Kinofilm "Willkommen bei Habib" Die Maultaschenhelden

Stuggi oder Türkei? In dem stimmungsvollen Kinofilm "Willkommen bei Habib" kämpfen sich vier Männer rund um den Stuttgarter Wilhelmsplatz durch Lebenskrisen. Am schönsten gelingt die Geschichte um ein deutschtürkisches Vater-Sohn-Gespann.

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Stuttgart hat ein Problem. Die Müllabfuhr streikt, und es ist auch noch Spätsommer. Welche Gerüche die Stadt durchziehen, sobald die träge Augustsonne aufgeht, kann man sich denken.

Wie der Müll vor den Häusern hat sich auch vor den Figuren aus "Willkommen bei Habib" einiges an Altlasten aufgestapelt: Titelheld Habib (Vedat Erincin, "Almanya"), ein Imbissbesitzer Mitte 50, trifft unerwartet seine Jugendliebe aus der Türkei wieder und muss sich der Frage stellen, ob er einst bei seiner Ausreise nach Deutschland nicht zu viel hinter sich gelassen hat; seinen Sohn Neco (Burak Yigit, "Shahada") wiederum zieht es in die Arme von Studentin Jona, mit der er von der Flucht in die Türkei träumt, ihn quält seine von Sachzwängen bestimmte Situation als junger Vater. Ohne von den Nöten des anderen zu wissen, stehen Vater und Sohn plötzlich vor denselben Problemen: Was aussortieren, was behalten im Leben?

"Habib Connection" sollte der zweite Spielfilm von Regisseur und Co-Autor Michael Baumann zunächst heißen. Der ursprüngliche Titel machte die Anlage deutlicher. Habibs türkisch-schwäbische Imbissbude am Wilhelmsplatz bildet nämlich nicht nur den Knotenpunkt für die Geschichten von Vater und Sohn, zwischen Dönerspieß und Maultaschen spielen sich noch zwei weitere tragikomische Dramen ab. Unternehmer Bruno (Thorsten Merten) baut aus Protest gegen seine unrechtmäßige Entlassung aus dem sich anhäufenden Müll ein Ein-Mann-Occupy-Camp auf, und der greise Ingo (Klaus Manchen) flüchtet aus dem Krankenhaus zu Habib, um mit letzter Kraft die Versöhnung mit seiner Tochter voranzutreiben, die er vor langer Zeit wortlos zurückgelassen hat.

Zweite Heimat Türkei

Leider ist die Connection der vier Geschichten aber nicht die größte Stärke des Films. Während Thorsten Merten ("Halbe Treppe") seinen Part rettet, in dem er kräftig aufdreht und Bruno als beherzten Macho unter existenziellem Zugzwang spielt, hätte man auf die sentimentale Figur des Ingos gerne verzichtet - auch, um mehr Zeit für Habib, Neco und besonders die Frauen in ihrem Leben zu haben. Denn selbst wenn sich der Film um vier Männer herum gruppiert, gehören einige der besten Momente den Frauen. Mit einigen festen Handgriffen und gehaltenen Blicken machen die klar, wie fest sie im Gegensatz zu den aus der Bahn geworfenen Kerlen im Leben stehen.

Da passt es also dann doch, dass der Titel zum Kinostart in "Willkommen bei Habib" geändert worden ist. Das erinnert an den Multikulti-Kassenknüller "Almanya - Willkommen in Deutschland" und verweist so indirekt auf die Konflikte, die sich zwischen den zwei Migrantengenerationen, die Neco und Habib verkörpern, entspannen. Hier liegen eindeutig die erzählerischen Stärken von Baumann und seiner Koautorin Sabine Westermaier. Sehr schön skizzieren sie, wie die Türkei für Sohn Neco zum abstrakten Sehnsuchtsort wird - als Zuflucht vor den Zumutungen des deutschen Alltags, aber auch als zweite Heimat, die ihm der Vater vorenthalten hat.

Mit Hilfe der üppigen Bilder von Bernhard Keller ("Alle Anderen", "Die Wand"), der das bislang wenig abgefilmte Stuttgart mit großer Freude erkundet, gelingt "Willkommen bei Habib" so eine Reihe stimmungsvoller Miniaturen, die wie der Spätsommer selbst von sanfter Melancholie durchdrungen sind.

Am Ende nimmt die Stuttgarter Müllabfuhr wieder die Arbeit auf, und auch Habib und Neco haben auf ihre jeweils eigene Art angefangen, in ihrem Leben aufzuräumen. Am Ende einer dramatischen Nacht haben sich die so unterschiedlichen Männer sogar wieder ein bisschen angenähert. In neuer Verbundenheit schauen sie gemeinsam in die aufgehende Augustsonne. Tatsächlich, ein bisschen wärmen ihre Strahlen noch.


"Willkommen bei Habib". Ab 5. Juni im Kino. Regie: Michael Baumann. Mit: Vedat Erincin, Burak Yigit, Thorsten Merten, Klaus Manchen, Teresa Harder, Luise Heyer, Mariam Zaree.

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