von Rena Tarrach, Wellington
"Boah, das ist ja doll!" Maria Schmidt aus Leverkusen macht riesige Augen: "Das ist ja Gollum aus den 'Herr der Ringe'-Filmen." Die junge Dame ist gerade auf Wellingtons Flughafen gelandet. Oben an der Decke des Terminals für ankommende Gäste hängt Gollum als Skulptur. Und diese Skulptur versucht mit dem ihm eigenen verfaulten Trümmergebiss einen riesigen Fisch zu fangen. Frau Schmidt lässt furchtlos ihre Tasche fallen, zückt ihre Kamera und läuft unter die Figur, um die beste Perspektive zu ergattern. Willkommen in Mittelerde!
Craig Thomas, Sprecher des Flughafens der Hauptstadt Neuseelands, ist stolz: "Wir haben mit Sir Peter Jacksons Weta Studios überlegt, was wir tun können, um die Reisenden aus aller Welt in einer Welt von Mittelerde zu empfangen, und Gollum passte da bestens in unser Konzept."
Vom Flughafen ins Zentrum der Stadt dauert es nur rund zehn Minuten, und dann kommt man vorbei am nächsten Indiz dafür, dass man sich in Mittelerde befindet, dem Land aus J.R.R. Tolkiens Hobbit-Welt: Eine riesige Hobbit-Briefmarke prangt als Banner an der Hauptpost der Stadt. 25 mal 15 Meter ist sie groß, und Martin Freemann, der Bilbo Beutlin in der Trilogie spielt, ist darauf im Porträt abgebildet. Er scheint über den ganzen Hafen Wellywoods zu blicken. Wellywood? Ja, so wird die Stadt seit Jacksons Oscar Erfolgen liebevoll genannt.
Es kann offensichtlich gar nicht genug Monumente für den berühmtesten Neuseeländer aller Zeiten in Wellington geben. "Unser Peter hat Wellington und Neuseeland auf die internationale Filmkarte gezaubert, und wir unterstützen seine Filmprojekte, wo immer und wie immer wir können", sagt die Bürgermeisterin der Stadt, Celia Wade-Brown. Oder anders ausgedrückt: "Peter Jackson ist das Flaggschiff unserer Künstler", meint Sir Richard Taylor, Direktor der Weta Studios, die maßgeblich an der Entstehung des "Hobbit" beteiligt waren. Dort wurden alle Gegenstände, die man in den Filmen sieht, hergestellt: Tische, Kostüme, sämtliche Masken. Und eben auch Sechs-Meter-Zwerge.
Ein paar Ecken weiter thront seit ein paar Wochen Gandalf, eine weitere Hauptfigur der Tolkien-Welt: Auf dem Außenbalkon des Embassy Theatres klopft Gandalf, im Film gespielt von Sir Ian McKellen, an eine runde Hobbit-Tür. Vor dem Kino darunter wird am Mittwoch der 500 Meter lange roter Teppich für Filmpremiere ausgerollt.
Nur ein paar Meter entfernt vom Courtenay Place entfernt hat am Samstag ein riesiger Hobbit-Markt eröffnet. Mehr als 30 Künstler, die am "Hobbit"-Projekt mitgearbeitet haben, stellen ihre Werke aus - von Glasbläsern, über Kostüm- und Maskenbildner bis hin zu den Illustratoren. Die Besucher können bewundern, was hinter den Kulissen des Filmprojekts passierte.
Unter den Besuchern sind viele Deutsche. 60.000 fliegen pro Jahr nach Neuseeland. Bei ihrer Reise sind einige von ihnen auch in den Genuss eines ganz einzigartigen Sicherheitsfilmes gekommen: Denn auch Air New Zealand huldigt dem Hobbit und seinem Kino-Schöpfer: Eine Stewardess in Elben-Kostüm begrüßt die Fluggäste; Orks, die dunklen Wesen aus der Tolkien-Welt, haben sich unter die Fluggäste gemischt, und selbst Regisseur Peter Jackson spielt in dem Film mit: Er zieht einen Ring an - und verschwindet.
Spätestens Mittwochabend wird er wieder auf der Bildfläche erscheinen. Dann wird Jackson nach dem Gang über den 500-Meter-Teppich mit Team und geladenen Gästen im Embassy Theatre seinen "Hobbit" anschauen. Aber aufregender als die Mittelerde, in die sich das reale Wellington verändert hat, kann die Kino-Mittelerde gar nicht sein.
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