Alec Baldwin über Kritik an Woody Allen "Unfair und traurig"

Immer mehr Schauspieler wenden sich wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs von Woody Allen ab. Sein Weggefährte Alec Baldwin verteidigt ihn.

Woody Allen, Alec Baldwin
REUTERS

Woody Allen, Alec Baldwin


Der Schauspieler Alec Baldwin hat sich via Twitter hinter den Filmemacher Woody Allen gestellt. Er schrieb, der Fall - Allen, so behauptet seine Adoptivtochter Dylan, soll sie missbraucht haben, als sie ein Kind war - sei in zwei US-Staaten untersucht worden, es sei zu keiner Anklage gekommen. Die Abkehr von Allen und seiner Arbeit sei unfair und traurig. "Ich habe dreimal mit Woody Allen gearbeitet, und es war eines der Privilegien meiner Karriere."

Baldwin spielte in den Woody-Allen-Filmen "Alice", "Blue Jasmine" und "To Rome with Love". Im Zuge der #MeToo-Debatte werden wieder Vorwürfe laut, Woody Allen habe 1992 seine Adoptivtochter Dylan Farrow sexuell missbraucht, sie war damals sieben Jahre alt. Allen streitet den Vorwurf ab und weigert sich, öffentlich darüber zu sprechen (SPIEGEL-Autor Philipp Oehmke hatte zuletzt versucht, mit Allen über das Thema zu reden - seine Geschichte lesen Sie hier).

Die Ermittlungen wurden eingestellt, angeblich, um das Opfer zu schonen. Dylan Farrow erneuerte ihre Anschuldigungen seither immer wieder, besonders, seitdem aus der Affäre um Harvey Weinstein die #MeToo-Bewegung wurde. Konkret wirft sie Schauspielerinnen wie Kate Winslet und Blake Lively vor, sich einerseits für Missbrauchsopfer einzusetzen, andererseits aber ihren Stiefvater zu verteidigen.

Ihr Bruder, der Journalist Ronan Farrow, brachte die #MeToo-Debatte im Oktober 2017 mit einem Artikel über die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen Harvey Weinstein ins Rollen.

Inzwischen brechen immer mehr Schauspieler und Schauspielerinnen öffentlich mit Woody Allen.

  • Greta Gerwig sagte, sie wolle künftig nicht mehr mit Woody Allen arbeiten.
  • Ellen Page bezeichnete ihre Rolle in "To Rome With Love" als größten Fehler ihrer Karriere.
  • Mira Sorvino ("Geliebte Aphrodite") schrieb einen offenen Brief an Dylan Farrow, in dem sie sich dafür entschuldigt, erst jetzt zu ihr zu stehen und sie zu unterstützen. Sie werde nie wieder mit Allen arbeiten.
  • David Krumholtz schrieb auf Twitter, er bereue es zutiefst, mit Allen dessen neuen Film "Wonder Wheel" gedreht zu haben.
  • Gleich drei Schauspieler aus Allens jüngst abgedrehter Komödie "A Rainy Day in New York" distanzieren sich von dem Regisseur. Griffin Newman, Rebecca Hall und Timothee Chalamet wollen ihre Gagen an Organisationen spenden, die sich gegen sexuellen Missbrauch engagieren.

"A Rainy Day in New York" soll im Lauf des Jahres in den USA starten. Die Hauptrollen spielen Selena Gomez, Jude Law, Liev Schreiber und Elle Fanning. Die Geschichte dürfte die Kontroverse weiter anfachen: Elle Fanning spielt darin eine 15-Jährige, die eine sexuelle Beziehung mit einem 44-Jährigen hat.

Es handelt sich um das vierte Woody-Allen-Projekt, das von den Amazon Studios finanziert wurde. Angeblich zahlte das Unternehmen im Jahr 2016 80 Millionen Dollar, um ihn die Serie "Crisis in Six Scenes" filmen zu lassen. Sein neuer Film "Wonder Wheel", der am 11. Januar in den deutschen Kinos anlief, soll 25 Millionen Dollar gekostet haben, konnte aber bislang erst sieben Millionen einspielen.

Bisher hat sich das Studio, dessen ehemaliger Chef Roy Price nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung gefeuert wurde, nicht zu einer zukünftigen Zusammenarbeit mit Woody Allen geäußert.

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
TomRohwer 17.01.2018
1.
Vor dem Hintergrund, daß Dylan Farrows Mutter Mia Farrow (jahrelang Woody Allens Muse) seit vielen Jahren einen bösen Rosenkrieg gegen Woody Allen führt und ihn schon 1992 des Mißbrauchs beschuldigt hat, sind diese Vorwürfe recht zweifelhaft. Denn Mia Farrow war sauer, daß Woody Allen und ihre Adoptiv-Tochter Soon-Yi Previn ein Paar geworden waren. Da wurde dann die Mißbrauchskeule rausgeholt. Woody Allen und Soon-Yi Previn sind nun schon seit 20 Jahren verheiratet und haben selbst zwei Adoptiv-Töchter. Es liegt auf der Hand, daß Mia Farrow, die Woody Allen seit jener Zeit mit Hass verfolgt, jetzt die "MeToo"-Gelegenheit nutzt. Und Mia Farrow hatte viele Jahre Zeit, ihrer Tochter einen Mißbrauch einzureden. Am Rande angemerkt: es gibt sogar ein rechtsmedizinisches Gutachten aus jener Zeit, das feststellte, Dylan Farrow sei nicht sexuell mißbraucht worden...
Palmstroem 17.01.2018
2. Warum glaubt man Kindern nicht!
"Neu ist, dass die heute 28-jährige Dylan Farrow sie selbst erhebt – und das so öffentlich, wie sie kann: in einem offenen Brief, den sie Nicholas Kristof, einem Kolumnisten der "New York Times", für die Internetseite der Zeitung zukommen ließ. In dem Brief schildert Farrow, die inzwischen unter anderem Namen lebt, wie ihr Stiefvater Allen sie im Alter von sieben Jahren auf dem Dachboden missbraucht habe." - Und wieder einmal glaubt man dem Opfer nicht. Dabei gibt es inzwischen hunderttausende Fälle von Kindesmißbrauch durch Priester, Lehrer, Ärzte, Trainer und Promis, in denen sich zeigte, dass die Anschuldigungen nicht nur wahr, sondern nur die Spitze des Eisberges waren. Aber nach wie vor glaubt man lieber Erwachsenen als Kindern. Ob Roman Polanski oder Woody Allen, als Vertreter des linken liberalen Amerikas hat man sie immer wieder verteidigt. Blind ist eben nur, wer nicht sehen will!
ueberlegdochmal 17.01.2018
3. Oh, Hollywood!
Hollywood. Was mehr muss man sagen? Jahrelang haben alle Mr. Weinstein hoffiert - Hillary Clinton, Oprah, etcetc. - und jeder wusste Bescheid. Jetzt will niemand davon etwas gewusst haben. Jeder Mann steht mittlerweile unter dem #MeeToo Generalverdacht, und das Volk schreit nach Blut. Und nur ist auch Woody Allen Opfer dieser Hexenjagd. Hut ab fuer den Mut einiger Wenigen, die sich dem selbstgerechten und blutduerstenden Mob entgegenstellen - Alec Baldwin, der aus eigener Erfahrung weiss, wie wenig Rechte Mann in der Gesellschaft mittlerweile hat sowie Kate Winslet und Blake Lively. Respekt! Gerade wir als Deutsche scheinen wieder einmal die Geschichte vergessen zu haben. Wenn eine Gruppe von Menschen nicht verteidigt werden darf/soll, ist doch etwas faul!
Palmstroem 17.01.2018
4. Nicht richtig
Zitat von TomRohwerVor dem Hintergrund, daß Dylan Farrows Mutter Mia Farrow (jahrelang Woody Allens Muse) seit vielen Jahren einen bösen Rosenkrieg gegen Woody Allen führt und ihn schon 1992 des Mißbrauchs beschuldigt hat, sind diese Vorwürfe recht zweifelhaft. Denn Mia Farrow war sauer, daß Woody Allen und ihre Adoptiv-Tochter Soon-Yi Previn ein Paar geworden waren. Da wurde dann die Mißbrauchskeule rausgeholt. Woody Allen und Soon-Yi Previn sind nun schon seit 20 Jahren verheiratet und haben selbst zwei Adoptiv-Töchter. Es liegt auf der Hand, daß Mia Farrow, die Woody Allen seit jener Zeit mit Hass verfolgt, jetzt die "MeToo"-Gelegenheit nutzt. Und Mia Farrow hatte viele Jahre Zeit, ihrer Tochter einen Mißbrauch einzureden. Am Rande angemerkt: es gibt sogar ein rechtsmedizinisches Gutachten aus jener Zeit, das feststellte, Dylan Farrow sei nicht sexuell mißbraucht worden...
Der Richter damals sah das etwas anders: "Der Richter verurteilte das Verhältnis Woody Allens zu seiner "sozialen" Tochter Soon-Yi hinter dem Rücken von Mia Farrow moralisch. Und er hielt den sexuellen Missbrauch der heute siebenjährigen Dylan nicht für ausgeschlossen. Wenn auch nicht für beweisbar, die Indizien seien "unklar". Dabei bezog sich Richter Wilk auch auf die Psychotherapeutin der kleinen Dylan, die Allens Verhältnis zu Dylan als "unangemessen intensiv" bezeichnet halte."(NYT)
Abel Frühstück 17.01.2018
5.
Zitat von PalmstroemDer Richter damals sah das etwas anders: "Der Richter verurteilte das Verhältnis Woody Allens zu seiner "sozialen" Tochter Soon-Yi hinter dem Rücken von Mia Farrow moralisch. Und er hielt den sexuellen Missbrauch der heute siebenjährigen Dylan nicht für ausgeschlossen. Wenn auch nicht für beweisbar, die Indizien seien "unklar". Dabei bezog sich Richter Wilk auch auf die Psychotherapeutin der kleinen Dylan, die Allens Verhältnis zu Dylan als "unangemessen intensiv" bezeichnet halte."(NYT)
Ihre Agenda ist uns schon klar. Stichwort "linkes, liberales Amerika" (Sie meinen: die USA). Aber - was den Fall betrifft - uns mögen nicht alle Urteile gefallen oder unserer "Moral" entsprechen. Sie sind in einem Rechtstaat dann aber irgendwann auch mal hinzunehmen, auch wenn uns das privat nicht gefält. Tatsache bleibt: Zwei strafrechtliche Untersuchungen sind zu dem Schluss gekommen, dass Allen nicht zu verurteilen ist. Wenn Sie neue Beweise haben, können Sie eine dritte Untersuchung anregen.
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