Nach Prostituierten-Rolle Schauspielerin verlässt Marokko wegen Anfeindungen

Beschimpfungen per Mail und in sozialen Medien, schließlich sogar ein tätlicher Angriff: Der Hass, den sie in Marokko erleben musste, hat die Schauspielerin Loubna Abidar außer Landes getrieben - weil sie in einem Film eine Prostituierte spielte.

Filmstill aus "Much Loved": Morddrohungen gegen Schauspielerin
DDP/ Capital Pictures

Filmstill aus "Much Loved": Morddrohungen gegen Schauspielerin


Eine wegen ihrer Rolle als Prostituierte in Marokko angefeindete Schauspielerin hat nach Angaben der französischen Zeitung "Le Monde" ihre nordafrikanische Heimat verlassen. In einem am Donnerstag von dem Blatt veröffentlichten Beitrag schrieb Loubna Abidar über ihre Gründe.

Nachdem der Kinofilm "Much Loved" des französisch-marokkanischen Filmemachers Nabil Ayouch beim internationalen Festival in Cannes gezeigt worden sei, habe in Marokko eine Hass-Kampagne begonnen, berichtete sie.

Auf Facebook und Twitter sei sie als "schmutzige Hure" beschimpft worden und habe Morddrohungen erhalten, schrieb die 30-Jährige. Um sich sicherer zu fühlen, habe sie sich voll verschleiert, wenn sie das Haus verließ.

Als sie es vor gut einer Woche gewagt habe, ohne Schleier in Casablanca auf die Straße zu gehen, sei sie von drei Männern erkannt und attackiert worden. "Sie schlugen und beleidigten mich", schrieb sie. "Ich hatte Glück, es waren 'nur' betrunkene Jugendliche, die Spaß haben wollten ... andere hätten mich getötet." Polizisten und Ärzte hätten sie nach dem Übergriff ausgelacht.

Die marokkanische Regierung hatte im Mai verboten, dass das Drama in die Kinos kommt, weil es marokkanischen Frauen und dem Ruf des Königreichs insgesamt schade. Prostitution ist in dem islamischen Land ein Tabuthema - obwohl sie häufig vorkommt.

Ende 2014 hatte die marokkanische Filmkommission schon einmal die Aufführung eines Films untersagt: Ridley Scotts alttestamentarisches Werk "Exodus" durfte nicht gezeigt werden, da es sich angeblich um Geschichtsfälschung handelte. Erst nachdem der Regisseur und das Filmstudio zugestimmt hatten, dass zwei strittige Audiopassagen gestrichen werden könnten, lief der Film in einigen marokkanischen Kinos. "Exodus", der die Geschichte von Moses und Ramses erzählt, wurde anschließend noch in anderen islamischen Ländern verboten.

feb/dpa



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