Weltraum-Horror "Apollo 18" Reise zum Käse

Was wäre, wenn es eine Mondmission gegeben hätte, von der die Welt nie erfuhr, weil sie für die Astronauten böse endete? Aus dieser reizvollen Idee versucht der US-Thriller "Apollo 18" Kapital zu schlagen - bleibt aber leider so blass wie das Felsgestein des Erdtrabanten.


Einer bekannten Verschwörungstheorie zufolge sind die Amerikaner nie auf dem Mond gelandet. "Apollo 18" hingegen behauptet, US-Astronauten hätten einmal mehr als bislang bekannt den Erdtrabanten betreten. Für ihren Low-Budget-Weltraumhorror bedienen sich Regisseur Gonzalo López-Gallego und Produzent Timur Bekmambetov ("Wächter der Nacht") des bestens vertrauten Stilmittels der "found footage": Angeblich authentisches und plötzlich aufgetauchtes Filmmaterial vom geheimen Mondflug wird montiert, um möglichst veritablen Grusel zu erzeugen.

Laut unheilsschwangerer Texttafeln beginnt das Unglück der dreiköpfigen Apollo-18-Besatzung im Dezember 1974: Ohne Wissen ihrer Angehörigen und der Weltöffentlichkeit gelangen Lieutenant Colonel John Grey (Ryan Robbins), Commander Nathan Walker (Lloyd Owen) und Captain Ben Anderson (Warren Christie) an Bord der Raumkapsel "Freedom" in die Mondumlaufbahn. Während Grey im Orbit verbleibt, manövrieren Walker und Anderson das Landemodul "Liberty" auf die aschgraue Oberfläche, um dort als dreizehnter und vierzehnter Amerikaner ihre Fußspuren zu hinterlassen. Und um im Auftrag des Verteidigungsministeriums ominöse Sensoren sowie Kameras mit Bewegungsmeldern zu installieren, die nach Auskunft der gesichtslosen Stimme aus dem Funkgerät als Teil eines Raketenfrühwarnsystems die USA vor einem sowjetischen Atomschlag schützen sollen.

Das riecht natürlich bereits nach fieser Falle, doch pflichtbewusst hissen Walker und Anderson das Sternenbanner und platzieren die diversen Apparaturen auf dem Trabanten. Aber schon in der ersten Nacht stören unerklärliche Geräusche den Schlaf der Astronauten. Zugleich nimmt eine der Außenkameras unbemerkt von den Raumfahrern ein sonderbares Phänomen auf, das mit dem allgegenwärtigen Mondgestein zusammenhängt.

Schon diese Einstellung wird den meisten Zuschauern genügen, um den weiteren Verlauf des Films vorauszusehen. Das Problem ist, dass "Apollo 18" buchstäblich felsenfest an sein Überraschungsmoment glaubt, welches sich aber partout nicht einstellen will. So raubt das Gimmick, dessen Details Spoiler-Paranoiker gerne selber entdecken dürfen, der Inszenierung in Folge fast jegliche Dramatik.

Wo bleibt der Anwalt mit der Plagiatsklage?

Wo ein flotter Kurzfilm aus dem unvermeidlichen Einbruch des Phantastischen wohl eine brauchbare Pointe gewonnen hätte, schleppen sich die erwartungsgemäß gar nicht so einsamen Mondmänner über 80 Minuten von einer mauen Enthüllung zur nächsten. Dazwischen sitzen sie in ihrem Landemodul, welches zwar an einen mit Altelektronik vollgestellten Kellerraum gemahnt, dem Zuschauer jedoch nicht das gewünschte Gefühl der Klaustrophobie vermittelt. Noch schneller als die Luft werden dabei die Ideen knapp: Insbesondere Ridley Scotts "Alien" plündert der Film derart dreist, dass es nicht verwundern würde, wenn plötzlich ein Anwalt mit Plagiatsklage im Gepäck vor der Luftschleuse stünde. Dabei könnte gekonntes Kopieren durchaus unterhalten, aber "Apollo 18" beschränkt sich auf das uninspirierte Zitieren seiner Vorläufer.

Das gilt ebenfalls für die Ästhetik der vermeintlich verunfallten Dokumentaraufnahmen, die im maßgebenden "Blair Witch Project", aber auch in Filmen wie "Cloverfield", "Paranormal Activity" und "Der letzte Exorzismus" weitaus effektiver eingesetzt wurden. Gerade in Momenten, in denen sich die Darsteller direkt an die Kamera richten - um panisch Zeugnis abzulegen, oder um einfach mal richtig irre und sinister dreinzuschauen - werden die Defizite überdeutlich: Die Video-Testimonials im Unterholzhorror von "Blair Witch" etwa waren so beklemmend, weil der Zuschauer längst emotional in das Schicksal der Protagonisten investiert hatte. Walker und Anderson hingegen bleiben als Figuren blass wie der Felsen, auf dem sie gestrandet sind. Und entsprechend teilnahmslos verfolgt man ihre Bemühungen, unversehrt vom Mond zu entkommen.

Letzterer war in der Filmgeschichte schon oft ein beeindruckender Schauplatz, von George Méliès' bahnbrechendem Pionier-Science-Fiction "Die Reise zum Mond" (1902) bis zum wunderbaren Kammerspiel "Moon" (2009) von Duncan Jones. Von der mythischen Dimension unseres Satelliten, der trotz oder vielmehr wegen seiner relativen Nähe zur Erde seit Jahrtausenden die Phantasie beflügelt, ist in "Apollo 18" nichts zu erahnen. Der öde Kalter-Krieg- und Kreaturenalarm im Sandkisten-Krater erinnert vielmehr an ein anderes Bild vom Mond: an einen sehr, sehr großen Käse.

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
thomas l. 14.10.2011
1. Apollo 18?
Wie wärs mit Apollo 20 Recherche? Spekulation in diesem Fall...
Ronno, 14.10.2011
2. Movie-Monster
Nunja, schaun mer mal. Aber stimmt schon. Anhand des Artikels und der paar Screenshots kann man sich als "Monstermovie-Fan" den Plot schon zusammenreimen. Aber insb. bei Plagiatsfragen wird's wohl schwer. Neue Monster mit halbwegs biologisch glaubhaftem Hintergrund zu kreieren ist nicht leicht: Ein "Ding", das seine Samen in die Opfer injiziert und zu willenlosen "Zombies" macht, die die Brut weitertragen und als erste Nahrung dienen, ist bei mir auch erst vor ein paar Wochen vom "Stapel gelaufen". Inspiriert wurde ich aber weniger durch "Alien", als weit mehr durch einen Bericht hier bei SPON, wo es um einen Pilz ging, der Ameisen befällt und auch deren "Steuerung" übernimmt. Ich vermute für den Film mal Ähnliches. Irgendwie mus "Es" ja zur Erde gelangen... für das Sequel! ;-)
Gordis 14.10.2011
3. Was
Was wäre, wenn die US Mondlandung nur in Hollywood gedreht wurde. Bis jetzt war noch kein Mensch auf dem Mond!
Michael O., 14.10.2011
4. Alles erfunden !
Zitat von GordisWas wäre, wenn die US Mondlandung nur in Hollywood gedreht wurde. Bis jetzt war noch kein Mensch auf dem Mond!
Genau ! Und die USA sind nur eine Erfindung aus Babelsberg ! In Wirklichkeit grenzt Neufundland direkt an El Salvador...
Haio Forler 14.10.2011
5. .
Zitat von GordisWas wäre, wenn die US Mondlandung nur in Hollywood gedreht wurde. Bis jetzt war noch kein Mensch auf dem Mond!
War klar, dass hier wieder umnebelte Verschwörungstheporetiker aus dem Busch springen.
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