"Johnny Flash" Legendärer Regisseur Werner Nekes ist tot

Er erkundete die Vorgeschichte des Kinos, experimentierte mit den Bildern und entdeckte Christoph Schlingensief und Helge Schneider: Der Kino-Abenteurer Werner Nekes ist im Alter von 72 Jahren gestorben.

Filmemacher Werner Nekes
DPA/ APA

Filmemacher Werner Nekes


Sammler und Dozent, Experimentalfilmkünstler und Schlagerparodieregisseur: Werner Nekes war dem Kino auf ganz unterschiedliche Weise verbunden. Der in Duisburg aufgewachsene Filmfan begann ab Mitte der Sechzigerjahre Super-8-Filme zu drehen; 1967 ging er nach Hamburg, wo er die Filmemacher Cooperative mitgründete, eines der deutschen Kraftzentren des Experimentalfilms. In diesem Umfeld waren auch Hellmuth Costard oder Klaus Wyborny aktiv.

Als Dozent förderte Nekes auch immer wieder junge Talente. Anfang der Siebzigerjahre unterrichtete er an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, Anfang der Achtzigerjahre an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Dort lernte er auch den jungen Christoph Schlingensief kennen, der ihm 1986 bei der Realisierung der Schlagerfilmparodie "Johnny Flash" half. Hauptrolle: Helge Schneider.

Der Film, der Schneiders Karriere als Schlager- und Jazzgenie von eigenen Gnaden in die Gänge brachte, zeigt die unermessliche kreative Bandbreite Nekes'. Aufmerksamkeit erlangte er im gleichen Jahr auch mit seinem Filmessay "Was geschah wirklich zwischen den Bildern?", in dem er sich mit dem frühen Kino und den optischen Illusionierungstechniken der Jahrhunderte davor auseinandersetzte.

Ein Thema, das ihn fortan nicht losließ. Über die Jahre baute Nekes eine beachtliche Sammlung von historischen optischen Spielzeugen aus der Früh- und Vorzeit des Kinos auf. Die Geräte setzte er auch bei seinen Filmessays immer wieder ein.

Wie die Kunstzeitschrift "Monopol" berichtet, ist Werner Nekes nun im Alter von 72 Jahren in seiner langjährigen Heimat Mülheim an der Ruhr gestorben.

cbu

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