt schließlich bei der eingangs beschriebenen Sotheby's-Auktion Handschuhe von der Verehrten. Von ihrem Ehemann, der Wally keine Kinder schenken will und sich statt in der Begattung lieber in Besäufnissen ergeht, wird sie für ihre Tagträume geschlagen.

Zum Glück trifft die traumatisierte Society-Lady auf einen armen, aber guten Russen. Der wohnt in einem Keller in Brooklyn, der wohl ganz armselig wirken soll, in dem aber ein wunderschöner riesiger Konzertflügel steht. In Rückblenden wird das Leiden der schönen armen Royals und der schönen armen New Yorker zusammengeschnitten. Bald weiß man nicht mehr so recht, in welchem Jahrzehnt und in welcher gekränkten Psyche man sich gerade aufhält, lost in deformation.

Wer will, kann dieses Edel-Desaster trotzdem als Erfolg für Madonna feiern. Eine Illusion komplett aus Gold und Glitter, nichts weniger hat das alte Material Girl hier zusammengezimmert.

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Seite 1
ObackoBarama 19.06.2012
1.
Zitat von sysopSenator FilmIn "W.E." erzählt Madonna die Geschichte des britischen König Edward, der die Bürgerliche Wallis Simpson heiratete. Eine Kino-Schmonzette voller Gold und Glitter, bei der ein Detail draußen bleibt: Hatte der Monarch nicht was mit den Nazis? http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,838464,00.html
Oh Gott, bitte nicht! Jetzt wurde die krankhaft Ehrgeizige, aber talentfreie Madonna auch noch Regisseurin ! Nachdem sie seit Jahrzehnten verzweifelt versucht hat, als Schauspielerin und einen Flop nach dem anderen geliefert hat. Ich habe neulich eine Doku über diesen Edward in TV gesehen. Da kamen einige britische, deutsche und amerikanische Historiker zu Wort. Nix da romantische Liebe. Das ist schöne Verklärung. Nicht deswegen hat er auf den Thron verzichtet. Sondern, wie die Historiker behaupten,-wegen seiner Zuneigung zu den Nazis, wurde er von dem britischen Königshaus dazu gezwungen, auf den Thron zu verzichten.
Protuberanzen 19.06.2012
2. oh Lord
Zitat von sysopSenator FilmIn "W.E." erzählt Madonna die Geschichte des britischen König Edward, der die Bürgerliche Wallis Simpson heiratete. Eine Kino-Schmonzette voller Gold und Glitter, bei der ein Detail draußen bleibt: Hatte der Monarch nicht was mit den Nazis? http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,838464,00.html
Frau Madonna Missionarin. Während John Lennon Lady Madonna durch Liebe zu Allen pries, bekommen w.e. (wir) von ersterer nur noch teure Gebrauchsanweisungen für Stehplätze for you könnt froh sein. Frau Madonna hätte auch einen Film, warum angelte Jacky Kennedy Onassis, in USA machen können, obwohl w.e. das schon eingebläut bekommen haben. sowas von konservativ, aber.......
favela lynch 19.06.2012
3. Cri de coeur
Die Story einer Emporgekommenen als veritabler cri de coeur in eigener Sache: Habt mich lieb, verzichtet auf Königreiche, erkennt mich endlich an. Ach Babe, Du wirst nie eine Europäerin werden.
Schyrenplatz 19.06.2012
4.
Zitat von ProtuberanzenFrau Madonna Missionarin. Während John Lennon Lady Madonna durch Liebe zu Allen pries, bekommen w.e. (wir) von ersterer nur noch teure Gebrauchsanweisungen für Stehplätze for you könnt froh sein. Frau Madonna hätte auch einen Film, warum angelte Jacky Kennedy Onassis, in USA machen können, obwohl w.e. das schon eingebläut bekommen haben. sowas von konservativ, aber.......
Ihr Posting verwirrt mich gerade etwas, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass "Lady Madonna" von McCartney besungen wurde und er den Song wohl auch zum größten Teil komponierte und textete. Lennons "Lady Madonna" heißt "Hey Bulldog".
Protuberanzen 20.06.2012
5. Plastic Ono Band
Zitat von SchyrenplatzIhr Posting verwirrt mich gerade etwas, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass "Lady Madonna" von McCartney besungen wurde und er den Song wohl auch zum größten Teil komponierte und textete. Lennons "Lady Madonna" heißt "Hey Bulldog".
neinnein, Lennons Frau heisst Yoko Ono
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